Reportage

So unterschiedlich halten die Luzerner Clubs die Coronavorschriften ein

Clubs und Bars mit Tanzfläche müssen strenge Vorgaben des Kantons einhalten, um trotz Corona geöffnet bleiben zu dürfen. Wir haben nachgeschaut, wie die Lokale damit umgehen, und festgestellt: Ein Club ist weiter als alle anderen.

Chiara Zgraggen
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Dieser Text hätte anders beginnen sollen. Schmissig, ideenreich, vielleicht mit einer witzigen Pointe oder einem Vergleich. Doch wieso ist er es nicht? Die kurze Antwort: Corona. Die lange: Die erste Szene sollte am «Planet Love»-Rave in der Schüür spielen. Doch daraus wurde nichts. Wie aus einem Facebook-Post des Konzerthauses zu entnehmen ist, wurde die Veranstaltung abgesagt. Der genaue Grund lässt sich nicht herausfiltern.

Die zu beantwortende Frage dieser Recherche: Wie setzen Luzerner Clubs die Coronavorschriften um? Seit diesem Wochenende gelten neue Vorschriften für Clubs und Bars. Wie die Luzerner Regierung kürzlich bekanntgab, müssen «Bars und Clubs mit Tanzmöglichkeit» seit gut einer Woche von den Gästen einen Ausweis verlangen sowie Name, Vorname, Postleitzahl, Handy-Nummer, E-Mail-Adresse und Ein- und Austritt aus dem Lokal notieren (wir berichteten). Die Betreiber sind darüber hinaus dazu verpflichtet, bei zwanzig Prozent der Gäste die Angaben zu überprüfen.

Die meisten Kontrollen erfolgen digital

Die Recherche beginnt um kurz nach 22 Uhr im Tribschen-Quartier, genauer in der Bar 59. Wie schon vor Corona wachen zwei Sicherheitsleute über die eingehenden Gäste. Noch bevor jedoch die (auch schon vor Corona obligate) Taschenkontrolle beginnt, fordert einer der stämmigen Herren den Gast auf, den QR-Code, welcher an einem Balken vor dem Eingang angebracht ist, zu scannen. Danach poppt die Seite SwissNite auf, wonach die vom Kanton geforderten Angaben eingegeben werden sollen. Nach erfolgter Speicherung erhält der Besucher einen QR-Code, welcher er im Vorraum zur Bar 59 vorzeigen muss. Dort wird er erneut gescannt, woraufhin eine SMS an den Besucher gesendet wird. Hat man dann den Ausweis vorgelegt und die zehn Franken «Solidaritätsbeitrag» bezahlt, wird einem den Eingang zum Lokal gewährt.

Zu dieser Zeit ist noch nicht viel los, sodass der Barmann Zeit für einen kleinen Plausch findet. Wie er sagt, sei der Betrieb nicht vergleichbar mit der Zeit vor Corona. «Es hat viel weniger Leute.» Ein Rundblick im Raum bestätigt seine Aussage: Wo zu dieser Zeit meist Leute am «Töggelikasten» fluchen oder sich freuen, während in einer anderen Ecke ein Bier getrunken wird, ist Leere. Es finden sich ungefähr so viele Gäste wie Anzahl Minuten bis zum Eintritt – nämlich deren fünf. Der Mann hinter dem Tresen mit dem vollen Bart sagt:

«Die Leute haben eben Angst, hierherzukommen.»

Beim Verlassen der Bar 59 muss dies noch den Türstehern gemeldet werden – erneut erhält der Besucher eine SMS mit den Angaben zum Zeitpunkt und den Worten «Viel Vergnügen und bleib gesund!».

Schüür arbeitet analog

Szenenwechsel. Obwohl der Rave am Nachmittag abgesagt wurde, hat das Konzerthaus Schüür an diesem Abend seine Tore geöffnet. Anders als bei der Bar 59 verläuft die Kontrolle hier handschriftlich. Auf einem Zettel müssen die Kontaktangaben notiert werden, der Zettel bei der Eintrittskontrolle abgegeben. Dabei drohen die Worte auf einem Hinweisschild, dass Falschangaben ein Hausverbot von bis zu drei Jahren zur Folge haben.

Ob Corona einen Einfluss auf die Besucheranzahl hat, kann der Barmann der Schüür nicht sagen. Denn: Im Sommer habe es tendenziell weniger Besucher. Bei Verlassen des Lokals müssen die Besucher erneut den Namen sowie die Zeit des Verlassens aufschreiben.

Im Luzerner Club Rok arbeiten die Verantwortlichen ebenfalls mit der Website SwissNite. Die persönlichen Daten, die schon bei der Bar 59 in einen QR-Code verwandelt wurden, gelten auch hier. Die Daten müssen also nicht neu eingegeben werden. Auch hier werden wie in den bereits beschriebenen Betrieben die Daten überprüft, beim Verlassen wird der QR-Code nochmals gescannt, was darauf folgt, ist erneut eine Abschieds-SMS.

Das Schwarze Schaf geht noch einen Schritt weiter

Auch das Roadhouse beim Luzerner Bahnhof setzt auf SwissNite. Das Bestätigungs-SMS muss auch hier dem Sicherheitspersonal vorgewiesen werden, sonst bleibt einem der Zugang verwehrt.

Gleich wenige Schritte vom Roadhouse entfernt liegt das Schwarze Schaf. Wie die Fastnachbarn und das Rok sowie die Bar 59 bedienen sich die Verantwortlichen an SwissNite. Eines unterscheidet das Schwarze Schaf aber von den restlichen, an diesem Abend von der Journalistin besuchten Clubs: Vor dem Eintritt misst ein Sicherheitsmitarbeiter die Temperatur, bevor die Angaben vom QR-Code sowie der Ausweis überprüft werden.

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