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So retten Freiwillige im ganzen Kanton Luzern über 25'000 Amphibien vor dem Strassentod

Wenn die Temperaturen nachts über null Grad liegen, erwachen die Amphibien aus ihrer Winterstarre. Damit sie den Weg zu ihren Laichgewässern unbeschadet überstehen, brauchen manche Tiere Hilfe.
Martina Odermatt
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. Zusammen mit Experte Josef Blum werden die Tiere bestimmt, gezählt und erfasst. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. Zusammen mit Experte Josef Blum werden die Tiere bestimmt, gezählt und erfasst. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)Die Schülerinnen Jil Weingartner (links) und Eniza Iten sammeln bei Sempach die Amphibien ein und setzen sie später beim Steinibühlweiher wieder aus. (Bild: Dominik Wunderli, 15. März 2019)
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So retten Freiwillige Amphibien vor dem Strassentod

Schwere, graue Wolken überziehen den Himmel von Sempach, und kalter Wind braust um die Häuser. In einem Schopf in der Gallee nahe der Schlachtkapelle suchen Eniza Iten (14) und Jil Weingartner (14) aus Eich Schutz vor den Wetterkapriolen. Die beiden Schülerinnen der Oberstufe Sempach studieren einen roten Ordner. Darin finden sich Bilder von verschiedenen Frosch- Kröten- und Molcharten.

Es ist Freitagnachmittag. Eniza und Jil hätten nun eigentlich Unterricht. Wäre da nicht die spezielle Aufgabe, die ihre Klasse übernimmt. Ende Februar hat diese zusammen mit ihren Lehrpersonen und Josef Blum, der die Aktion organisiert hatte, einen Zaun errichtet. Blum ist pensioniert, hat früher bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald gearbeitet und ist Präsident des Tierschutzvereins Luzern.

Gut 30 Zentimeter hoch ist der Zaun, in Abständen von etwa 20 Metern sind Kessel in den Boden eingelassen. Frösche, Kröten und Molche sollen in diese Kessel plumpsen und dann später von den Schülern zum Steinibühlweiher gebracht werden. Darauf angesprochen, wieso er den freiwilligen Einsatz leistet, sagt er: «Ich möchte den Schülern den Kontakt zur Natur ermöglichen.» Nötig wurde die Massnahme, weil der Verkehr von Sempach Richtung Hildisrieden zugenommen hat und die Tiere so immer öfter unter die Autoräder kamen.

Nicht nur in Sempach werden die Tiere über viel befahrene Strassen befördert. Im ganzen Kanton sind an rund 30 Stellen temporäre Zäune in Einsatz. An anderen Orten werden nachts temporäre Strassensperren errichtet, wenn eine grosse Amphibienwanderung erwartet wird. Im Kanton Luzern gibt es solche Sperren zwischen Willisau und Grosswangen, Urswil und Ballwil sowie in Langnau.

An wieder anderen Orten werden Unterführungen gebaut. Für Priska Strickler von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald die beste Option, denn so können die Tiere auch wieder geschützt an ihre Sommer- und Winterplätze gelangen. «Solche Unterführungen werden bei jeder sich bietenden Gelegenheit realisiert, sofern das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt. In der Regel ist dies im Rahmen eines Strassenprojekts der Fall» sagt sie. Über 25 000 Amphibien werden durch diese Massnahmen jährlich vor dem Strassentod bewahrt.

Jugendliche sollen Zeit in der Natur verbringen

Vielerorts sind Freiwillige im Einsatz, die den Fröschen auf die Sprünge helfen. Josef Blum hat die Zusammenarbeit mit der Sekundarschule Sempach vor paar Jahren begonnen. Seither kommen während der Laichzeit morgens und abends jeweils zwei Schüler, um die Kessel zu leeren. «Es ist gut, wenn die Jugendlichen etwas Zeit in der Natur verbringen», sagt Blum.

An diesem Nachmittag sind es also Eniza und Jil, die sich um die Tiere kümmern. Während Jil der Aufgabe gelassen entgegensieht, kommt bei Eniza Skepsis auf. Sie ekelt sich vor den Tieren. «Meine Klassenkameraden haben gesagt, es sei grusig», sagt sie. «Die Frösche sind glitschig und hüpfen davon, wenn man sie aufheben will.» Ob sie denn hoffe, dass sie heute keine Tiere entdeckt? «Ich weiss nicht. Es ist zwar eklig, aber ich möchte trotzdem ein paar Frösche finden.»

Blum hat bereits einige Stellen gecheckt: ohne Erfolg. «Ich hoffe, wir finden noch ein paar Tiere. Bis jetzt sind alle Kübel leer», sagt er. Die beiden Mädchen schnappen sich einen Eimer und streifen sich Handschuhe über. Neugierig prüfen sie Kessel um Kessel. Und dann: Ein Frosch! Begeisterung kommt auf, selbst bei der Skeptikerin. Das kleine Tier herausnehmen muss jedoch Jil. Vorerst noch.

Es braucht etwa drei weitere Kübel mit ein paar Tieren, bis sich auch Eniza an die Herausforderung wagt. Hoch konzentriert tastet sie sich an den Frosch, zuckt zurück als er hoch springt, überwindet sich erneut und legt ihn anschliessend in den mitgebrachten Kübel. Sie grinst.

Von Ekel bis zum Froschkuss

Ab diesem Zeitpunkt ist es vorbei mit Ekel und «grusigen» Tieren. Die Teenager halten sich die Frösche vors Gesicht, Eniza macht Anstalten, das Tier zu küssen. Auch wenn keine Prinzen gesichtet werden: Die Mädchen blühen auf, freuen sich über jedes Tier, das sie entdecken. Am Schluss haben sie fünf Grasfrösche und zwei Kröten eingesammelt. Eine kleine «Beute», wenn man vergleicht, dass ihre Klassengspänli vor ein paar Tagen 140 Tiere eingesammelt haben. Doch Eniza und Jil sind zufrieden. Sie führen die Statistik in einem roten Ordner nach und bringen die Amphibien danach zum Weiher.

Von der anfänglichen Skepsis ist wenig geblieben. Eniza und Jil wollen bei der Lehrerin anfragen, ob sie ein weiteres Mal mithelfen können. Die Chancen dafür stehen allerdings schlecht. Gut 300 Tiere wurden dieses Jahr schon transportiert. Viel mehr werden es wohl nicht. Trotzdem: Für Eniza und Jil war das Frösche-Sammeln eine tolle Erfahrung.

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