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SÖRENBERG: Der Direktor geht auf Raten in Pension

Nach 18 Jahren als Direktor der Bergbahnen hat sich Karl Lustenberger in die Pension verabschiedet. Ganz abgeschlossen ist sein Engagement dennoch nicht.
Roger Rüegger
Bleibt dem Skigebiet weiterhin erhalten: Karl Lustenberger, der Ende März als Direktor der Bergbahnen Sörenberg AG zurücktrat. (Bild Manuela Jans-Koch)

Bleibt dem Skigebiet weiterhin erhalten: Karl Lustenberger, der Ende März als Direktor der Bergbahnen Sörenberg AG zurücktrat. (Bild Manuela Jans-Koch)

Roger Rüegger

Der letzte Arbeitstag von Karl Lustenberger ist einer wie viele in 18 Jahren als Direktor der Bergbahnen Sörenberg AG. Abgesehen davon, dass er am Feierabend im Restaurant Ochsenweid Mitarbeiter, Freunde und Geschäftspartner zu einem Apéro eingeladen hat. Dort wurde ihm immer wieder die eine Frage gestellt: «So Kari, hesch de Letscht. Gosch jetzt id Pension?» Lustenberger lächelt jeweils: «Jaja, jetzt ist es so weit.» Er nimmt Glückwünsche entgegen und antwortet. «Alles Gute zur Pensionierung tönt eigentlich nicht so sexy.»

Pension beginnt mit einer Sitzung

Muss es auch nicht, denn vollständig hat der 63-Jährige mit den Bergbahnen nicht abgeschlossen. Bei der Zusammenführung der Skigebiete Sörenberg und Brienzer Rothorn ist er mit einem Mandat involviert, welches ihn noch einige Zeit beschäftigt. Bereits der erste Tag in Pension, der 1. April, begann mit einer Sitzung zu diesem Projekt. «Ich traf mich mit Ingenieuren. Aber danach habe ich mich auf die Ferien vorbereitet. Wir gehen zum Skifahren auf den Corvatsch. Immer nach Saisonende.»

Dort werde er den neuen Lebensabschnitt mit seiner Frau eingehend besprechen. Wenn auch etwas Wehmut mitschwinge, freue er sich dennoch auf die kommende Zeit. Besonders auf ausgedehnte Veloferien. Solche Reisen ohne Zeitdruck führen Lustenbergers etwa von ihrem Wohnort Marbach nach Hamburg. «Für den Hinweg an die Elbe rechnen wir eine Woche ein. Die Rückfahrt findet im Zug statt», sagt er. Das Ehepaar besucht auch gerne andere Städte Europas, oft fahren sie nach Frankreich. Als ehemaliger Skispringer und Nordisch Kombinierer sowie als Nationaltrainer der Schweizer Skispringer, ist der Sport für ihn wichtig. So war er auch oft auf Pisten und in Bergrestaurants anzutreffen, wo er sich unter die Gäste mischte. «Für jemanden in meiner Position ist es wichtig, den Puls der Leute zu fühlen. Ich schnappte manchen Hinweis und viele Rückmeldungen auf. Sei es, dass man zu lange anstehen muss oder auch dass die Pisten super präpariert sind.»

«Winter war schwierig»

Nun will er es geniessen, Dinge bewerkstelligen zu können, ohne deren Effizienz hinterfragen zu müssen. Denn als Direktor der Bergbahnen konnte er sich Ineffizienz nicht leisten. In einem Geschäftszweig, der vom Wetter abhängig ist, sowieso nicht. Der aktuelle Winter war «schwierig und unbefriedigend». Er schloss mit den Bergbahnen 6 Prozent schlechter ab als letzte Saison, die auch nicht grossartig war. Lustenberger: «Dem Tagesgeschäft mit der Abhängigkeit vom Wetter werde ich nicht nachtrauern.»

Natürlich nicht. Er ist ein Typ, der stets nach Optimierung strebt. So setzte er durch, dass Sörenberg eine Schlittelbahn baute. Dies, nachdem 2003 eine Schule mit 200 Kindern anreiste, von denen nur 85 Ski fuhren. «Die restlichen Schüler wollten schlitteln. Weil wir damals keine Schlittelbahn hatten, gingen die nach Schwanden. So investierten wir im folgenden Sommer 100 000 Franken für eine Schlittelbahn.» In seiner Amtszeit stellte er sich mancher Herausforderung. Die Beschaffung einer Beschneiungsanlage, die früher politisch durchgesetzt werden musste, weil es damals per Energiegesetz verboten war, Skipisten durchgehend zu beschneien. «In dieser Hinsicht erlebten wir eine gewaltige Entwicklung. Heute muss ein Skigebiet innert fünf Tagen beschneit sein, sonst reklamieren die Gäste.»

Auch der Bau neuer Bahnen war stets ein Seiltanz. Weil sich die Anlagen ausserhalb der Bauzonen befinden, kann jedermann Einsprache erheben. In einem Fall waren die Fronten zwischen den Bergbahnen und den Einspracheparteien so verhärtet, dass nur noch Juristen miteinander redeten. «Ich berief einen runden Tisch ein. Es gelang mir, Kompromisse einzugehen und etwas zu erreichen», sagt er.

Kompromisse muss er nicht mehr viele machen. Den letzten, den er einging, war in der vergangenen Saison, als sein Rücktritt und vorzeitiger Ruhestand bereits beschlossene Sache war. Sein potenzieller Nachfolger machte im letzten Moment einen Rückzieher, und der Verwaltungsrat bat ihn, eine Saison anzuhängen. Lustenberger, Bergbähnler mit Leib und Seele, verlängerte. «Ich tat dies zu Gunsten der Bahn. Ohne Vertrag, nur per Handschlag. Es war der richtige Entscheid.» Der Mann, der auf Raten in Pension geht, hat den Schlüssel seines Büros am Donnerstag zum letzten Mal gedreht. Endgültig. Nachfolger René Koller hat sein Amt per 1. März angetreten.

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