Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

So sucht die Schweizer Armee an der Luga nach Friedensförderern fürs Ausland

Mit weissen gepanzerten Fahrzeugen und nachgestelltem Minenfeld macht die Armee an der Luga auf ihre Friedensförderung aufmerksam – und hofft vor allem auf Personalnachschub.
Roman Hodel
An der Luga: Carlo Felder (links) informiert sich über einen Auslandeinsatz als Peacekeeper, rechts Daniel Seckler und Tabea Rüdin von der Schweizer Armee. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 1. Mai 2019)

An der Luga: Carlo Felder (links) informiert sich über einen Auslandeinsatz als Peacekeeper, rechts Daniel Seckler und Tabea Rüdin von der Schweizer Armee. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 1. Mai 2019)

Die Schweizer Armee weiss, wie man die Aufmerksamkeit der Luga-Besucher erregt. «Boah, guck mal», sagt ein Bub zu seinem Vater beim Anblick eines weissen gepanzerten Patrouillenfahrzeugs, das im hintersten Teil der Halle 1 ausgestellt ist. Währenddessen drängeln am anderen Ende des weitläufigen Standes Kinder ihre Eltern dazu, beim Minenfeld-Pfad mitmachen zu dürfen. Dabei müssen sie auf einem Parcours versteckte – und wohlgemerkt harmlose – Minen aufspüren.

(Bild: hor)

(Bild: hor)

So unterhaltsam der ganze Messeauftritt daherkommt, so ernst ist das Thema. Friedensförderung. Denn auch das betreibt die Schweizer Armee – aktuell in 19 Ländern.

(Bild: hor)

(Bild: hor)

«Nur wissen das viele gar nicht – das wollen wir ändern», sagt Daniel Seckler. Der 29-Jährige ist Mediensprecher von Swissint, dem in Oberdorf NW beheimateten Kompetenzzentrum der Schweizer Armee für Friedensförderung. Am ehesten würden die Leute den seit 20 Jahren laufenden Swisscoy-Einsatz im Kosovo kennen.

Informieren ist das eine, doch natürlich geht es bei dem Luga-Auftritt vor allem darum, neues Personal zu rekrutieren für den freiwilligen Dienst. Im Unterschied zur regulären Armee gibt's bei Swissint keine Marschbefehle. Täglich sind 270 Frauen und Männer für Swissint als «Peacekeeper» – also Friedensförderer – im Einsatz, davon allein 190 bei der Swisscoy im Kosovo. Weil diese Engagements zeitlich je nach Ort und Art auf ein halbes oder ein ganzes Jahr befristet sind, braucht es entsprechend Nachschub. Seckler:

«Die Luga und andere Messen helfen uns dabei, genügend Leute zu finden.»

Und so lenkt ein Schild mit der Aufschrift «Stellenmarkt» die Besucher zu einer Wand mit Stellenbeschreibungen. Dort steht gerade Janine Furrer. Die 33-Jährige lässt sich zwar momentan zur Rettungssanitäterin ausbilden. «Aber danach könnte ich mir einen Einsatz für Swissint vorstellen», sagt sie. «In ehemaligen Kriegsgebieten stellen sich andere medizinische Herausforderungen als hier, das fände ich spannend.» Dass sie keine RS absolviert hat, ist zumindest bei Frauen und der von ihr angepeilten Fahrer-Funktion kein Hindernis. Das für den Einsatz nötige militärische Rüstzeug bekäme sie in der Ausbildung.

Auch Laura hat keinen militärischen Hintergrund. Um ihren aktuellen Arbeitgeber nicht aufzuscheuchen, möchte sie nur mit dem Vornamen genannt werden. Die 29-Jährige interessiert sich für eine Stelle als Beobachterin oder Presse-Offizierin. «Mir ist der humanitäre Aspekt wichtig», sagt sie – und weiter:

«Die Schweiz als neutrales Land mit einer verhältnismässig grossen Armee muss unbedingt Friedensförderung betreiben.»

Bewerben will Laura sich bereits für das nächste Jahr.

Soweit ist Carlo Felder noch lange nicht. Der bald 17-jährige Kantischüler inspiziert gerade die ausgestellten Patrouillenfahrzeuge ...

(Bild: Boris Bürgisser)

(Bild: Boris Bürgisser)

... und freut sich schon jetzt auf die RS. «Wenn auch mit gemischten Gefühlen», wie er betont. Einerseits sei diese eine Lebenserfahrung, andererseits aber eben auch streng. «Und streng ist nicht immer gut.» Im Anschluss an die RS könnte er sich jedenfalls einen Einsatz für Swissint im Ausland vorstellen. «Ja, warum nicht?»

So was hört Swissint-Sprecher Daniel Seckler gern. Dass bei unserem Besuch auffällig viele Frauen Interesse zeigen, überrascht ihn nicht: «Ihr Anteil ist in den letzten Jahren auf 21 Prozent gestiegen.» Gründe dafür seien mehr Beobachtungs- und weniger Logistikaufträge sowie eben Personalmarketing-Auftritte wie hier an der Luga. Grundsätzlich sei der Einsatz als Peacekeeper «eine bereichernde Lebenserfahrung sowie eine spannende Herausforderung». Und was den Verdienst anbelangt: Neben einem der Funktion entsprechenden Schweizer Lohn gibt es Einsatz- und Gefahrenzulagen, Kost und Logis und man braucht dank der Militärversicherung keine Krankenkasse.

Alles Argumente, die auch bei Luga-Besucher Andi Portmann ziehen. Er sagt zudem: «Friedensförderung ist etwas Wichtiges.» Zu alt wäre er mit seinen 40 Jahren nicht – bis 50-Jährige sind willkommen, wenn auch Ältere nicht mehr für alle Funktionen infrage kommen. Portmann winkt aber nicht deswegen ab: «Ich habe Familie, keine Chance jetzt für einen Auslandaufenthalt.» Dann scherzt er mit Blick in Richtung seiner Frau: «Es sei denn, ich würde in nächster Zeit geschieden.»

Hinweis: Weitere Infos zu Swissint und den Stellenprofilen finden Sie auf www.peace-support.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.