So will die Entlebucher Gemeinde Flühli im Dorfkern attraktiver werden

Das vom Durchgangsverkehr geplagte Dorfzentrum von Flühli wird derzeit unter die Lupe genommen. Bald kann sich auch die Bevölkerung dazu äussern.

Roseline Troxler
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Blick auf die Entlebucher Gemeinde Flühli.

Blick auf die Entlebucher Gemeinde Flühli.

Bild: Pius Amrein (31. Juli 2020)

Wie kann sich die flächenmässig grösste Luzerner Gemeinde weiterentwickeln? Wie soll der Dorfkern von Flühli künftig aussehen? Kann das Potenzial des Durchgangsverkehrs besser genutzt werden? Dies sind nur einige Fragen, welche den Gemeinderat, eine extra hierfür eingesetzte Gruppe und weitere Akteure derzeit umtreiben. Gemeindeammann Hans Lipp (CVP) erklärt auf Anfrage: «Im Dorfkern von Flühli hat es derzeit eine brachliegende Fläche von rund 7500 Quadratmetern. Ausserdem besteht das Potenzial für verschiedene Erneuerungen an der Infrastruktur.» Mit einem Entwicklungsprozess zum Dorfkern wolle man die Zeit nutzen, vor der anstehenden Zonenplanrevision die Bedürfnisse abzuklären.

Bevölkerung, Gewerbe und Tourismus miteinbeziehen

Der Prozess läuft nun seit knapp einem Jahr. Der Gemeinderat will eine Entwicklungsstrategie für Flühli ausarbeiten. «Diese soll auf den künftigen Bedürfnissen der Bevölkerung, des ansässigen Gewerbes und der Touristen beruhen», führt Lipp aus. Im Juli und September wurden zwei Workshops durchgeführt. Zudem wurden rund 80 Grundstückbesitzer zum Dorfkern befragt. Der Gemeindeammann sagt:

«Die Rücklaufquote war mit 60 Prozent sehr erfreulich.»

Mit einem Zweitwohnungsanteil von knapp 60 Prozent muss Flühli ganz unterschiedliche Bedürfnissen dienen. Obwohl sich der grössere Teil der Zweitwohnungen auf den Ortsteil Sörenberg konzentriert, gibt es auch in Flühli viele Zweitwohnungsbesitzer. Die Gemeinde Flühli zählt rund 1950 Einwohner. Beim Tourismus sieht Lipp noch Handlungsbedarf:

«Sörenberg ist viel bekannter als Flühli. Doch Flühli will nicht nur das Vorzimmer von Sörenberg sein.»

Eine Möglichkeit sieht er darin, den Durchgangsverkehr stärker zu nutzen, respektive die Touristen dazu zu bringen, in Flühli Halt zu machen und etwas zu konsumieren. Die Tatsache, dass Flühli oft von Sörenberg in den Schatten gestellt werde, sei mit ein Grund, weshalb der Gemeinderat die Dorfkernentwicklung für Flühli separat anging.

Handlungsbedarf sieht Lipp auch beim Bau von erschwinglichen Wohnungen für Familien. «Diese Nachfrage können wir noch nicht befriedigen.» Entwicklungsmöglichkeiten sollen auch beim Kurhaus Flühli aufgezeigt werden. Das Restaurant ist derzeit geschlossen. Diskutiert werde auch die Idee einer Dorf AG. Hans Lipp sagt dazu: «Einwohner könnten etwa gemeinsam ein Wohn- und Geschäftshaus realisieren, um Betriebe und Dienstleistungen anzusiedeln.»

Mehrere Infrastrukturbauten in der Planung

Die Dorfkernentwicklung ist nur eines von mehreren derzeit laufenden Projekten zur Zukunft der Gemeinde Flühli. Im Dezember sollen die Stimmbürger über eine neue Infrastruktur für Anlässe im Ortsteil Flühli abstimmen. Dabei wird auch der Bau eines Mehrzweckgebäudes inklusive einer neuen Turnhalle diskutiert. Und im Ortsteil Sörenberg muss das Hallenbad dringend saniert oder neu gebaut werden. «Derzeit favorisieren wir einen Neubau auf dem Flühhüttenboden», sagt Gemeindeammann Hans Lipp, der gleichzeitig Verwaltungsratspräsident der Hallenbad AG ist. Während eine Mehrzweckhalle durch die Gemeinde finanziert würde, läuft die Finanzierung des Hallenbads über deren Aktiengesellschaft. Lipp rechnet mit Kosten von über 20 Millionen Franken, sieht ein Hallenbad aber als wichtiges touristisches Angebot. Aufgrund Investitionen in die Infrastruktur geht Lipp davon aus, dass Flühli von 2022 bis 2024 erstmals seit Jahren wieder Pro-Kopf-Schulden aufweisen wird.

«Aufgrund der aktuell guten finanziellen Situation können wir uns das leisten.»

Wie geht es nun weiter mit dem Dorfkern? Laut Hans Lipp ist als Nächstes eine Bevölkerungsumfrage geplant. Anfang 2021 will die Gemeinde dann an einer Infoveranstaltung alle Eigentümer und Interessierten informieren. Hans Lipp unterstreicht: «Dann sollen auch die Sörenberger in den Prozess miteinbezogen werden.»

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