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So will die Stadt Luzern Bäume für
den Klimawandel fit machen

Auf dem Museumsplatz testet die Stadt Luzern eine Bepflanzungsmethode. Sie soll verhindern, dass Bäume wegen Trockenheit absterben.
Stefan Dähler
Die wasserdurchlässige Unterlage bei den neu gepflanzten Bäumen auf dem Museumsplatz. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 10. Juli 2019)

Die wasserdurchlässige Unterlage bei den neu gepflanzten Bäumen auf dem Museumsplatz. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 10. Juli 2019)

Das Klima in der Stadt ist rau für Bäume. Denn zwischen Strassen und Häusern ist es trockener und heisser als in grüner Umgebung. Diese Bedingungen werden durch die Klimaerwärmung noch verstärkt. Um das Problem zu lindern, testet die Stadt Luzern nun am Museumsplatz eingangs der Hertensteinstrasse ein spezielles Bodensystem für die neu gepflanzten drei Gleditschien (Lederhülsenbäume).

«Das Problem bei Stadtbäumen ist oft, dass das Niederschlagswasser kaum zu den Wurzeln gelangt und die heutigen Bauweisen das Wasser sehr effektiv ableiten, anstatt es zu den Baumstandorten hinzuleiten»,

sagt David Risi von der Stadtgärtnerei. Die Erdfläche rund um den Stamm sei zudem für Wasseraufnahme zu klein, zu hart und zu verdichtet, weil sie stark beansprucht werde. Dies als Abkürzung durch Fussgänger, als Abstellplatz für Velos, Güselsäcke und anderes. Dadurch würden auch die Organismen im Boden in ihrer Funktion stark reduziert. Ausserdem werde der Wurzelraum durch Leitungen oder den Strassenuntergrund eingeschränkt.

Wurzelwachstum zum Grundwasser lenken

Bei den Testbäumen dagegen wurde ein Granit-Splitt-Bodenbelag gewählt, der verdichtungsstabil und zudem wasser- sowie luftdurchlässig sei. Risi: «Weiter versuchen wir, das Wurzelwachstum rasch in die Tiefe zu lenken, wo auch Grundwasser vorhanden ist.» Dies, indem man gezielt nährstoffreiche, sogenannt wurzellenkende Schichten einbaut. Dort, wo sich Leitungen befinden, werde dagegen eine nährstoffarme Bodenschicht eingebaut, damit die Wurzeln sich nicht in diese Richtung ausbreiten.

Der Versuch beim Museumsplatz läuft seit letztem November. «Bereits zeigt sich, dass das Wasser besser in die Baumscheibe gelangt», sagt Risi. Mit Baumscheibe ist der Bereich an der Oberfläche rund um den Baum gemeint. Wie sich die drei Lederhülsenbäume entwickeln, könne man allerdings erst in ein bis zwei Jahren schlüssig beurteilen. Aus stadtklimatischer und ökologischer Sicht wäre zudem eine Bepflanzung der Baumscheibe dringend notwendig gewesen, so Risi. Diese wurde jedoch aus gestalterischen Gründen nicht realisiert. Ähnliche Systeme wie auf dem Museumsplatz werden in Stockholm bereits seit mehreren Jahren praktiziert, weitere Tests gibt es etwa in Graz, Wien oder Kopenhagen. Risi: «Falls der Versuch erfolgreich ist, wollen wir es auch an anderen Stellen installieren, die für Bäume kritisch sind.» Damit sind vor allem Strassen und Plätze in der Innenstadt gemeint.

Weitere Massnahmen im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung setzt die Stadt Luzern schon länger um. 2017 wurde sie mit dem Label Grünstadt Schweiz der Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter ausgezeichnet. So pflanzt die Stadt vermehrt Bäume, die auf Hitze und Trockenheit weniger anfällig sind. Dazu gehören eben Gleditschien oder die Japanische Zelkove.

Bei der Wahl der Baumarten würden, wo immer sinnvoll und standortbedingt möglich, einheimische Arten bevorzugt, so Risi. Im innerstädtischen Bereich aber, welcher im Gegensatz zum Umland mehrere Grad wärmer ist, würden entsprechend auch nichtheimische Arten eingesetzt. Weiter setzt die Stadt auf Mischalleen mit verschiedenen Baumarten wie etwa an der Horwerstrasse, damit nicht mehrere Bäume auf einmal vom selben Schädling befallen werden. Zudem würden in Kooperation mit Schweizer Fachhochschulen wie der ZHAW Wädenswil verschiedene, klimaoptimierte Baumbepflanzungskonzepte entwickelt und getestet.

Bei Hitze verlieren Bäume ihre Blätter Wie hat sich der Klimawandel bisher auf die Luzerner Stadtbäume ausgewirkt? «Das hängt stark vom Standort ab. Bei starker Belastung wie etwa an der Zentralstrasse kann man beobachten, dass die Bäume ihre Blätter schon früh verlieren», sagt Risi. Letztes Jahr habe man dies bereits ab Ende Juni beobachten können, auch dieses Jahr gebe es vereinzelte Fälle. «Es handelt sich dabei um einen Schutzmechanismus, weil ein Baum ohne Blätter kaum mehr Energie und Wasser verbraucht, er führt aber zu mehr Fällen von Sonnenbrand.» Das könne ein paar Jahre lang gutgehen. «Doch durch den Wassermangel und das fehlende Bodenleben wird das Immunsystem der Bäume geschwächt, wodurch sie anfälliger werden auf Pilzbefall.» Vereinzelt habe man deswegen in den letzten Jahren Bäume fällen müssen.

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