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(Bild: Dominik Wunderli, 20. Februar 2019)

(Bild: Dominik Wunderli, 20. Februar 2019)

So wird das KKL während der Fasnacht renoviert

Jedes Jahr zur Fasnacht schliesst das Flaggschiff der Zentralschweizer Kultur für gut zwei Wochen. Was geht in dieser Zeit in Jean Nouvels visionärem Bau in Luzern eigentlich vonstatten? Ein Grossputz? Nein, die Renovationen sind vor allem technischer Natur.
Susanne Holz

Die Neugier ist es, die einen dieser Tage ins KKL führt. An der Fasnacht ist das Luzerner Konzerthaus jeweils geschlossen. Was passiert dort wohl alljährlich während der zwei Wochen Schliessung? So vielen Menschen bereitet der Konzertsaal das ganze Jahr über Freude – wenn sie Klassik hören oder auch mal Pop, wenn sie grossen Sinfonieorchestern lauschen oder mitunter den Platz vor der Bühne zur Tanzfläche machen wie beim Auftritt der italienischen Rockröhre Gianna Nannini.

Der Konzertsaal, das Herzstück des KKL: Wie sieht seine Generalüberholung aus? Und was alles wird unternommen, um das ganze Haus in neuem Glanz erstrahlen zu lassen? Man denkt dabei an einen Grossputz. Doch weit gefehlt: Geputzt wird das ganze Jahr über. Und die Fassaden beispielsweise, die werden im Sommer neu gestrichen. Bei der zweistündigen Führung mit Jürg Schär (Bild), dem KKL-Leiter für Gebäude und Sicherheit, wird schnell klar: Die jährliche Renovation ist in erster Linie technischer Natur.

(Bilder: Dominik Wunderli, 20. Februar 2019)

(Bilder: Dominik Wunderli, 20. Februar 2019)

Jürg Schär zählt die Hauptpunkte der Renovation auf: «Zuerst ist der Konzertsaal dran. Dann sind wir nach 20 Jahren auch am Sanieren dreier Lifte – das betrifft zwei Personen- und einen Transportlift.» Nach zwei Jahrzehnten gebe es steuerungstechnisch gerade im Saal einiges zu überholen: «Denn ginge unterm Jahr bei der Bühnensteuerung etwas kaputt, dann müsste man den Konzertsaal für acht bis zehn Wochen schliessen.» Weshalb man auf vorausschauende Massnahmen setze.

Man geht mit Jürg Schär in den Konzertsaal, wo vorne über der Bühne das Canopy weit heruntergelassen und Elektrotechniker und Bauleiter Dirk Kindler vor allem digital unterwegs ist:

Es muss nicht nur die Steuerung des Canopys – dieses riesigen höhenverstellbaren Schallreflektors, der an zwei Seilzügen hoch- und runtergefahren wird – neu justiert werden, sondern auch die Steuerung der 41 höhenverstellbaren Bühnenelemente sowie jene der zahlreichen Echotore an den Seiten des Saals. Alles in allem geht es um den Erhalt des perfekten Klangs.

Dirk Kindler erklärt: «Wir passen die gesamte Software an. Und stellen die Motoren neu auf die jeweiligen Antriebe ein.» Mit den Motoren werden Canopy, Lautsprecher, Bühnenelemente und Echotore bewegt. Ein Teil dieser Motoren befindet sich unter der Bühne, ein Teil auf dem Schnürboden – ganz oben, über dem «Sternenhimmel» des Konzertsaals.

Im Radio der Arbeitenden läuft mal Volksmusik, mal Hip-Hop. Auf dem Boden liegen noch ein paar silberne Papierschnitzel von den Swiss Music Awards. Man kniet sich hin und lugt unter die Bühne. Hier geht es gerade materiell zur Sache: 41 Spindeln werden durch Mathias Schulze entfettet und neu gefettet, um ihren Verschleiss zu minimieren:

Jürg Schär: «Diese Spindeln treiben die grosse Metallschere an, die das Podium und die 41 Bühnenelemente in Bewegung versetzt.»

Dann geht es in die Höhe, in die Echokammern und auf den Schnürboden. Jürg Schär gerät immer wieder ins Schwärmen über die ausgeklügelte Akustik eines der zehn besten Konzertsäle weltweit: Der New Yorker Akustiker Russell Johnson (1924-2007) habe in diesem Konzertsaal sein über Jahrzehnte erworbenes Wissen umgesetzt, zusammen mit dem Architekten Jean Nouvel. «Allein das 1:1:2-Verhältnis von Raumhöhe, Breite und Länge sorgt für eine optimale Akustik.» Hinzu komme das Canopy, das man bei grossen Orchestern direkt unter die Saaldecke hochfahre, und bei Kammermusik beispielsweise tiefer einstelle für mehr Intimität des Hörens.

Ebenso die Echotore (ganz links und rechts im Bild): 50 elektronisch steuerbare Betontüren könne man öffnen oder schliessen – und so den Klang variieren und die Nachhallzeit bis zu drei Sekunden verlängern.

«Möchte man die Dramatik grosser Sinfonien verstärken, öffnet man die Echotore – die grossen sind bis zu acht Tonnen schwer. Für eine gewollt trockenere Akustik wie bei Jazz, Pop oder Sprachveranstaltungen, schliesst man sie.» Jürg Schär zeigt noch auf die aufgeklebten weissen Gipskacheln an den Echotoren: «Rund 24 000 sind es insgesamt, sie brechen die Schallreflexion auf und multiplizieren sie.»

Wenig später schraubt Jürg Schär hoch oben auf dem Schnürboden eines der «Sternenlichter» auf und man blickt durch dieses weit hinunter in den Konzertsaal:

Ein eindrückliche Perspektive. 19 Steuerkästen wurden hier oben gerade ausgetauscht. Und fast stolpert man über einen Haufen alter Kabel, die demnächst entsorgt werden:

In die Tiefe geht es nun erneut zu Fuss – die Lifte werden ja saniert. Im Eingangsbereich frischen Arbeiter wie Justin Flüeler gerade die Tische des World Café auf.

Das Wasser aus den zwei Wasserbecken ist abgelassen. Jürg Schär: «Die Becken werden geputzt, nach Schäden untersucht und neu befüllt – mit Javelwasser, denn dieses riecht neutral im Gegensatz zu gechlortem Wasser.»

Zu guter Letzt führt Jürg Schär einen ins Untergeschoss, wo Künstlerkorridore sowie der Zugang zu Dirigentenzimmer und Orchesterfoyer einen neuen Anstrich bekommen. Hier ist gerade Maler René Spögler gut aufgelegt am Spachteln einer Wand.

Das KKL scheint einfach immer gute Laune zu machen, selbst wenn es renoviert wird.

Hinweis: Nach zwei Wochen Renovation ist die erste Aufführung im Konzertsaal das Konzert «Vienna meets Lucerne» am Donnerstag, 7. März, um 19.30 Uhr. Die Festival Strings Lucerne spielen unter der Leitung von Daniel Dodds (Leitung und Violine) Musik von Mozart und Strauss. Mit dabei sind drei Solisten der Wiener Philharmoniker: Tobias Lea (Viola), Matthias Schorn (Klarinette) und Sophie Dartigalongue (Fagott).

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