SÖRENBERG: «Ein Direktor allein kann nichts erreichen»

Vom Bier über den Kaffee zu Bergbahnen: René Koller, künftiger Direktor der Bergbahnen Sörenberg, erzählt, warum er auch auf der Piste präsent sein will.

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René Koller (55) beim Löwendenkmal in Luzern. Er wird ab März neuer Direktor der Sörenberg Bergbahnen AG. (Bild Corinne Glanzmann)

René Koller (55) beim Löwendenkmal in Luzern. Er wird ab März neuer Direktor der Sörenberg Bergbahnen AG. (Bild Corinne Glanzmann)

Banklehre, Geschäftsführer des familieneigenen Getränkehandels, Verkaufsleiter und Direktionsmitglied bei Eichhof und Heineken in Luzern, Vorsitzender der Geschäftsleitung und Leiter Verkauf beim Aargauer Kaffeemaschinen-Hersteller Cafina: Im beruflichen Werdegang von René Koller findet sich auf den ersten Blick nicht viel, das auf einen zukünftigen Bergbahn-Direktor hinweisen würde. Doch genau diese Stelle tritt der 55-Jährige im nächsten März in Sörenberg an.

Vorfreude

Natürlich sei er ein Quereinsteiger, sagt Koller. «Aber so völlig anders ist meine Aufgabe in Sörenberg dann auch wieder nicht: Auch hier geht es darum, Leute zu führen, zu motivieren, Kontakte zu knüpfen, und letztlich auch darum, ein Produkt zu verkaufen.» Bislang seien es Getränke und Maschinen gewesen. «Nun hoffe ich, potenzielle Gäste von unserer Region und den Erlebnissen zu überzeugen.» Auf Papier klingen diese Sätze nüchtern. Doch wer Koller gegenübersitzt, sieht ein Funkeln in seinen Augen, spürt die Vorfreude. In seiner Freizeit studiert er nun Angebote und Strategien anderer Bergbahnen, vergleicht Preise – und freut sich schon jetzt über das Wetter («gut, dass es jetzt schon einmal richtig geschneit hat»).

Respekt habe er vor der neuen Aufgabe, sagt Koller. «Ich weiss aber auch, was ich kann, und glaube an meine Fähigkeiten.» Der Tourismus habe ihn als Tätigkeitsfeld schon lange gereizt. Bereits als die Stelle zum ersten Mal ausgeschrieben wurde, habe er sich eine Bewerbung überlegt. Als die Stelle zum zweiten Mal verfügbar war, weil sich der designierte Direktor Urs Zenhäusern zurückzog, habe er sich beworben. Es sei ein Entscheid für Sörenberg gewesen und nicht gegen Cafina, wo er zweieinhalb Jahre tätig war, betont Koller. «Ich hatte und habe immer noch eine sehr gute Zeit dort. Aber mit 55 Jahren war Sörenberg für mich die Möglichkeit, nochmals auf ein neues Gleis aufzuspringen.» Er sei grundsätzlich der Typ, der lange Engagements schätze. «Ich kann mir sehr gut vorstellen, die nächsten zehn Jahre in Sörenberg zu bleiben.»

Ein «halber» Entlebucher

Das Entlebuch und Sörenberg kennt er gut. Etwa aus seiner Zeit als Eichhof-Verkaufsleiter, in der er viele Kontakte ins Entlebuch knüpfte. Wenn Koller erzählt, fallen Dutzende Namen von Wirten, Hoteliers oder Vereinspräsidenten – es wirkt beinahe so, als sei der gebürtige Emmer ein halber Entlebucher. «Ich kenne schon einige Leute. Das ist für einen guten Start sicher nicht schlecht», meint Koller dazu lachend. Auch privat zieht es den ausgebildeten Skilehrer immer wieder ins Entlebuch. «Ich liebe dort die Landschaft und die Natur.» Mit der Familie verbrachte er oft Skiferien in Sörenberg. «Die beiden mittlerweile erwachsenen Kinder liebten jeweils besonders die kurzen Wege zu den Skipisten.»

Sein neuer Job stosse denn auch bei den Kindern auf Begeisterung, sagt Koller. Er werde zwar weiterhin in Hergiswil NW wohnen, suche aber eine Wohnung in Sörenberg. «Die Kinder freuen sich bereits auf die ‹Ferienwohnung›», schmunzelt Koller. Die Skipisten will er künftig regelmässig befahren. «Bei mir muss immer etwas laufen. Ich will an der Front bei den Leuten sein und nicht nur im Büro sitzen. Das habe ich auch bisher immer so gehalten.» Für die Bergbahnen arbeiten in der Hochsaison bis zu 150 Personen, 30 sind Vollzeit angestellt. Diese will er zu einem eingeschworenen Team machen. «Der Direktor allein kann gar nichts erreichen. Das geht nur, wenn wir alle zusammen an unseren Zielen arbeiten.»

Hoffen auf die neue Bahn

Für die Zukunft der Bergbahnen setzt auch Koller auf das 36-Millionen-Franken-Projekt, das die Skigebiete Sörenberg und Rothorn verbinden soll. Teil des Projekts sind eine neue Sesselbahn und der Neubau des Gipfelrestaurants auf dem Rothorn. Für das Projekt, das weiterhin vom derzeitigen Direktor Karl Lustenberger begleitet wird, müssen noch Einsprachen bereinigt werden, insbesondere von Umweltschutzverbänden. Der Luzerner Kantonsrat entscheidet voraussichtlich heute über einen Beitrag in der Höhe von 6 Millionen Franken – 1,8 Millionen als Darlehen, 4,2 Millionen als Bürgschaft (Ausgabe vom 27. Oktober). «Dieses Projekt ist sehr wichtig für uns», betont Koller. «Es macht uns fit für die Zukunft und gibt uns Publizität.» Diese werde dazu führen, dass mehr Besucher kommen, um die neue Bahn auszuprobieren.

Funke muss überspringen

«Unsere Aufgabe wird es dann sein, die Leute über diesen einen Besuch an Sörenberg zu binden», sagt Koller. Eine neue Bahn allein reiche dafür nicht. «Wir brauchen motivierte, aufgestellte Mitarbeiter, damit der Funke auf die Besucher überspringt. Und natürlich auch interessante Angebote.» Gerade im Sommer ortet Koller noch einiges Potenzial: «Dabei sind die Angebote eigentlich schon da. Ich denke zum Beispiel an den tollen Erlebnispark Mooraculum. Doch irgendwie ist der noch zu wenig bekannt – auch ich bin diesen Sommer bei einem Ausflug nur per Zufall darauf gestossen.» Hier wolle er ansetzen. Und auch spezielle Angebote für Familien, Firmen und Vereine wolle man prüfen. «Die Bergbahnen haben den grossen Vorteil, dass sie fünf eigene Gastrobetriebe besitzen. Zusammen mit den zahlreichen Angeboten der Biosphäre können wir hier sehr attraktive Packages machen.»

Als Zwischenfazit nach fünf Jahren als Bergbahn-Direktor in Sörenberg möchte er sagen können: «Das Projekt Verbindung Sörenberg/Rothorn hat sich gelohnt. Wir konnten die Frequenzen steigern, und die Gäste sind zufrieden.» Ob es so weit kommen wird? «Ich bin ein positiv denkender Mensch», sagt Koller. «Und wir sind auf einem guten Weg.»

Cyril Aregger