Der grosse Vergleich: So unterschiedlich verdienen unsere Lehrlinge

Bei den Lehrlingslöhnen der beliebtesten Berufe gibt es riesige Unterschiede.

Lukas Nussbaumer
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Roman Käslin, Elektroinstallateur EFZ aus Nottwil, an den Swiss Skills in Bern. Der Beruf des Elektroinstallateurs ist der zweitbeliebteste bei den Jugendlichen. (Bild: Pius Amrein, 15. September 2018)

Roman Käslin, Elektroinstallateur EFZ aus Nottwil, an den Swiss Skills in Bern. Der Beruf des Elektroinstallateurs ist der zweitbeliebteste bei den Jugendlichen. (Bild: Pius Amrein, 15. September 2018)

Am Montag beginnt für die meisten Luzerner Lehrlinge das Berufsleben. Bis Ende September werden im Kanton Luzern mehr als 4000 Lehrlinge einen Arbeitsvertrag unterzeichnet haben. Darin sind auch die Löhne geregelt. Und manch ein «Stift» wird sich verwundert die Augen reiben, wenn er das Salär seines Kollegen betrachtet – die Unterschiede sind riesig. Das zeigt der Lohnvergleich der 40 beliebtesten Berufe, die von der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung publiziert werden.

So verdient eine Coiffeuse EBA (eidgenössisches Berufsattest) am Ende ihrer zweijährigen Lehre im schlechtesten Fall nur 500 Franken pro Monat. Eine Landwirtin mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) dagegen kann im dritten Lehrjahr mit bis zu 1690 Franken monatlich rechnen.

Auch bei den Männern sind die Differenzen eindrücklich. Ein Strassenbauer EFZ – die Ausbildung mit dem höchsten Lohn im letzten Ausbildungsjahr – erhält am Ende seiner Lehre mit monatlich 2324 Franken mehr als drei Mal so viel Geld wie ein Schreinerpraktiker EBA oder ein Automobil-Assistent EBA (siehe Grafik).

Lehrlinge auf dem Bau sind schnell wichtige Mitarbeiter

Doch spielt der Lohn als «Stift» bei der Berufswahl überhaupt eine Rolle? Eine untergeordnete, weiss Kurt A. Zurfluh, Geschäftsführer der Zentralschweizerischen Baumeisterverbände, zu der Luzern, Schwyz, Zug, Uri sowie Ob- und Nidwalden gehören. «Ein erster Anreiz zur genaueren Prüfung einer möglichen Ausbildung» sei der Lehrlingslohn allerdings schon. Dass Berufe auf dem Bau sehr gut bezahlt sind, begründet Zurfluh so: «Die Lehrlinge sind bereits während der Ausbildungszeit wichtige Mitarbeiter in den Firmen.»

Die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung macht ähnliche Erfahrungen, wie die Kommunikationsverantwortliche Sandra Kilchmann sagt. «An erster Stelle steht eine gute Lehrstelle im gewünschten Beruf.» Dies täusche aber nicht darüber hinweg, dass sich viele Jugendliche nach dem Lehrlingslohn erkundigen würden. Minimale Lehrlingslöhne gibt es in der Schweiz nicht (siehe Kasten).

Gemäss Mirjam Blättler-Ambauen, Präsidentin der Sektion Zentralschweiz von Coiffure Suisse, interessieren sich Jugendliche während des Schnupperns in einem Coiffeurbetrieb ganz selten für den Lohn. «Für jene, die diesen Beruf erlernen wollen, ist der Lohn kein Thema.» Dass die Lehrlingslöhne in der Coiffeurbranche derart tief sind, erklärt Blättler so: «Die Ausbildung ist sehr zeitintensiv. Bis Lernende voll eingesetzt werden können, dauert es bis Ende der Lehrzeit.»

«Lohn nach der Lehre ist sehr entscheidend»

Wer als Jugendlicher vor der Berufswahl steht, befasst sich aber nicht nur mit der Ausbildungszeit, sondern auch mit den Karriere- und Lohnaussichten. Kurt A. Zurfluh stellt bei Gesprächen an der Zentralschweizerischen Bildungsmesse mit möglichen Lehrlingen und deren Eltern denn auch fest: «Der Lohn nach der Lehre ist sehr entscheidend.» Eine wichtige Rolle würden auch die Weiterbildungsmöglichkeiten spielen.

Sandra Kilchmann bestätigt diese Einschätzungen. «Die jungen Menschen wollen weiter kommen und auf eigenen Füssen stehen. Dazu braucht es ein bestimmtes Grundeinkommen.»

Grosse Lohn-Differenzen auch nach der Lehrzeit

Ein Blick auf die Saläre nach dem Abschluss der Ausbildung zeigt genauso grosse Unterschiede wie in der Lehrzeit. So beträgt der in einem Gesamtarbeitsvertrag festgelegte Mindestlohn für einen Strassenbauer im ersten Berufsjahr pro Monat 5713 Franken. Ein Schreinerpraktiker EBA am anderen Ende der Skala muss mit knapp 3600 Franken auskommen, eine Coiffeuse EBA hat monatlich noch einmal rund 200 Franken weniger im Portemonnaie. Allerdings können viele Coiffeusen von einer je nach Betrieb gewichtigen Umsatzbeteiligung profitieren. Eine Fachfrau Gesundheit EFZ oder ein Kaufmann EFZ können mit rund 4000 Franken planen, wobei die Löhne im kaufmännischen Bereich stark varieren.

Trotz grosser Lohndifferenzen bei den Lehrlings- und Berufslöhnen haben Baufirmen und Coiffeurbetriebe eines gemeinsam: Es gibt derzeit mehr Lehrstellen als Interessenten.