Ausbau
Die Bergbahnen Sörenberg legen wegen Corona einen Marschhalt ein, die neue Pendelbahn verzögert sich

21 Millionen Franken wollen die Bergbahnen Sörenberg am Brienzer Rothorn investieren, den Löwenanteil in eine neue Luftseilbahn. Die Umsatzeinbussen wegen der Pandemie verschieben den Zeitplan nun aber um ein Jahr.

Roseline Troxler
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Die Tage der Luftseilbahn von Sörenberg auf das Brienzer Rothorn sind gezählt. Im Dezember soll die neue Bahn den Betrieb aufnehmen.

Die Tage der Luftseilbahn von Sörenberg auf das Brienzer Rothorn sind gezählt. Im Dezember soll die neue Bahn den Betrieb aufnehmen.

Bild: PD

Bereits diesen Frühling soll die Baubewilligung des Bundesamts für Verkehr für die neue Pendelbahn aufs Brienzer Rothorn eintreffen. Noch dieses Jahr hätten im Anschluss die Vorarbeiten für die neue Bahn auf den rund 2350 Meter hohen Berg beginnen sollen. Im Dezember 2022 – just auf die Wintersaison – hätte die neue Pendelbahn mit Platz für 80 Personen eröffnet werden sollen. Hätte. Denn die Coronapandemie durchkreuzt diesen Fahrplan.

Wie die Bergbahnen Sörenberg am Montag in einer Mitteilung schreiben, verzögert sich das Projekt «Rothorn Retrofit» um ein Jahr. Die neue Pendelbahn soll demnach im Dezember 2023 in Betrieb gehen. Verwaltungsratspräsident Theo Schnider erklärt auf Anfrage: «Wegen der schwachen Ertragslage müssen wir das Projekt verschieben. In einer Zeit, in welcher wir jeden Franken umdrehen müssen, ist es nicht klug, ein Projekt für 21 Millionen Franken in Angriff zu nehmen.» Die Liquidität, in dieser Jahreszeit normalerweise am höchsten, sei sehr angespannt. «Dank Überbrückungskrediten können wir unseren Verpflichtungen nachkommen. Die hohen Investitionen in den Ausbau wären aber nicht verantwortbar.» Mit Ausnahme von Kurzarbeitsentschädigungen konnten die Bergbahnen Sörenberg bisher nicht von Härtefallmassnahmen profitieren, heisst es in der Mitteilung. Vor einer Woche stellte der Kanton Luzern in Aussicht, dass rund eine halbe Million Franken als Nachtragskredit den Bergbahnen im Kanton Luzern zugutekommen soll. Mit dem Anteil des Bundes sollen gar 900'000 Franken als Hilfsgelder zur Verfügung stehen. Laut Theo Schnider sind die Gesuche gestellt, aber noch nicht beantwortet.

«Die Bürokratie ist eine Herausforderung. Entscheide dürfen wir deswegen nicht aufschieben.»

Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Zentralschweizer Kantonen

Der Verwaltungsrat der Bergbahnen Sörenberg AG rechnet für das Betriebsjahr 2020/2021 gegenüber dem Vorjahr mit einer Umsatzeinbusse von rund 50 Prozent respektive einem Verlust von zirka drei bis vier Millionen Franken. Die Betriebseinnahmen der Bergbahn belaufen sich laut Schnider auf jährlich rund 8 Millionen Franken, jene der Gastronomie auf zirka 5,5 Millionen. «Die Gastronomie macht also einen hohen Anteil an unserem Umsatz aus.» Obwohl die Bergbahnen seit 8. Februar wieder die ganze Woche geöffnet haben dürfen, sind die Restaurantterrassen weiterhin geschlossen und der Alkoholausschank verboten. «Das bedeutet für uns einen klaren Wettbewerbsnachteil gegenüber den nahen Kantonen wie Obwalden, Nidwalden, Schwyz und Uri.»

Die Skigebiete im Kanton Luzern litten ausserdem darunter, dass sie vom 22. Dezember bis am 8. Januar ganz geschlossen waren und nachher nur eine 4-Tage-Bewilligung vom Donnerstag bis Sonntag erhielten. «Auch in den letzten Tagen lag der Besucherandrang trotz Topverhältnissen unter den Erwartungen», sagt Theo Schnider und führt dies vor allem auf die «Gastro-Sonderlösung» von Luzern innerhalb der Zentralschweiz zurück. Dass der Kanton Luzern ein striktes Regime fuhr, zeige sich auch im Saisonmonitoring von Seilbahnen Schweiz, in welchem die Zentralschweiz am schlechtesten abschliesst (siehe Grafik).

Monitoring zum Umsatz der Seilbahnunternehmen in der laufenden Wintersaison

Saisonbeginn bis und mit Januar 2021
Veränderung gegenüber Vorjahr (in Prozent)
Zentralschweiz –40,9
Ostschweiz –39
Wallis –32,8
Graubünden –28,7
Berner Oberland –28,5
Tessin –22,4
Waadtländer und Freiburger Alpen –2

Mit hohen Einbussen, hauptsächlich in der Gastronomie, haben auch die Sportbahnen Marbachegg zu kämpfen, wie deren Präsident und Geschäftsführer Martin Knüsel sagt. Doch er führt aus: «Anders als die Bergbahnen Sörenberg erzielen wir unseren Hauptumsatz im Sommer. Daher treffen uns die Einschränkungen im Winter weniger hart.» Wie hoch die Umsatzeinbussen gegenüber dem Vorjahr sind, kann Knüsel noch nicht beziffern. «Von der Liquidität her kommen wir aber noch über die Runden.»

«Wir wollen uns nicht in der Opferrolle sehen»

Trotz ungleicher Spiesse im Vergleich zu anderen Kantonen betont Theo Schnider: «Wir wollen uns nicht in der Opferrolle sehen und an Ort treten.» Deshalb habe man analysiert, abgewogen und entschieden.

«Der Marschhalt im Projekt Rothorn ist nötig. Der Entscheid, und mag er noch so unbequem sein, bringt Klarheit und Perspektive.»

Abgesehen vom Zeitplan wollen die Bergbahnen am Ausbauprojekt keine Änderungen vornehmen. Nebst dem Ersatz der Bahn sollen die Berg- und Talstation saniert und das Gipfelrestaurant umgebaut werden. Ausserdem soll das Rothorn zur Erlebnisplattform für die Themen Nachhaltigkeit und Biosphäre werden und den Ganzjahrestourismus stärken. Nächstes Jahr planen die Bergbahnen, mit den Vorarbeiten an den Stützen der Seilbahn zu starten. Die Bahn soll aber unter eingeschränktem Betrieb weiterlaufen. Im April 2023 läuft die Konzession der alten Pendelbahn aus. Dann soll sie durch die neue Bahn ersetzt werden. Zwar könnten die Bergbahnen Sörenberg laut Theo Schnider eine Verlängerung der Konzession beantragen. «Doch das ist kostspielig und soll vermieden werden.»

Aktienkapitalerhöhung vor dem Sommer geplant

Das Bauprojekt soll durch Eigenmittel, ein NRP-Darlehen des Kantons, durch Bankdarlehen und mittels Leasing finanziert werden. Um über genügend Liquidität zu verfügen, planten die Bergbahnen Sörenberg bereits letzten Sommer eine Aktienkapitalerhöhung. Die Erhöhung im Umfang von drei Millionen Franken soll noch vor dem Sommer an der Generalversammlung beschlossen werden. «Nicht zuletzt dafür brauchen wir die Baubewilligung als klares, positives Signal für das Ausbauprojekt», unterstreicht Theo Schnider.

Mit Blick auf die noch laufende Saison hofft der Verwaltungsratspräsident nun auf weitere Lockerungen der Coronamassnahmen und auf gutes Wetter. «Der Winter war dieses Jahr so gut wie schon lange nicht mehr. Deshalb haben uns die Einschränkungen besonders wehgetan.»