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Eine Nacht im Luzerner Kapselhotel: Unsere Autorin brachte kein Auge zu

Kürzlich hat das schweizweit erste Kapselhotel am Luzerner Hirschengraben seine Tore geöffnet. Wie fühlt es sich an, auf engem Raum eine Nacht zu verbringen? Unsere Autorin Chiara Zgraggen erlebte ihr blaues Wunder.
Chiara Zgraggen
Da freut sie sich noch: Unsere Autorin Chiara Zgraggen stellt die Klimaanlage in der Kapsel ein. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 5. November 2018)

Da freut sie sich noch: Unsere Autorin Chiara Zgraggen stellt die Klimaanlage in der Kapsel ein. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 5. November 2018)

Kapsel reiht sich an Kapsel. Der Duft von Plastik liegt in der Luft, immer wieder ertönen Geräusche, welche an einen Star-Wars-Film erinnern. An der Decke und auf dem Teppich ist ein astronomisches Muster erkennbar. Und: Durch die Fenster fällt zwar Tageslicht in den Raum, doch es ist eher dunkel. So präsentiert sich mir das kürzlich eröffnete Kapselhotel am Hirschengraben in Luzern. Hier spielt laut den Verantwortlichen Zukunftsmusik – die des minimalistischen Hotels. Geschlafen wird in Kapseln mit einer Fläche von je knapp zwei Quadratmetern. Zudem stehen sogenannte Co-Working-Spaces zur Verfügung.

Der Raum in den Schlafgemächern ist als eng zu bezeichnen. Dies wird besonders deutlich, als ich als erstes für ein Video das Kameraequipment aufzustellen versuche. Gar nicht so einfach, ist der Bewegungsspielraum vor den Kapseln doch eher knapp bemessen. Ganz zu schweigen vom Kapselinneren: Die Enge erinnert an Autofahrten in Kofferräumen aus Kindertagen.

Öffnen der Kapsel erinnert an einen Kindheitstraum

Nach minutenlangem Aufrichten und Filmen ist die Zangengeburt vollbracht, das Video im Kasten. Nach getaner Arbeit breite ich mich mit einem Buch auf dem Sofa im Gemeinschaftsbereich des Kapselhotels aus. Ein Mitzwanziger betritt den Raum und setzt sich zu mir hin. Ein angenehmes Gespräch entsteht. Der US-Amerikaner erklärt, dass er geschäftlich in Luzern weilt. «In Japan war ich schon in diversen Kapselhotels. Als ich erfuhr, dass es auch in Luzern eines hat, wollte ich es unbedingt ausprobieren», erzählt er. Bisher gefalle es ihm hier gut. Aber auch er habe den plastikartigen Geruch im Schlafsaal wahrgenommen.

Dann ist es soweit: Es ist Zeit, mich in die Schlafkapsel zu begeben. Das Öffnen erinnert mich unweigerlich an meinen Kindheitstraum – ich wollte als 7-Jährige Astronautin werden. Denn nachdem ich meine personalisierte Karte an die Kapsel halte, erklingt ein Geräusch, welches dem Piepen aus Astronautenfilmen ähnelt. Dann öffnet sich die Kapsel einen Spaltbreit und ich kann sie von Hand ganz öffnen. Dass mir die Freude an diesem Geräusch schon bald vergehen wird, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Leuchtstreifen rauben einem den Schlaf

Kaum sind die Lichter gelöscht, schiesst es mir durch den Kopf: «Habe ich das Licht nicht ganz ausgeschaltet?» Denn: In der Kapsel ohne Fenster ist es gar nicht dunkel. Die Knöpfe, welche für das Ein- und Ausschalten der Lampen verantwortlich sind, werden von einem Leuchtstreifen umrahmt. Diese Illumination lässt den Raum hell erleuchten. Die Kapseln sind demnach nichts für Menschen, die gerne in kompletter Dunkelheit nächtigen.

Kurz nach meinem Übertritt in die erste tiefe Schlafphase werde ich aus ebendieser herausgerissen: Jemand scheint soeben zu versuchen, in seine Kapsel hineinzukriechen. Doch das Öffnen, welchem wie gesagt Piepsgeräusche vorausgehen, scheint der Person nicht zu gelingen. Und so vergehen gefühlte Stunden, bis es ruhig ist.

Die Hellhörigkeit der Kapseln wird meinen Schlaf auch am darauffolgenden Morgen wieder beeinträchtigen. Just um 6 Uhr erklingt der Wecker in einer der 18 Kapseln. «Schnell wieder einschlafen, ich habe ja noch eine Stunde», denke ich mir und drehe mich um. An Schlaf ist jedoch nicht mehr zu denken: Gefühlt jede Minute beginnt der Wecker von neuem mit seinen nervtötenden Klängen.

«Dann stehe ich eben auf», denke ich mir und möchte meine Hände und Füsse von mir strecken. Die Länge der Kapsel lässt dies jedoch nicht zu, sodass ich (Körpergrösse 174 Zentimeter), ungestreckt, die Kapsel verlasse und mich ins Bad begebe. Dieses besteht aus drei Kabinen. In jeder davon stehen eine Toilette, ein Lavabo sowie eine Dusche zur Verfügung.

Gut für Geschäftsleute ohne grosses Budget

Mein Fazit: Der Preis von gut 44 Franken ist fair. Das Jugi-Flair im Bezug auf das Kennenlernen neuer Leute ist gegeben, nur hat man hier dank der Kapseln mehr Privatsphäre. Trotz Plastikgeruch ist die Luftqualität in den Kapseln dank einer Lüftung überraschenderweise in Ordnung. Minuspunkte sind für mich die Beleuchtung im Innern und die gut hörbaren Geräusche der Nachbarn.

Ich würde diese Unterkunft Leuten mit tiefem Reisebudget und dem Wunsch nach dem Jugi-Flair empfehlen. Zu Bedenken ist jedoch: Platzangst ist hier fehl am Platz. Und der Geruch von Plastik darf nicht allzu sehr stören.

Am 1. November wurde das erste Kapselhotel der Schweiz am Hirschengraben 40 in Luzern eröffnet. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
Pro Zimmer können so mehr Schlafplätze angeboten werden. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
Die Schlafplätze befinden sich in keinen herkömmlichen Hotelzimmern sondern in Kapseln wie hier. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
Logieren auf zwei Quadratmetern. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
Der Aufenthaltsraum. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
Mit den Plastikboxen sollen technisch affine Leute angelockt werden. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
Auch in diesem "Hotelzimmer" gibt es einen Safe. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
Wie viel man wohl vom Nachbarn mitbekommt? (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
Unter dem Hotel befinden sich auch Co-Working-Plätze. Internationale Business-Gäste oder lokale Unternehmen sollen so angelockt werden. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
Legos halten die Zimmer-Karten bereit. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. November 2018))
10 Bilder

So sieht das erste Kapselhotel der Schweiz in Luzern aus

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