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So hilft das Frauenhaus Luzern Kindern, die daheim Gewalt erlebt haben

Bei jedem zweiten Polizeieinsatz sind Kinder anwesend. Im Frauenhaus Luzern finden sie oft erstmals Ruhe. Dafür sorgen die professionelle Betreuung, die gebotenen Aktivitäten – und auch ein spezielles Heft.
Sandra Monika Ziegler
Ein Bild aus dem Kinder-Arbeitsheft «Meine Zeit im Frauenhaus». (Illustration: Andreas Kiener)

Ein Bild aus dem Kinder-Arbeitsheft «Meine Zeit im Frauenhaus». (Illustration: Andreas Kiener)

«Endlich einfach schlafen können, aufstehen ohne Angst, essen was man will.» Das sind Aussagen, die Kinder machen, wenn sie Zeit im Frauenhaus Luzern verbracht haben. Durchschnittlich sind dies 32 Tage, manchmal mehr, manchmal weniger. Sieben Zimmer stehen ihnen mit ihren Müttern zur Verfügung. Letztes Jahr kamen 81 Frauen mit 97 Kindern ins Haus (wir berichteten).

«Einmal suchte eine Frau mit sechs Kindern Schutz bei uns», sagt Geschäftsleiterin Annelis Eichenberger. «Kein Problem es gibt Zimmer mit Zwischentüre. So haben alle Platz.

Sind sie mal angekommen, wird individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen. So wollen die einen sich einfach ausruhen, die anderen haben Hunger, andere wiederum wollen reden, erzählt die Sozialpädagogin Maya Käslin. Unter den Kindern wird schnell Kontakt geknüpft, meist spielerisch. Mit dem Kinder-Arbeitsheft «Meine Zeit im Frauenhaus» werden die Seele und der Schmerz der Kinder ergründet. Das Konzept zum Heft haben die beiden im Frauenhaus tätigen Sozialpädagoginnen Maya Käslin und Helen Hirsiger erarbeitet. Illustriert hat es Andreas Kiener.

Jedes Kind bekommt ein Heft. Sie füllen es mit Farbe, Fotos von sich, zeichnen ihre Familie oder kreuzen an, was sie am liebsten tun. Käslin sagt:

«Damit erhalten wir spielerisch einen ersten Einblick in ihr Leben und haben eine Grundlage für weitere Gespräche.»

Im Haus hat es auf jeder Etage Spielmöglichkeiten und ums Haus genügend Platz zum Spielen, sich verstecken oder einfach sein.

Im Frauenhaus erfahren die Kinder erstmals Sicherheit und Respekt. Können sich ohne Strafe Fehler erlauben, werden getröstet. «Das Gefühl ‹der Mutter geht es besser› wirkt sich positiv auf die Kinder aus. Sie müssen nicht mehr in dauernder Angst und Anspannung vor einem nächsten Gewaltausbruch des Vaters leben», sagt Käslin.

Ist die Sicherheit gewährt, können die Kinder auch zur Schule gehen. Lauert Gefahr, bleiben sie im Haus. Annelis Eichenberger betont:

«Wir hatten schon Jugendliche, die zu ihrer Lehrstelle pendelten. Immer vorausgesetzt, dass der Vater keine Gefahr für die Kinder ist.»

Der Tagesablauf eines Kindes im Haus ist individuell und wird nebst anderer Betreuung auch von zwei Sozialpädagoginnen begleitet. Nach der Zeit im Frauenhaus kommt es bei durchschnittlich 70 Prozent zu einem Neustart: Neuer Wohnort, neue Schule und neue Gspänli. Darauf werden sie vorbereitet. Ein guter Drittel kehrt nach dem Aufenthalt wieder ins gewohnte Umfeld zurück. Kommt eventuell wieder ins Frauenhaus und schafft vielleicht dann den Absprung.

Den Kindern werden auch Aktivitäten ausserhalb des Frauenhauses geboten. Dazu konnte mit einer 20 000-Franken-Spende der Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern ein Sport- und Aktivitätsfonds geäufnet werden. Damit werden zum Beispiel Sportabos, Schwimm- und Tanzkurse oder Velos finanziert. «Allgemein können wir dank Stiftungsgeldern, die explizit für die Kinderaktivitäten gespendet wurden, Angebote wie ein Weekend im Zoo oder eines in den Bergen anbieten», sagt Annelis Eichenberger. Solche Tage blieben unvergesslich.

«Immer wieder bekommen wir Schreiben, in denen sich Beteiligte bedanken», sagt Käslin. Die Bindung zum Haus bleibt oft über den Aufenthalt hinaus bestehen. So kamen letztes Jahr 40 Frauen in die Nachbegleitung. Das ist ein wichtiges Angebot. Frauen, die sich für eine Trennung entscheiden und einen Neustart wagen haben so die Möglichkeit, sich weiterhin beraten zu lassen.

«Je nachdem» ist ein wichtiger Grundsatz

Alle Kinder quasi gleich behandeln geht nicht. Denn jene, die ins Frauenhaus kommen, haben massiv viel zu bewältigen, bringen aber auch viel an Lebensfreude und Ressourcen mit. Sie gehen individuell mit belastenden Situationen um und darauf ist Rücksicht zu nehmen. Auch deshalb gelte der Grundsatz: «Je nachdem».

Bei der Verarbeitung ist ein Zusammenwirken aller Beteiligten nötig. Auch wenn die von Gewalt betroffene Frau ihren Mann vor allem in der ersten Zeit ihres Frauenhaus-Aufenthaltes am liebsten nie mehr sehen möchte, bleibt er der Vater ihrer Kinder. Für viele Kinder ist er trotz Gewalt der Papa, den sie lieben und vermissen. Der Kontakt zum Vater wird von den Sozialpädagoginnen behutsam thematisiert und unterstützt, etwa durch Zeichnungen, Briefe oder Telefonate. Kinder befinden sich oft in einem Loyalitätskonflikt. Für sie ist es entlastend zu wissen, dass sie ihren Papa trotz allem noch gerne und Kontakt zu ihm haben dürfen.

Weitere Infos auf: www.frauenhaus-luzern.ch. 24-Stunden-Helpline: 041 360 70 00

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