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SOCIAL MEDIA: Bürger reklamieren via Internet

Kaputte Ampeln oder überfüllte Abfalleimer können in Zürich via App gemeldet werden. Luzern und Zug begrüssen die Idee. Umgesetzt wird sie aber nicht – es gibt andere Wege.
Yasmin Kunz
Bürger machen die städtischen Behörden über soziale Medien ... (Bild: Facebook)

Bürger machen die städtischen Behörden über soziale Medien ... (Bild: Facebook)

Yasmin Kunz

In Zürich können Personen über eine App Mängel und Schäden an der städtischen Infrastruktur beanstanden. So schreibt etwa ein Bürger: «Mörtel zwischen Pflastersteinen fehlt. Gefährlich für Velos.» Die Stadt Zürich reagiert und schreibt: «Diese Reparatur wird von uns in den kommenden Wochen ausgeführt.» Die Anfragen oder Reklamationen sind für alle einsehbar. Die Applikation trägt den Namen «züri wie neu» und wurde im Jahr 2013 als Pilotprojekt gestartet. Bis heute sind rund 8500 Meldungen eingegangen – im Schnitt sind es rund sieben pro Tag, wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich berichtete.

Viele Meldungen wegen Littering

In der Stadt Luzern verfolgt man «die Entwicklung dieser App seit langem mit grossem Interesse», wie Melchior Bendel von der Kommunikationsstelle auf Anfrage sagt. «Die Idee und die Umsetzung gefallen uns sehr gut.» Dennoch ist für Luzern eine Umsetzung dieser Applikation jetzt kein Thema. «Primär aus Ressourcengründen», wie Bendel sagt.

Auch ohne App können die Luzerner beobachtete Mängel den Behörden melden. Bendel: «Insbesondere Facebook und Twitter werden für solche Meldungen sehr aktiv genutzt.» In den letzten Jahren sind über soziale Medien wie Facebook oder Twitter (@stadtluzern) rund 50 bis 100 Hinweise eingegangen. So zum Beispiel, dass die Ampel am Löwenplatz in Schieflage geraten ist. Die Stadt leitete die Information an das zuständige Tiefbauamt weiter, und die Mitarbeiter reparierten die Ampel noch am selben Tag. Die meisten Hinweise würden wegen Littering eingehen, wie Bendel sagt. So bittet beispielsweise eine Person die Stadt Luzern via Twitter darum, mehr Aschenbecher aufzustellen, weil «so viele Zigarettenstummel auf dem Boden liegen». Ein anderer Twitterer schreibt, dass sämtliche Abfalleimer auf der Lidowiese überfüllt seien und geleert werden sollten. Es gehen auch Meldungen wegen schmutziger öffentlicher Toi­letten oder unerlaubter Taubenfütterungen ein. Die Stadt leitet die Anfragen in der Regel an die zuständigen Stellen weiter, etwa an das Tiefbauamt.

«Sorgenbriefkasten» auf Facebook

Seit kurzem gibt es ausserdem eine Facebook-Gruppe mit dem Titel «Sorgenbrief­kasten der Stadt Luzern», der anonyme Administrator nennt sich «Rüüdiger Mötzli». Die Gruppe zählt bereits rund 690 Mitglieder und soll als Sprachrohr für Bürger dienen, die ihre Sorgen und Reklamationen, welche die Stadt Luzern betreffen, mitteilen wollen.

Aktuell werden die Beleuchtung des Hotels Schweizerhof oder das Aus des Eisfeldes beim KKL diskutiert. Öffentlich ausgetragen wird auf dieser Plattform auch der Disput zwischen der Stadt und dem Verein Weihnachtsbeleuchtung Luzern (siehe Box unten).

Zug: Anfragen direkt an den Stapi

Auch in Zug können sich Bürgerinnen und Bürger für ein schönes, sauberes Stadtbild einsetzen. Dort funktioniert die Kommunikation zwischen dem Volk und der Verwaltung allerdings etwas anders, wie Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) auf Anfrage sagt: «Die Wege in Zug sind generell etwas kürzer. Es kommt vor, dass Hinweise wie zum Beispiel auf überfüllte Abfalleimer direkt zu mir gelangen.» Der Stadtpräsident erhält pro Monat zirka zwei Anfragen. «Viele wenden sich wahrscheinlich gleich an die zuständigen Stellen wie beispielsweise das Tiefbauamt oder den Werkhof.»

Auch Müller findet die App der Zürcher Behörden eine gute Idee und zeigt sich offen, diese dereinst auch in der Stadt Zug anzuwenden. «Wichtig ist, dass das Angebot der Kommunikation zwischen Bürgerinnen und Bürgern und der Verwaltung niederschwellig ist.» Eine App würde diese Bedingung erfüllen, ist sich Müller sicher.

Facebook: Adventslichter werden heiss diskutiert

Auf der öffentlichen Facebook-Gruppe «Sorgenbriefkasten der Stadt Luzern» wird derzeit über die Weihnachtsbeleuchtung politisiert. Über das Thema hatte unsere Zeitung bereits vergangene Woche, am 27. Juli, berichtet. Jetzt geht der Disput in die nächste Runde: Bruno Heini, Chef der gleichnamigen Bäckerei, fordert auf der Plattform eine längere Beleuchtungszeit an der Hertensteinstrasse. Bisher brannten die Lampen ab 16 Uhr. Die Geschäfte, die die Beleuchtung selber finanzieren, schliessen am Wochenende aber bereits zu dieser Zeit, unter der Woche um 18.30 Uhr. Somit könnten sie und ihre Kunden nur teilweise von ihrer eigenen Weihnachtsbeleuchtung profitieren, moniert Heini.

«Ein fauler Kompromiss»

Am Ende seines Statements kommt Bruno Heini auf die Stadtverwaltung zu sprechen: «Zugutehalten muss man den Behörden, dass sie in Aussicht stellten, für 2016 befristet auf zwei Wochen, eine nach vorne verschobene Einschaltzeit zu testen. Immerhin. Es hat sich gelohnt, nicht locker zu lassen. Aber es ist schade, dass Verhinderung ohne plausible Argumente uns dazu erzieht, laut zu werden.»
Unterstützung bekommt Heini von Daniel Wettstein, Präsident des Vereins Weihnachtsbeleuchtung Luzern. «Ganz bewusst» habe man das Thema auf Facebook öffentlich gemacht. Der FDP-Kantonsrat hat den Beitrag im «Sorgenbriefkasten» so kommentiert: «Für mich ist das gar kein ‹Kompromiss› der Stadt.» Auf Anfrage erläutert Wettstein: Der Verein habe bereits im Oktober 2015 eine Beleuchtungszeit ab 12 Uhr gefordert. Dies nachdem eine Umrüstung aller Beleuchtungen auf LED-Lichter mit 80 Prozent Stromersparnis erfolgte. Da die Anpassungen damals zu kurzfristig waren, wurden die Gespräche auf den Frühling 2016 verlegt, um für die nun bevorstehende Adventszeit eine Lösung zu finden. «Im Mai erhielten wir eine Antwort, in Form dieses faulen Kompromisses.»

Der Vorschlag der Stadt sieht vor, die Lampen während einer zweiwöchigen Testphase ab 14 Uhr brennen zu lassen. Wann diese Testphase durchgeführt werden soll, könne der Verein bestimmen. Danach solle gemeinsam beurteilt werden, ob die gewünschte Attraktivierung erzielt werden konnte. Wettstein sagt: «Die Stadt hätte keine Kosten zu tragen. Ich habe das Gefühl, die Stadt wollte von unserer Idee von Anfang an nichts wissen.»

Auch Behörden kommentieren

Interessant ist: Auch Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen bei der Stadt Luzern, hat sich direkt in die erwähnte Facebook-Diskussion eingeschaltet: «Ich persönlich würde es sehr begrüssen, wenn der Verein dem Kompromissvorschlag zeitnah zustimmt.» Sollte der Verein einer Testphase zustimmen, werde man gleich danach mit den Initianten und dem Verein Weihnachten Luzern die Wirkung beurteilen. «Ist die Testphase erfolgreich, können wir uns die frühere Beleuchtungszeit vorstellen», sagt Lütolf auf Anfrage.

Bedingung wäre dann, die vorgezogenen zwei Beleuchtungsstunden zu einem anderen Zeitpunkt zu kompensieren. Demnach wäre etwa möglich, dass die Weihnachtsbeleuchtung (nur in der Alt- und Kleinstadt) neu von 14 Uhr bis Mitternacht leuchtet, dafür an den Morgenstunden zwischen 6 und 8 Uhr nicht. Oder mit einer Reduktion um je eine Stunde morgens und abends. Über den Kompromiss entscheidet der Verein am 23. August.

Niels Jost

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