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So haben Sie den Pilatusplatz noch nie gesehen

Bilder aus den 1960er-Jahren zeigen: Auf dem Pilatusplatz galt eine völlig andere Verkehrsführung als heute. Nun steht diese erneut zur Diskussion. Denkbar ist eine Fussgängerzone auf der Obergrundstrasse. Diese Idee ist nicht ganz neu.
Stefan Dähler
Der Pilatusplatz in den 1960er-Jahren vor der Umgestaltung. Im Hintergrund ist die Stadtverwaltung zu sehen. Die Gebäude links wurden abgerissen, jenes rechts 1969 mit dem Reiterbauwerk über die Obergrundstrasse hinweg verbunden. (Bild: PD)

Der Pilatusplatz in den 1960er-Jahren vor der Umgestaltung. Im Hintergrund ist die Stadtverwaltung zu sehen. Die Gebäude links wurden abgerissen, jenes rechts 1969 mit dem Reiterbauwerk über die Obergrundstrasse hinweg verbunden. (Bild: PD)

Autos von einer Strasse verbannen und eine Fussgängerzone einrichten – das klingt ganz nach einem Projekt, das typisch ist für die heutzutage links-grün-liberal geprägten Städte. So prüft der Luzerner Stadtrat derzeit am Pilatusplatz eine neue Verkehrsführung, die vorsieht, dass ein Teil der Obergrundstrasse zu einer Flanierzone umgestaltet wird. Stattdessen soll der Hallwilerweg mehr Verkehr schlucken.

Neu ist die Idee gar nicht. Sie stammt sogar aus einer Zeit, in der noch deutlich weniger Autos unterwegs waren, aber die Weichen für ein starkes Verkehrswachstum gestellt wurden. 1944 präsentierte der damalige Stadtrat einen Bebauungsplan, der vorsah, den Hallwilerweg massiv auszubauen und im Gegenverkehr zu führen. Auf der Obergrundstrasse vor dem Hotel Anker sollte dagegen eine Fussgängerzone mit Bäumen entstehen.

Bebauungsplan hat Pilatusplatz stark geprägt

Der Pilatusplatz verdiene die Bezeichnung «Platz» nicht wirklich, er habe eher den Charakter eines «Strassenkreuzes», schrieb der Stadtrat damals im Bericht und Antrag an den Grossen Stadtrat. Der Exekutive war offenbar schon damals bewusst, dass dem Plan etwas visionäres anhaftet. Er eile dem Stand der Dinge «weit voraus», hiess es nämlich weiter im Bericht und Antrag.

Aktueller Plan für eine Flanierzone auf einem Abschnitt der Obergrundstrasse und eine neue Verkehrsführung am Pilatusplatz. (Visualisierung: Stadt Luzern)

Aktueller Plan für eine Flanierzone auf einem Abschnitt der Obergrundstrasse und eine neue Verkehrsführung am Pilatusplatz. (Visualisierung: Stadt Luzern)

Das sind selbstbewusste Worte. Und heute kann man bilanzieren: Auch wenn die Flanierzone bis anhin noch nicht realisiert worden ist, so hat der 1944er-Bebauungsplan die Gestaltung des Pilatusplatzes dennoch stark geprägt: Die Verbreiterung des Hallwilerwegs oder der Reiterbau der Mobiliar-Versicherungen über der Obergrundstrasse gehen auf ihn zurück.

Früher floss der Verkehr in beide Richtungen auf der Obergrundstrasse, auf dem Pilatusplatz befand sich ein Kreisel mit Tram-Haltestellen. Der Hallwilerweg war, wie der Name sagt, eher noch ein Weg als eine Strasse. Das blieb auch nach 1944 eine ganze Weile so, die Umsetzung der Massnahmen des Bebauungsplans liess lange auf sich warten. Erst 1974 war die Umgestaltung des Pilatusplatzes grösstenteils abgeschlossen.

Viele Häuser mussten abgerissen werden

Dies auch, weil dafür mehrere Häuser abgerissen werden mussten. Entsprechend waren zahlreiche Grundstückskäufe und Enteignungen nötig, die Verhandlungen und Verfahren zogen sich in die Länge, wie dem Buch «Die Bodenpolitik der Stadt Luzern» von Beat Mugglin zu entnehmen ist. Insgesamt kostete der Umbau des Pilatusplatzes die öffentliche Hand 5,3 Millionen Franken. Davon entfielen ganze 4,95 Millionen auf den Landerwerb. Teilweise beliefen sich die Quadratmeterpreise auf über 900 Franken – für die damalige Zeit ein sehr stolzer Betrag. Die Kosten wurden zwischen Stadt, Kanton und Bund aufgeteilt.

Der Hallwilerweg in den 1960er-Jahren vor der Umgestaltung. Für diese wurden die Häuser rechts abgerissen. (Bild: PD)

Der Hallwilerweg in den 1960er-Jahren vor der Umgestaltung. Für diese wurden die Häuser rechts abgerissen. (Bild: PD)

Aber eben – nicht alle Massnahmen des 1944er-Bebauungsplans wurden umgesetzt. So sah dieser die Beibehaltung des damaligen Kreisels vor, heute ist der Pilatusplatz bekannterweise eine Kreuzung. Warum die Flanierzone nicht realisiert wurde, ist schwer zu rekonstruieren. Eine Rolle könnten die Pläne des Bundes für den Autobahnanschluss Luzern gespielt haben. Diese wurden in den 1950er-Jahren bekannt, darin spielte der Pilatusplatz als Zubringer eine zentrale Rolle. In einer Sitzung des Grossen Stadtrats im Jahr 1956 gab ein Vertreter der Baukommission zu Protokoll, dass es unmöglich sei, den Pilatusplatz gemäss Bebauungsplan zu realisieren. Dies, weil der Verkehr zu dieser Zeit rasant zunahm. Weiter erfolgte 1961 die Einführung des Trolleybus anstelle des Trams, was eine Umgestaltung des Verkehrsregimes zur Folge hatte.

Die Idee der Flanierzone kam schliesslich 2004 im Rahmen einer Testplanung der Stadt Luzern wieder aufs Tapet. Auf dieser Studie basieren auch die nun zur Diskussion stehenden Pläne für eine Umgestaltung des Pilatusplatzes: Dank der Aufhebung von Parkplätzen könnten auf dem Hallwilerweg mehr Fahrspuren geschaffen werden, um dort ein Gegenverkehrs-Regime einzuführen.

Dieses Bild zeigt dieselbe mittlerweile abgerissene Häuserreihe am Hallwilerweg wie oben. (Bild:PD)

Dieses Bild zeigt dieselbe mittlerweile abgerissene Häuserreihe am Hallwilerweg wie oben. (Bild:PD)

So stark hat der Verkehr zugenommen

Am 9. August 1953 wurden am Pilatusplatz Verkehrszählungen durchgeführt, wie in Dokumenten aus dem Stadtarchiv Luzern ersichtlich ist. Dabei zeigt sich, wie stark der Verkehr seither zugenommen hat:

Auf dem Hirschengraben wurden damals in beide Richtungen 958 Motorfahrzeuge pro Stunde gezählt, 2014 waren es 2775. Auf der Pilatusstrasse waren es 1953 total 727 Fahrzeuge, 2014 insgesamt 1600. Auf der Obergrundstrasse nahm die Zahl von 999 auf 2550 zu.

Die Verkehrszahlen sind seit 1953 aber nicht ungebremst gewachsen. 2005 waren die Zahlen noch etwas höher als bei der Messung 2014, wie dem aktuellen Technischen Bericht der Stadt Luzern zur möglichen Umgestaltung des Pilatusplatzes zu entnehmen ist.

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