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So will der Stadtrat die Luzerner Innenstadt aufwerten

Der St.-Karli-Quai, der Schwanen- oder der Bundesplatz sollen neu gestaltet werden. Diese Ideen bringt die Stadtregierung als Alternative zur Initiative für eine Aufwertung der Innenstadt aufs Tapet. Die Initianten sind mässig begeistert.
Stefan Dähler
So könnte ein Car-freier Schwanenplatz dereinst aussehen. Visualisierung: Stadt Luzern

So könnte ein Car-freier Schwanenplatz dereinst aussehen. Visualisierung: Stadt Luzern

Ein neuer Anhalte- und Parkplatz auf der Allmend und allenfalls ein neues Carparking in der Innenstadt - so könnte das Car-Problem in der Stadt Luzern gelöst werden. Diese Pläne basieren auf einer Interface-Studie, der Stadtrat hat sie bereits im Februar bekannt gegeben. Sie sind als Reaktion auf die Initiative für eine Aufwertung der Innenstadt entstanden, die eine Wiederaufnahme der Planungen für das Parkhaus Musegg fordert. Die Abstimmung findet am 23. September statt.

Der Stadtrat lehnt diese ab, wie er nun am Freitag bekannt gab. Das Parkhaus sieht in seiner ursprünglichen Form auch 660 Autoparkplätze vor. Um keinen Mehrverkehr in der Innenstadt auszulösen, müssten daher rund 300 oberirdische Parkplätze aufgehoben werden, was der Stadtrat nicht als realistisch betrachtet.

4 Millionen Franken für Planung

Stattdessen beantragt er beim Parlament verschiedene Sonderkredite in der Höhe von total rund 4 Millionen Franken. Es handelt sich nicht um einen Gegenvorschlag zur Initiative, das Geschäft untersteht aber dem fakultativen Referendum. Das Geld soll einerseits in die Planungen neuer Lösungen für die Carparkierung fliessen. Neben dem Parking auf der Allmend ist für den Stadtrat ein abgespecktes Musegg-Projekt mit einer begrenzten Anzahl von Parkplätzen für Anwohner denkbar. Auch ein Parkhaus unter dem Schweizerhofquai sei eine Option. Das Metro-Projekt will der Stadtrat aufgrund der hohen Investitionskosten derzeit nicht weiterverfolgen.

Andererseits soll mit den Krediten die in der Initiative geforderte Aufwertung der Innenstadt vorangetrieben werden. Konkret schlägt der Stadtrat folgende Projekte vor:

  • Diverse Gassen und Plätze in der Altstadt sollen neu gestaltet werden. Auch die an den Franziskanerplatz angrenzende Fläche beim Regierungsgebäude soll mit einbezogen werden. Dafür ist die Stadt aber auf den Kanton als Grundeigentümerin angewiesen. Für 80'000 Franken soll 2019 ein Konzept erarbeitet werden.
  • Nach der Kleinstadt-Sanierung soll auch die Pfistergasse und der Reusssteg aufgewertet werden. Für die Vorarbeiten beantragt der Stadtrat einen Kredit von 700'000 Franken, die Planungen sollen im Jahr 2022 abgeschlossen sein.
  • Der St.-Karli-Quai soll zu einer Flaniermeile umgestaltet werden, dabei ist auch ein Zugang zum Wasser geplant. Inwiefern eine Verkehrsberuhigung möglich ist, sei noch offen. Wie für die Bahnhofstrasse ist dafür ein partizipativer Prozess mit mehreren Interessengruppen vorgesehen. Für Konzept und Wettbewerb beantragt der Stadtrat einen Kredit von 620'000 Franken.
  • Weiter will der Stadtrat - wie vom Quartierverein und der SP gefordert - den Bundesplatz umgestalten. Dabei muss er eng mit dem Kanton als Eigentümer der Strasse zusammenarbeiten, der mittelfristig ohnehin eine Sanierung des Knotens plant. Für die Erarbeitung eines Konzepts bis 2020 spricht der Stadtrat in eigener Kompetenz 284'000 Franken.
  • Zentral ist auch die Frage, wie die Touristen von der Allmend zum Schwanenplatz gelangen sollen und wie letzterer künftig aussehen könnte. Für eine Vorstudie bis 2021 sind 300'000 Franken vorgesehen. Das Ziel ist, dass der Schwanenplatz Car-frei wird, beim Löwenplatz ist das noch offen.
Vision eines neu gestalteten Bundesplatzes. Visualisierung: Stadt Luzern
Mit Zugang zum Wasser: So könnte der St.-Karli-Quai eines Tages aussehen. Visualisierung: Stadt Luzern
Ein wichtiges Ziel des Stadtrats ist, den Schwanenplatz carfrei zu gestalten. Visualisierung: Stadt Luzern
3 Bilder

Zukunftsvisionen für Luzern

Welches sind die nächsten Schritte? Für den Carparkplatz Allmend ist bis 2020 eine Machbarkeitsabklärung geplant. Diese soll auch eine Testphase enthalten, in der die Parkplätze vorübergehend bereits in Betrieb genommen werden. So will der Stadtrat unter anderem herausfinden, ob die Touristen tatsächlich bereit sind, von den Cars auf die Zentralbahn umzusteigen und zu Fuss vom Bahnhof an den Schwanenplatz zu gehen. Der Testbetrieb dürfte rund 800'000 Franken kosten.

Bis zu 1 Milliarde Umsatz

Wie lukrativ der Cartourismus ist, zeigen folgende Zahlen: Wie die Stadt Luzern im Bericht und Antrag «Attraktive Innenstadt» schreibt, kauft eine Person während eines Aufenthalts von 60 bis 90 Minuten Uhren und Schmuck im Wert von durchschnittlich 400 bis 500 Franken. Rund 50'000 Reisecars und mit ihnen rund 2 Millionen Besucher würden pro Jahr in Luzern Halt machen. Dies generiere einen Umsatz von bis zu 1 Milliarde Franken. Die Wertschöpfung pro Kunde übertreffe jene im «allgemeinen Detailhandelsangebot» um das Zehn- bis Fünfzehnfache.

Für den Allmend-Testbetrieb plant der Stadtrat, auf dem Grundstück Hinterschlund rund 40 Reserve-Carparkplätze einzurichten. Dafür seien kleinere bauliche Massnahmen im Untergrund, ein WC für die Chauffeure und ein Verkehrsdienst nötig. Der Stadtrat rechnet dafür mit Kosten von rund 100'000 Franken. Mit den Parkplätzen sollen der Bedarf zu Spitzenzeiten abgedeckt und zu einem späteren Zeitpunkt allenfalls auch die wegfallenden Plätze auf dem Inseli kompensiert werden. Das gelte aber nicht für die Anhalteplätze der Fernbusse, für diese brauche es einen besseren ÖV-Anschluss. Der Kanton plant derzeit ein Fernbus-Terminal, auch dafür ist die Allmend als Standort denkbar.

Auf dem Grundstück Hinterschlund, das der Stadt Luzern gehört, sollen rund 40 Reserve-Carparkplätze entstehen.

Auf dem Grundstück Hinterschlund, das der Stadt Luzern gehört, sollen rund 40 Reserve-Carparkplätze entstehen.

Die zur Diskussion stehenden Carparkings unter dem Musegghügel beziehungsweise unter dem Schweizerhofquai sollen ebenfalls bis 2020 mit Hilfe einer neuen Studie verglichen werden. Der Stadtrat rechnet für diese mit Kosten von 50'000 Franken.

«Breit abgestützte Lösung» als Ziel

Einen Entscheid will der Stadtrat zum heutigen Zeitpunkt nicht fällen. Zuerst sollen verschiedene Interessengruppen in einem partizipativen Prozess mit einbezogen werden. Dieser soll bis 2021 dauern und von einer externen Stelle geleitet werden, um «Ergebnisoffenheit, Neutralität und Partnerschaftlichkeit zu signalisieren», wie der Stadtrat im Bericht und Antrag schreibt. «Das Ziel ist eine breit abgestützte Lösung», sagt Stadtpräsident Beat Züsli (SP). Die politische Polarisierung in der Car-Frage soll überwunden werden.

Der Auftrag werde ausgeschrieben, die Stadt rechnet für den Prozess mit Kosten von 500'000 Franken. Der Betrag ist, wie auch alle anderen zuvor erwähnten, in den Gesamtkosten von 4 Millionen Franken enthalten.

Initianten fehlt klares Bekenntnis

Was sagen Vertreter des Initiativkomitees zu den Vorschlägen des Stadtrats? CVP-Grossstadtrat Roger Sonderegger ist grundsätzlich zufrieden. Ihm wie auch FDP-Präsident Fabian Reinhard fehlt aber ein klares Bekenntnis zu einem Innenstadt-Parking. «Es ist für uns klar, dass es ein solches braucht», sagt Sonderegger. Die FDP fordert zudem eine Auslegeordnung mit allen Projekten, also auch der Metro.

Ob die Initiative zurückgezogen wird, entscheide man am Ende der Parlamentsdebatte. «Bedingung ist, dass der Grosse Stadtrat das Parkhaus Musegg nicht im Voraus verunmöglicht», sagt Sonderegger. Für SVP-Grossstadtrat Peter With ist ein Rückzug des Begehrens jedoch kein Thema. «Es ist schade, dass das Parkhaus Musegg nur noch als reines Carparking betrachtet werden soll.» Wie viele Autoparkplätze es sein sollen und wie viele man dafür in der Stadt aufheben müsste, könne man später entscheiden. Für Sonderegger ist klar: Ein Parkhaus mit 660 Autoparkplätzen ist «gestorben».

Musegg Parking AG ist offen für abgespeckte Variante

Der Entscheid des Luzerner Stadtrats, die Initiative für die Aufwertung der Innenstadt abzulehnen (siehe Haupttext), stösst bei der Musegg Parking AG auf wenig Begeisterung. In einer Stellungnahme kritisiert sie, dass sich der Stadtrat auf den Standort Allmend «eingeschworen »habe. Dieser habe aber den Nachteil, dass die Touristen eine längere Anreise in die Stadt auf sich nehmen müssten. Den Grund für die Ablehnung der Initiative - die 660 Autoparkplätze im Parkhaus Musegg - kann die AG nicht nachvollziehen. Diese Zahl sei keine fixe Grösse, sondern «stets Gegenstand der Diskussion» gewesen. Nur habe sich die Politik dieser Diskussion «bis heute verweigert». Die AG rechnet vor, dass ein Parkhaus auch ohne Autoparkplätze möglich sei. Ab Gebühren von 65 Franken pro Stunde könne die Anlage mit 36 Carpark- und 7 Anhalteplätzen «zu heutigen Zinsen rentabel betrieben werden». Ursprünglich ging man von 12 Franken aus. Beim Parking Schweizerhofquai wären es 100 bis 120 Franken (wir berichteten).

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