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So trotzt ein Traditions-Modehaus in Sempach dem Onlinehandel und der Billigkonkurrenz

Bei Sigrist Mode in Sempach führt bereits die fünfte Generation das Zepter. Sie konzentriert sich auf ihre Stärken.
Ernesto Piazza
Luzia Sigrist und ihre Tochter Melanie Eltschinger im gemeinsamen Modegeschäft. (Bild: Dominik Wunderli, Sempach, 8. Oktober 2019)

Luzia Sigrist und ihre Tochter Melanie Eltschinger im gemeinsamen Modegeschäft. (Bild: Dominik Wunderli, Sempach, 8. Oktober 2019)

Es sei eine grosse Umstellung gewesen, sagt Melanie Eltschinger (33) rückblickend. Denn 2012 gab sie einen guten Job als Eventmanagerin auf, um bei Sigrist Mode in Sempach eine neue Ära mit einzuläuten. Zusammen mit ihrer Mutter Luzia Sigrist (56) führte sie das Geschäft im Städtli in die fünfte Generation. In diesem Jahr feiert das Traditionshaus das 120-jährige Bestehen.

Begonnen hatte alles 1899. Damals erwarb der ehemalige Handelsreisende Johann Ambühl aus Ruswil die Liegenschaft aus einer öffentlichen Konkurssteigerung. Und so standen in der Folge Grundnahrungsmittel, sogenannte Kolonialwaren, in den Regalen. Rund 20 Jahre später übernahm der Kaminfegermeister Ferdinand Sigrist – nach der Heirat mit Ambühl-Tochter Marie – das Geschäft.

Von Lebensmitteln bis zur Wäsche

Das Lebensmittelsortiment wurde mit Mercerie, Wolle und Stoffe ergänzt. 1952 ging der Laden an Sigrists Sohn Ferdinand junior über. 1957 wollte man das Geschäft erweitern. Dazu war jedoch ein Aushub von 1000 Kubikmeter Baumaterial nötig. Denn die Liegenschaft im Städtli ist in den Felsen gebaut. Wegen einer Kreditsperre der Bank lag der Umbau allerdings vier Jahre auf Eis. Dank privater Darlehen konnte 1962 der Traum, sich grösser und moderner zu präsentieren, realisiert werden.

Bett- und Frottierwäsche sowie konfektionierte Kleider ergänzten fortan das Angebot. Im Jahre 1995 übernahm Tochter Regula Sigrist den Betrieb. Nach einem weiteren Umbau führte sie ausschliesslich Modeartikel. Betrug die Geschäftsfläche im Erdgeschoss zuerst lediglich 30 Quadratmeter, ist sie mittlerweile auf das Sechsfache angewachsen.

Melanie Eltschinger besitzt eine kaufmännische Ausbildung, lernte ursprünglich Coiffeuse. Doch mittlerweile hat sie sich viel Know-how angeeignet, auch eine Ausbildung in Farb- und Stilberatung absolviert. Trotzdem spricht Quereinsteigerin Eltschinger von einer «speziellen beruflichen Herausforderung». Dass sie sich für diesen Schritt entschied, hat diverse Gründe. Zum einen hätte sie Wehmut gepackt, würde die Tradition nicht weitergeführt. Zum andern reize sie die Selbstständigkeit. «Hier kann ich eine Idee bis zur Umsetzung begleiten.» Die verheiratete Mutter eines 2 ½-jährigen Sohnes steckt viel Leidenschaft in die Arbeit und schätzt es, «Teil eines funktionierenden Teams sein zu dürfen».

Samstag Beraterin und Verkäuferin, sonst im Büro

In diesem Job lebt sie sich neu aus. Für sie sei der Umstieg bereits jetzt aufgegangen. Und sie packt auch dort an, wo gerade Not an der Frau ist. Der überwiegende Teil ihres 60-Prozent-Pensums entfällt jedoch auf den Bürobereich. «Am Samstag lege ich den Fokus aber jeweils auf Beratung und Verkauf», sagt die 33-Jährige. Ihre Mutter konzentriert sich hingegen vollumfänglich auf das Ladengeschäft.

Ziel sei es auch, die jüngere Generation abzuholen, betont Melanie Eltschinger. Wobei das nur beschränkt möglich wäre. Denn auf den Zug Online-Business will Sigrist Mode nicht mehr aufspringen. «Das ist eine Nummer zu gross. Wir wenden unsere Energie lieber für die Beratung unserer Kunden vor Ort auf, denn das ist es, was die grossen Häuser und der Onlinehandel nicht bieten können.» Daher setzt man auch den «Mund zu Mund»-Effekt. Eltschinger sagt:

«Wir überleben hauptsächlich mit unseren treuen Stamm- und zielorientierten Kunden.»

Man habe nur wenig Erlebnis-Shopper. Dafür ist Sempach zu klein. Es kommt aber durchaus vor, dass Tagesausflügler den Laden entdecken und wieder kommen und grössere Einkäufe tätigen. «Das schätzen wir ausserordentlich», betont die Mitinhaberin des Modegeschäfts.

Gezielte Einkäufe für Kunden

Gemeinsam besorgen Luzia Sigrist und Melanie Eltschinger den Einkauf. «Dabei ergänzen wir uns», sagen sie. «Zum Teil kaufen wir sogar gezielt für den Kunden ein», sagt die Tochter. «Durch den persönlichen Kontakt kennen wir die Vorlieben unserer Kundschaft und diese wiederum weiss, was sie bei uns erwarten dürfen. Und man entscheide sich auch immer für «modisch gewagtere Risikoteile». Wohlwissend, dass sich diese Stücke vielleicht nicht verkaufen lassen. «Wir müssen uns praktisch orientieren.»

Man sei nicht in Zürich oder Genf, vielmehr in Luzern und da auf dem Land. Das Verhältnis von Preis und Leistung müsse stimmen. Und vor allem: «Wir wollen die Kunden persönlich und ehrlich beraten», betont Eltschinger. Zudem ist ihr wichtig, das Kleidungsstück stets mit Respekt zu behandeln. Schliesslich gehöre bei der Herstellung immer noch ein Teil Handarbeit dazu.

Was die Zukunft betrifft, will sie «Augen und Ohren offen halten», gerade in Bezug auf die sich verändernden Bedürfnisse. «Wir sind klein und daher flexibel sowie finanziell unabhängig. Wir können schnell auf neue Gegebenheiten reagieren», sieht sie in der jetzigen Betriebsgrösse Vorteile. Man werde sehen, was die sechste Generation daraus macht, «wenn es denn soweit kommen sollte».

Hinweis: Mehr Informationen gibt es unter: www.sigristmode.ch

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