Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

So warm sind unsere Gewässer – und das gilt es bei der Abkühlung zu beachten

Warme Temperaturen, aber gefährlich kaltes Wasser: Die Reuss und der Vierwaldstättersee kratzen an der 20-Grad-Marke. Wer sich jetzt abkühlen möchte, sollte jedoch diese Tipps beachten.
René Meier
Zwei Jugendliche springen bei Stansstad* in den Vierwaldstättersee. (Bild: Urs Flüeler / Keystone, 17. Juni 2017)

Zwei Jugendliche springen bei Stansstad* in den Vierwaldstättersee. (Bild: Urs Flüeler / Keystone, 17. Juni 2017)

16 Grad ist das Wasser in der Reuss in Luzern und 18 Grad im Vierwaldstättersee: Kaum steigen die Luft-Temperaturen auf sommerliche Werte, wagen wieder mutige Schwimmer den Sprung ins Wasser – so zu sehen in diesen Tagen entlang der Reuss zwischen Luzern und Emmen.

Gewässer Wassertemperatur
Urnersee 15 Grad
Reuss 16 Grad
Sihlsee 17 Grad
Sarnersee 18 Grad
Vierwaldstättersee, Luzern 18 Grad
Lauerzersee 19 Grad
Alpnachersee 19 Grad
Ägerisee 19 Grad
Zugersee 19 Grad
Rotsee 21 Grad
Sempachersee 21 Grad

Ist es an einem heissen Sommertag empfehlenswert, sich so abzukühlen? Philipp Binaghi, Leiter Kommunikation und Marketing bei der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG), rät davon ab: «Ein Sprung ins kühle Wasser ist verlockend, kann aber lebensgefährlich sein. Der Kreislauf hat Mühe, die grossen Temperaturunterschiede zwischen Luft und Wasser innert wenigen Sekunden zu verkraften.»

Risikogruppe: Männer im Alter zwischen 15 und 30 Jahren

Durch den Temperaturschock steigt der Blutdruck stark an, zugleich ziehen sich die Blutgefässe zusammen und ein gewaltiger Druck lastet auf dem Kreislauf. Mögliche Folgen sind Muskelkrämpfe oder Ohnmacht. Das könne laut Binaghi zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen. Besonders gross sei die Gefahr, wenn der Körper stark erhitzt werde, etwa wenn Personen vor dem Baden lange in der Sonne waren.

«Zur Risikogruppe bei Ertrinkungsunfällen zählen vor allem Männer im Alter zwischen 15 und 30 Jahren»,

sagt Binaghi. Ist das dem jugendlichen Leichtsinn zuzusprechen? Für den SLRG-Sprecher ist klar, dass sich viele junge Männer oft selbst überschätzen, etwa weil sie Grenzen ausloten wollen, oder weil es einen sozialen Gruppendruck gebe. Hier setzt auch die aktuelle SLRG-Kampagne «Save your friends» an, die auf Jugendliche innerhalb einer Gruppe abzielt. Sie spricht nicht die Betroffenen selbst an, sondern deren Freunde und Kollegen. Es gibt auch Jugendliche, die risikobewusst sind, alle anderen aber könnten mit einem warnenden Wort zur rechten Zeit das Schlimmste verhindern.

Experte empfiehlt: Mit der Schwimmweste in den Fluss

Die SLRG rät, sich nur mit Schwimmweste in fliessende Gewässer zu begeben. Eine von der SLRG veröffentlichte, aber noch nicht vollständige Statistik zum vergangenen Jahr zeigt, dass sich 81 Prozent der tödlichen Badeunfälle in offenen Gewässern ereigneten. Im Jahr 2018 verunfallten 16 Personen in Schweizer Seen tödlich, in Flüssen waren es 14.

Die Vorbereitung für den Schwumm an heissen Tagen im kalten Wasser beginnt bereits im Kopf. Binaghi rät, sich langsam an die Wassertemperaturen zu gewöhnen. Grundsätzlich sei es ratsam, den Körper unter der Dusche etwas abzukühlen, falls dies möglich sei, und dann «auf jeden Fall langsam» ins Wasser zu gehen. Dabei sollte der Schwimmer seinen Oberkörper benetzen, bevor er ganz untertaucht. Wer trotzdem an einer geeigneten Stelle in den Fluss springen möchte, sollte immer mit den Füssen voranspringen.

Und wenn doch einmal jemand in Not gerät? Die Rettung aus kaltem Wasser unterscheidet sich grundsätzlich nicht von einer aus warmem Wasser. Binaghi: «Es gilt zuerst zu alarmieren, damit Hilfe kommt. Dann der Person zurufen, um mögliche Hindernisse oder Ausstiege zu signalisieren, allenfalls kann sie selber ans Ufer schwimmen.» Wenn das nicht gehe, könne der Retter einen Sack mit Seil werfen und so die Person an Land ziehen. Solche Rettungsboxen gebe es beispielsweise an der Reuss in Luzern. «Als letzte Möglichkeit geht man selber ins Wasser, dies nur, wenn man sich nicht selber in Gefahr bringt», sagt Binaghi.

Wichtig sei auch, nicht zu lange im kalten Wasser zu bleiben. Binaghi: «Wenn Sie zu frieren beginnen, dann sollten Sie raus aus dem Wasser und nicht warten, bis Ihre Lippen blau verfärbt sind.» Wer auskühlt, verliert seine Bewegungsenergie und macht schnell schlapp. Der Schwimmer hat im schlimmsten Fall keine Kraft mehr, das rettende Ufer zu erreichen, vor allem dann, wenn er weit draussen ist. Ungeübte Schwimmer sollten ganz aufs Baden in Flüssen und Seen verzichten. In trübe Gewässer sollte nie gesprungen werden, lange Strecken nie alleine geschwommen werden. Grundsätzlich gilt: Je kälter das Wasser, umso kürzer der Aufenthalt. Dann steht einem ungetrübten Badespass nichts mehr im Weg.

Hinweis: Hier finden Sie weitere Infos zu den Baderegeln und den Flussregeln

*In einer ersten Version schrieben wir, dass das Bild in Beckenried aufgenommen wurde. Das ist falsch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.