Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

So hilft eine Hongkongerin aus Luzern den Protestierenden in ihrer Heimat

Die politische Lage in ihrer Heimat hat Viona Lee dazu veranlasst, in der Schweiz aktiv zu werden – unter anderem mit einer Demo. Dass die Regierungschefin das umstrittene Auslieferungsgesetz für tot erklärt hat, genügt ihr noch lange nicht.
Fabienne Mühlemann
Viona Lee stammt aus Hongkong und lebt seit sechs Jahren in Luzern – hier hält sie sich in der Ufschötti auf. Der Strand erinnert sie an ihre Heimat. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern 27. Juni 2019)

Viona Lee stammt aus Hongkong und lebt seit sechs Jahren in Luzern – hier hält sie sich in der Ufschötti auf. Der Strand erinnert sie an ihre Heimat. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern 27. Juni 2019)

Es sind dramatische Bilder. Von Polizisten, die Demonstranten brutal zu Boden drücken. Es sind aber auch herzerwärmende Bilder. Von Demonstrierenden, die eine Rettungsgasse für einen Krankenwagen bilden. Und es sind lustige Bilder. Karikaturen, um genau zu sein, die Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam und ihr Auslieferungsgesetz verspotten.

Viona Lee aus Luzern zeigt auf ihrem iPad eine ganze Palette von Bildern, die die facettenreichen Proteste in Hongkong zeigen. Stolz ist sie vor allem auf die grosse Solidarität. Dank den zahlreichen Menschen auf der Strasse hat Lam zwar eingelenkt und das Gesetz am Dienstag für tot erklärt (wir berichteten). Das genügt Lee aber nicht:

«Das Gesetz wurde nicht formell zurückgezogen. Sie wiederholt ihre Ansprache immer wieder, ohne auf die Bedürfnisse des Volkes einzugehen.»

Die 41-Jährige bezeichnet Lam als «Spielpuppe der Chinesischen Regierung». Sie sagt: «Das macht mich traurig.»

Als Lee 2008 Hongkong zusammen mit ihrem Freund verliess, war ihr Leben noch sorgenfrei. Sie wanderten aus, weil er in der Schweiz eine Arbeit fand. Ihr Mann stammt aus Peking – kennengelernt hatten sie sich bei einem Studentenaustausch. Zusammen haben sie in Zürich eine Familie gegründet und vor sechs Jahren ihren Lebensmittelpunkt nach Luzern verlegt. «Ich liebe die Stadt und die Landschaft hier und die Leute sind alle so entspannt.» Sie arbeitet als Lichtplanerin, war in ihrer Funktion auch am Hotel Villa Honegg beteiligt. Am liebsten verbringt sie die Zeit zusammen mit ihrem Mann und den beiden Kindern in den Zentralschweizer Bergen – beim Skifahren.

Trotz der friedlichen Familienidylle hier lassen Lee die Geschehnisse in Hongkong nicht in Ruhe. Sie beschloss kürzlich, etwas dagegen zu unternehmen – obwohl sie weit weg wohnt. Lee schloss sich der Facebook-Gruppe «Hongkongers in Switzerland» an, die heute über 100 Mitglieder zählt. Am 22. Juni half sie mit, eine Demonstration in Zürich vor der Chinesischen Botschaft zu organisieren. Rund 40 Leute nahmen teil. «Das Ziel war, unsere Solidarität zu zeigen und die Leute in Hongkong zu unterstützen», sagt die 41-Jährige. Das habe man auch in der Heimat mitbekommen: Nicht weniger als acht Medien in Hongkong hätten über die Demo berichtet.

Das Auslieferungsgesetz bereitet ihr vor allem wegen ihrer Familie in Hongkong Kummer:

«Niemand wäre mehr sicher. Man könnte auf einen Trick der Chinesen reinfallen und festgenommen werden.»

Auch die aufkommende Polizeigewalt verurteilt sie aufs Schärfste. «Das ist doch nicht Hongkong! Carrie Lam veranlasst die Leute zu mehr Gewalt. Die ganze Bevölkerung ist gespalten und zerrüttet», sagt sie. Ob Viona Lee je wieder in Hongkong leben möchte, kann sie noch nicht sagen. «Meine geliebte Heimatinsel geht wegen der Supermacht China unter.»

Ein Land, zwei Systeme

Hongkong wurde 1997 von den Briten an China übergeben und ist seither eine Sonderverwaltungszone. Dabei gilt die Regelung: ein Land, zwei Systeme. Ein umstrittenes Auslieferungsgesetz, welches der Regierung Hongkongs erlauben würde, von China gesuchte oder verdächtigte Personen auszuliefern, brachte Hunderttausende Menschen auf die Strassen. Denn die Gegner befürchten, dass das Gesetz für politische Zwecke ausgenutzt werden könnte. Mittlerweile ist Regierungschefin Carrie Lam zurückgekrebst und hat am Dienstag das Gesetz als «tot» bezeichnet. (fmü)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.