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Wolhusen: So kam Stumpen-Hans zu seinem Namen

Eine Ausstellung mit historischen Fotos zeigt die Geschichte des Berghofs in Wolhusen auf. Heute ist er ein modernes Wohn- und Pflegezentrum, früher wurden hier die Armen der Armen beherbergt – darunter auch Originale.
Stephan Santschi
Das alte Bürgerheim in Wolhusen (links) und daneben der Neubau des Wohn- und Pflegezentrums. Bild: Pd

Das alte Bürgerheim in Wolhusen (links) und daneben der Neubau des Wohn- und Pflegezentrums. Bild: Pd

«50 Jahre Berghof.» Das Wohn- und Pflegezentrum in Wolhusen bittet am Samstag, 19. Mai, ab 10.30 Uhr im Singsaal der Schule Berghof zur Jubiläumsfeier. 1968 wurde hier ein neues Alters- und Pflegeheim gebaut – die Historie allerdings geht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Einige hundert Meter entfernt, im Bergboden, stand damals nämlich ein Waisenhaus, in dem die Armen auf Kosten der Gemeinde wohnten. «Das soziale Gefälle in der Bevölkerung war gross, dem Armenwesen wollte man mehr Beachtung schenken», erzählt Willi Wey vom Wolhuser Forum für Geschichte. Für die Feierlichkeiten hat er eine Ausstellung mit Fotos, Texten und Gegenständen von früher kreiert.

Zunftmeister Josef Wey von der Schneckenzunft Wolhusen besucht das alte Bürgerheim ums Jahr 1950. Bild: PD

Zunftmeister Josef Wey von der Schneckenzunft Wolhusen besucht das alte Bürgerheim ums Jahr 1950. Bild: PD

1898 kam es zum Kauf der Liegenschaft Berghof und zum Bau einer Armenanstalt am heutigen Standort, weil das Waisenhaus baufällig geworden und im Inneren grosse Unordnung geherrscht hatte. 40 Betten standen fortan zur Verfügung, die Abteilungen der Frauen und Männer waren getrennt, die Führung übernahmen die Baldegger Ordensschwestern, Knechte halfen beim Betrieb.

Auch die Güselabfuhr besorgt die Armenanstalt

Die Nutzer waren in der Regel keine Pflegefälle, sondern Menschen, die aufgrund ihrer Verarmung auf die öffentliche Wohltätigkeit angewiesen waren. Die Gemeinschaft lebte zu grossen Teilen von der Selbstversorgung, jeder hatte seine Arbeit zu verrichten – im Stall, auf dem Land, im Garten, in der Wäscherei oder im Wald zur Holzbeschaffung für die Heizung. «Zwischen 1914 und 1966 war die Armenanstalt auch zuständig für die Güselabfuhr», erzählt Willi Wey. Zunächst mit Hilfe von Ochsen, später mit Pferden und schliesslich mit einem Traktor.

Er selber ist 1941 auf die Welt gekommen und erinnert sich noch gut an die Bewohner der Armenanstalt. «Sie galten als Originale. Da war beispielsweise der Stumpen-Hans, der in der Güselabfuhr mithalf.» Er habe stets einen Raucherstumpen im Mund gehabt. «Wenn die Bauern zum Gottesdienst kamen, legten sie ihre Stumpen vor der Tür ab. Stumpen-Hans hat sich dann ihrer bemächtigt», berichtet Wey und lacht. Auch den Gugger habe er noch vor seinem geistigen Auge, jenen Mann, der immer wieder den Ruf des Kuckucks nachahmte. Oder das Galliker-Lisi, das auf der Strasse stand und mit dem Fuss auf dem Boden gescharrt habe.

Wehe dem, der sich der Weiberabteilung nähert

Das Galliker-Lisi aber war keine Heiminsassin, korrigiert Wey. Einfach so in der Gegend herumstehen war der Hausgemeinschaft ohnehin nicht gestattet. Das geht aus der 1938 vom Gemeinderat erstellten Hausordnung hervor. Dort heisst es etwa: «Das Ausgehen ausser den Hofkreis der Armenanstalt ist ohne Bewilligung untersagt. Geht ein Insasse fort, so muss er gewärtigen, von der Polizei wieder eingebracht zu werden.» Oder: «In den Schlafzimmern darf nicht geraucht werden, das Zutragen von alkoholischen Getränken ist streng verboten.» Und: «Ohne besondere Erlaubnis ist den Männern der Besuch der Weiberabteilung und umgekehrt verboten.»

Wahrhaft strenge Regeln also. Wer sich strafbar machte, konnte ein bis drei Tage eingesperrt oder sogar von der Polizei auf das Statthalteramt Sursee mitgenommen werden. Im weiteren Verlauf entwickelte sich das Haus zunehmend Richtung Altersheim und wurde in Bürgerheim umbenannt, ehe es im Jahr 1968 zum Neubau kam. 1,8 Millionen Franken kostete er. Zur Finanzierung findet sich in den Notizen des ehemaligen Waisenvogts (heute Sozialvorsteher) Josef Portmann folgende Anekdote: Eine ehemalige Wolhuserin namens Elisabeth Niesper spendete 200 000 Franken und sagte bei der Einweihung: «I chume de no einisch.» Kurz darauf beteiligte sie sich mit weiteren 200 000 Franken.

Heute ist der Berghof ein modernes Wohn- und Pflegezentrum mit 100 Betten und 150 Angestellten. «Für die Bewohner hat sich vieles verbessert. Wir haben uns laufend entsprechend ihren Bedürfnissen entwickelt», sagt Geschäftsleiter Mark Studer. Ausflüge, Koch- und Gartengruppen, Anlässe mit Angehörigen, Werkstuben, Singkreise und ein Dorftaxi stehen im Angebot. Bis 2020 sollen zudem 25 Wohnungen für betreutes Wohnen entstehen.

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