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Betonwüste Luzern? So viel Land ist im Kanton Luzern schon verbaut

Die Luzerner Gemeinden horten Bauland von der Fläche des Hallwilersees. Geht es nach dem kantonalen Richtplan, sollen sie dieses bis 2035 überbauen dürfen – wären da nicht die Jungen Grünen.
Niels Jost
Es wird gebaut: Die Gemeinde Eich aus der Vogelperspektive. (Bild: Boris Bürgisser (15. Januar 2018))

Es wird gebaut: Die Gemeinde Eich aus der Vogelperspektive. (Bild: Boris Bürgisser (15. Januar 2018))

Es kursieren derzeit viele Zahlen im Abstimmungskampf um die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen, über die das Schweizer Volk in zehn Tagen abstimmt. Während Befürworter davor warnen, dass unsere Landschaft immer stärker zubetoniert wird, betonen Gegner, dass sich die Zersiedelung abflachen wird, dank neuer Gesetze und Richtpläne.

Doch wie sieht das im Kanton Luzern aus? Welche Gemeinden horten am meisten Bauland? Und wo soll Luzern künftig noch wachsen? Unsere Zeitung hat in den Statistiken gewühlt und die wichtigsten Zahlen aufbereitet.

Luzern hat am meisten, Ebersecken am wenigsten

Über die grössten Flächen an freiem Bauland verfügt die Stadt Luzern. Gemäss der aktuellsten Bauzonenstatistik des Kantons mit Stand Ende 2017 verfügt der Hauptort über 73,8 Hektaren Land in Wohn-, Misch- und Arbeitszonen, das er noch überbauen kann. Zur Erinnerung: Eine Hektare ist eine Fläche von 100 mal 100 Metern und entspricht 10000 Quadratmetern. Das freie Bauland der Stadt Luzern ist also ungefähr eineinhalb mal so gross wie der Rotsee.

Wenig überraschend ist auch, dass auf Rang 2 und 3 mit Emmen (69 Hektaren) und Kriens (42,6 Hektaren) die bevölkerungsmässig zweit- und drittgrössten Gemeinden folgen, die am meisten freies Bauland haben. Schliesslich sieht der kantonale Richtplan vor, dass der Kanton künftig insbesondere in den bestehenden Zentren sowie entlang der sogenannten Y-Achse – bei den Autobahnen A2 und A14 – wachsen soll.

Nicht direkt auf dieser Achse liegt die Region Willisau. Das mache die Situation für Ebersecken schwierig, sagt Gemeindeschreiber Stefan Mehr:

«Wir können kaum mehr wachsen, da wir kaum neues Bauland einzonen dürfen.»

Das sei insofern prekär, da Ebersecken nur über 0,7 Hektaren freies Bauland verfügt – so wenig wie keine andere Gemeinde. «Wir können eigentlich nur noch nach innen verdichten. Aber das ist wegen der ländlichen und dörflichen Struktur nicht überall möglich», sagt Mehr. Etwas Luft verschaffen soll die Fusion mit Altishofen im Jahr 2020. Die Nachbargemeinde hat immerhin 3,4 Hektaren freies Land.

Über den ganzen Kanton gesehen, horten die Gemeinden innerhalb der 10 909 Hektaren Bauzonen 954,9 Hektaren freies Bauland. Das ist etwa die Fläche des Hallwilersees. Der Richtplan erlaubt es, dieses freie Land bis ins Jahr 2035 zu überbauen. Damit würde die totale Fläche an Bauzonen rund 12 000 Hektaren betragen (siehe Zahlen unten).

  • 12 000 Hektaren Bauzonen soll der Kanton Luzern gemäss aktuellem Richtplan bis 2035 aufweisen.
  • 10 909 Hektaren Bauzonen zählte der Kanton Luzern Ende 2017.
  • 9 360 Hektaren Bauzonen zählte der Kanton Luzern Ende 2010.
  • 8 769 Hektaren Bauzonen zählte der Kanton Luzern Ende 1991.

Gisikon ist zu 96 Prozent verbaut

Aussagekräftiger sind jedoch die relativen Zahlen. Der Überbauungsgrad zeigt auf, wie viel Bauland eine Gemeinde im Verhältnis zu ihrer gesamten bebaubaren Fläche aufweist. An erster Stelle steht hier Gisikon: Die Rontaler Gemeinde hat ihre Bauzonen zu gut 96 Prozent bereits verbaut. Frei stehen gerade mal noch 0,8 Hektaren in der 1300 Einwohner zählenden Gemeinde. «Gisikon ist in den vergangenen Jahren als Wohnort immer beliebter geworden. Dies hat dazu geführt, dass das Bauland auch tatsächlich überbaut wurde», erklärt Josef Lötscher, Gemeinderat Ressort Infrastruktur. Da Gisikon auf der Y-Achse und damit im Entwicklungsgebiet des Kantons liegt, rechnet Lötscher damit, dass die Gemeinde künftig mehr Bauland einzonen darf. Einen hohen Überbauungsgrad weisen ebenso Eich (95,3 Prozent) und Knutwil (94,6 Prozent) auf.

Am anderen Ende der Tabelle liegen Vitznau (68,2 Prozent), Romoos (61 Prozent) und Alberswil. Die Gemeinde im Hinterland hat nur 59,2 Prozent ihrer Bauzonen ausgeschöpft. Das kann insofern unbequem werden, da die Gemeinde nicht zu den primären Entwicklungsgebieten zählt und künftig wohl bereits eingezontes Bauland zu Landwirtschaftsland rückzonen muss. Allerdings gilt festzuhalten, dass die aktuellsten Statistiken wie bereits erwähnt gut ein Jahr alt sind. In dieser Zeit ist vielerorts gebaut worden. Von Bedeutung ist daher das Jahr 2023: Bis dann müssen alle 83 Gemeinden ihre Ortsplanung dem übergeordneten Gesetz angepasst haben. Spätestens dann ist klar, welche Kommunen wie viel Bauland in den darauffolgenden 15 Jahren überbauen dürfen – und welche rückzonen müssen. Der Kanton geht davon aus, dass dies bei rund einem Viertel der Fall sein wird.

Auch Gemeinden werden aktiv

Die Idee, per Gesetz Neueinzonungen einzudämmen, ist nicht neu. In drei Luzerner Gemeinden wurden bereits entsprechende Initiativen lanciert oder gar schon umgesetzt – nicht etwa von den Grünen, sondern aus Kreisen der SVP.

In Hochdorf wurde 2015 die Initiative «Hochdorf wächst langsam» von SVP-Kantonsrat Beat Meister an der Urne zu 54 Prozent angenommen. Damit muss die Gemeinde ihre Zonenplanung so gestalten, dass das Bevölkerungswachstum im fünfjährigen Durchschnitt 0,7 Prozent pro Jahr nicht übersteigt. Die Initiative soll nun mit der fälligen Ortsplanungsrevision umgesetzt werden. Der Gemeinderat hat dabei zwei Varianten ausgearbeitet: Die erste entspricht dem Wortlaut der Initiative. Sie richtet sich nach den quantitativen Vorgaben, hat somit kaum Aufzonungen zur Folge und sichert praktisch den Status quo. Die zweite Variante wurde nach den qualitativen Grundsätzen der Raumplanung erarbeitet und lässt unabhängig der Wachstumszahlen eine Siedlungsentwicklung nach innen zu.

Heute wird der Hochdorfer Gemeinderat entscheiden, ob nur die erste oder auch die zweite Variante in die Ortsplanung einfliessen wird. Danach soll das Planwerk im Sommer dem Kanton Luzern zur Vorprüfung eingereicht werden. Voraussichtlich im Herbst folgt die öffentliche Auflage, und die Urnenabstimmung – je nach Einsprachen – im Jahr 2020. In Emmen ist die Initiative «Emmen soll vernünftig in die Zukunft wachsen» im Juli 2018 eingereicht worden. Derzeit erarbeitet der Gemeinderat die Botschaft. Dafür hat er bis zu einem Jahr nach der Einreichung der Initiative Zeit – das Geschäft kommt also spätestens im Juli vor die Einwohnerräte. Auch in Inwil wurde eine Gemeindeinitiative lanciert, dies im Februar 2018 mit «Inwil – wächst gesund». Sie verlangte, dass die Gemeinde die Zonenplanung so gestaltet, dass das Bevölkerungswachstum im fünfjährigen Durchschnitt 0,8 Prozent pro Jahr nicht übersteigt. Die Initiative ist allerdings nie zu Stande gekommen. (jon)

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