Sörenberg: Gemeinde soll Mountain Lodge kontrollieren

Erstmals wird bekannt, wie die Mountain Lodge ihre 95 Wohnungen zu bewirtschaften hätte, damit diese nicht als Zweitwohnung zählen. Auch für die Eigentümer der Wohnungen gibt es klare Regeln.

Martina Odermatt
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Die Einspracheverhandlungen über die Mountain Lodge mit ihren 95 Wohnungen laufen immer noch.Visualisierung: PD

Die Einspracheverhandlungen über die Mountain Lodge mit ihren 95 Wohnungen laufen immer noch.Visualisierung: PD

Es geht nur schleppend voran in Sörenberg in Sachen Mountain Lodge. Zur Erinnerung: In einer ersten Auflage des Projekts hagelte es über 30 Einsprachen. Bei der zweiten, überarbeiteten Auflage, die Anfang Dezember endete, gingen noch sieben Einsprachen gegen das geplante Projekt ein.

Mit deren Erledigung ist die Bauherrin, die Stalder Generalunternehmung GmbH, noch immer beschäftigt. Den ambitionierten Zeitplan – die Firma wollte die Baupläne bereits im Januar auflegen – kann sie so nicht einhalten. Somit bleibt vorerst unklar, mit welch «innovativem» Konzept die Unternehmung die Wohnungen verkaufen will.

Wohnungen maximal sechs Wochen selber nutzbar

Sicher ist bisher einzig, dass es sich bei den Wohnungen um touristisch bewirtschaftete Wohnungen handelt. Da Sörenberg bereits einen Zweitwohnungsanteil von 59 Prozent hat, dürfen keine Zweitwohnungen mehr gebaut werden. Inwiefern sich touristisch bewirtschaftete Wohnungen von Zweitwohnungen unterscheiden, war bisher recht schwammig.

Licht ins Dunkel um die Pläne der Mountain Lodge bringt nun die Luzerner Regierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage von Andreas Hofer (Grüne, Sursee). Laut dem Zweitwohnungsgesetz gilt etwa eine Wohnung nur dann als touristisch bewirtschaftet, wenn sie einerseits dauerhaft zur ausschliesslich kurzzeitigen Nutzung durch Gäste zu markt- und ortsüblichen Bedingungen angeboten wird, nicht auf die persönlichen Bedürfnisse der Eigentümer zugeschnitten ist und im Rahmen eines strukturierten Beherbergungsprinzips bewirtschaftet wird. Was heisst das konkret?

Gabriel Hefti, Jurist beim Bundesamt für Raumentwicklung (ARE), weiss mehr:

«Die Eigentümer der Wohnung dürfen diese während maximal drei Wochen pro Hauptsaison für sich selbst nutzen.»

Andere Gäste können die Wohnung jederzeit buchen, wie in einem Hotel üblich. Die Eigentümer dürfen die Wohnung zudem nicht für einen gewissen Zeitraum blockieren, sondern müssen sie, wie andere Gäste, reservieren.

Damit die Gäste sich wohl fühlen, darf die Wohnung nicht auf die Bedürfnisse des Eigentümers zugeschnitten sein. «Familienfotos etwa wären nicht erlaubt. Eine klassische touristische Ausstattung ist Pflicht», so Hefti.

Das bringt den Experten zum letzten Punkt: Dem strukturierten Beherbergungsprinzip. «Die Wohnung muss Teil eines hotelmässigen Konzepts sein mit Empfang, Reinigungsdienst, Restaurationsbetrieb. «Und das so, dass die Dienstleistungen von einer Mehrheit der Gäste in Anspruch genommen werden.»

Ist Gemeinde unabhängig genug?

Die Kontrolle der Wohnungen obliegt laut Regierungsantwort der Gemeinde. Diese muss «mittels Augenschein vor Ort, Recherchen über die Anpreisung der Wohnung oder beim strukturierten Beherbergungsbetrieb» die Rechtmässigkeit sicherstellen. Für Andreas Hofer das falsche Organ. «Für die Gemeinde ist dies schwierig. Sie ist zu nah bei den Leuten. Die Gemeinde hat ein Interesse daran, dass die Wohnungen ausgelastet sind. Kanton oder Bund wären bei der Beurteilung wohl unabhängiger.»

Überhaupt befürchtet Hofer, dass es bei der Mountain Lodge wohl trotz Verbot zu Zweitwohnungen kommen wird, da ein Verkauf der Wohnungen schwer werden dürfte. Die kleinste mit 2.5 Zimmern, kostet 280 000 Franken.

«Wer bezahlt so viel Geld für eine Wohnung, die er nur sechs Wochen im Jahr nutzen darf? Und das in einem Gebiet, das nicht schneesicher ist? Dieses Geschäftsmodell hat keine Chance», sagt Andreas Hofer.

«Die nicht verkauften Wohnungen werde dann wohl doch, obschon bundesrechtswidrig, als Zweitwohnung angeboten, anstatt diese zu versiegeln.

Hefti vom ARE relativiert dieses Szenario. «Die beschriebenen Wohnungen sind Zweitwohnungen, aber solche, die der Gesetzgeber zugelassen hat.» Die strengen Kriterien sollen garantieren, dass die Wohnungen gut ausgelastet sind. Erst wenn während zwei Jahren alles Mögliche versucht worden sei, um die Wohnungen touristisch zu bewirtschaften, könne ein Gesuch auf Sistierung der Nutzungsbeschränkung gestellt werden. «Die Wohnung darf dann befristet als Zweitwohnung genutzt werden. Wird diese durch einen Touristen gebucht, muss der Eigentümer aber sofort ausziehen.»

Sörenberg: Mountain-Lodge wird neu aufgelegt

Über 100 Ferienwohnungen sollen an bester Lage den Tourismus in Sörenberg ankurbeln. Der Gestaltungsplan wird nun in der Gemeinde Flühli zum zweiten Mal aufgelegt. Nach wie vor offen bleibt die Frage nach der Bewirtschaftung.
Urs-Ueli Schorno