So sehen die Silvestermenus im Gefängnis, im Pflegezentrum, in der Gassenküche und im Sterne-Restaurant aus

Heisser Beinschinken, Sandwiches oder Luxus pur: Wir zeigen, was bekannte Luzerner Institutionen an Silvester auftischen.

Alexander von Däniken
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Der letzte Tag im Jahr 2019 naht. Was essen jene Luzernerinnen und Luzerner, die nicht zu Hause feiern können? Wir haben bei unterschiedlichen Institutionen nachgefragt. Das regionale Alters- und Pflegezentrum Feldheim in Reiden zählt mit 150 Plätzen zu den grössten auf der Luzerner Landschaft. Jedes Jahr werden in der Cafeteria rund 87 000 Kaffeetassen ausgeschenkt und rund 91 000 Mittagessen für die Bewohner und die Besucher serviert. Das diesjährige Silvestermenü sieht recht währschaft aus: Den Bewohnern wird heisser Beinschinken mit Kartoffelsalat serviert. Helene Ruch, Co-Leiterin Hauswirtschaft im Feldheim, sagt allerdings: «Viele Bewohnerinnen und Bewohner essen lieber zu Mittag etwas Richtiges.» Am Mittag gibt es ein paniertes Poulet-Büezerschnitzel mit Bratkartoffeln und Kohlrabi.

An Weihnachten wird jeweils eine Feier für alle Bewohner gestaltet. An Silvester finden die Feiern hingegen eher auf den Stationen statt. Die Stationsfeiern seien gerade auch für jene Bewohner wichtig, die selten oder nie Besuch erhalten, so Ruch weiter. Der grösste Besuchstag sei indes Heiligabend.

«Weihnachten hat eine grössere Bedeutung als Silvester.»

Das liegt vielleicht auch daran, dass viele Bewohner beim Jahreswechsel bereits schlafen.

Das Aufbieten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diese Feiertage sei nicht immer einfach. Andererseits wisse man bei Stellenantritt, dass es sich um einen 365-Tage-Betrieb handle.

Eine kalte Mahlzeit

Auch in der Justizvollzugsanstalt Grosshof in Kriens gibt es an Silvester mittags eine warme Mahlzeit und abends eine kalte. Konkret wird zu Mittag Kalbsgeschnetzeltes mit Rahmsauce und Wildreismix serviert. Abends erhalten die Häftlinge je zwei grosse Sandwiches mit Käse, Pouletschnitzel, Tomaten, Gurken und Salat; Vegetarier erhalten eine doppelte Portion Käse.

In der Gassenküche in der Stadt Luzern gibt es kein spezielles Silvestermenü. Ein solches ist nach dem Wissen des Betriebsleiters Adrian Klaus nie im Vordergrund gestanden. Unter anderem, weil die Feiertage ausser Weihnachten für die Klienten keine grosse Bedeutung hätten. Heisst: Mittags gibt es ein normales Menü, um 16.30 Uhr wird der Betrieb geschlossen. Das Highlight sei das Weihnachtsmenü am 24. Dezember, sagt Adrian Klaus:

«Was aufgetischt wird, ist jeweils eine Überraschung, aber immer ein Vier- oder Fünfgänger.»

An Heiligabend sei jeweils immer eine spezielle Atmosphäre, schon Monate im Voraus würden sich die Klienten nach dem Essen erkundigen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter melden sich freiwillig für den Dienst, niemand werde gezwungen: «Es ist schön, dass wir immer genügend Personal haben.» Auf Freiwillige verzichte die Gassenküche konsequent, wie Klaus erklärt: «Einerseits ist die Arbeit anspruchsvoll. Andererseits ist die Gassenküche für die Klienten wie eine Stube; hier wollen wir eine gewisse Privatsphäre erhalten.»

Königsmakrele, Kaisergranat, Jakobsmuschel

Gross aufgetischt wird an Silvester im Restaurant Focus im Parkhotel Vitznau. Das von Patrick Mahler, dem «Aufsteiger des Jahres 2019», geführte Restaurant ist mit 18 Gault-Millau-Punkten und 2 Michelin-Sternen das höchstdekorierte im Kanton. Acht luxuriöse Gänge werden zubereitet: Königsmakrele mit Auster, Entenleber mit Kaisergranat, Jakobsmuschel mit Kaviar, Tatar mit Eigelb, Heilbutt mit weissem Trüffel, Schweinebauch mit Miso, Kalbskotelette mit Pilzen sowie ein Dessert. Der Preis: 295 Franken.

Der Chefkoch im Restaurant Focus in Vitznau: Patrick Mahler.

Der Chefkoch im Restaurant Focus in Vitznau: Patrick Mahler.

Bild: Boris Bürgisser (Vitznau, 4. August 2017)

Laut Küchenchef Patrick Mahler ist der Silvesterabend bereits seit Anfang November ausgebucht. «Es kommen viele Gäste, die unser Restaurant schon mehrfach besucht haben.» Der Preis ist zwar hoch, dafür erhalten die Gäste laut Mahler «ein letztes Mal im Jahr beste Produkte». Nicht, dass dies zuvor anders gewesen sei.

«Aber jetzt packen wir noch einen drauf.»

Das gelte fürs Essen, wo auch Zwischengänge und Snacks aufgetischt werden, aber auch für Weinempfehlungen und eine Weinkarte mit Raritäten.

Dass Mahler an Silvester arbeitet, ist er sich gewohnt: «Ich kenne nichts anderes.» Nur dieses Mal wäre ein freier Abend schön gewesen, weil seine Freundin frei hat. «Nun isst sie bei mir im Restaurant.»

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