Kanton Luzern

Sörenberg muss weiter auf Öffnung des Skigebiets warten – runder Tisch soll Klarheit bringen

Öffnen die Lifte vor dem 8. Januar? Der Luzerner Regierungsrat und die Skigebietsbetreiber sind im Gespräch. Vorläufig ist in Sörenberg aber weiterhin nichts mit Skifahren und Snowboarden.

René Meier
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Die Lifte im Skigebiet Sörenberg, hier der Doppelskilift bei der Rossweid, stehen still.

Die Lifte im Skigebiet Sörenberg, hier der Doppelskilift bei der Rossweid, stehen still.

Bild: Dominik Wunderli (Sörenberg, 22. Dezember 2012)

Dürfen die Skigebiete im Kanton Luzern ihren Betrieb am 2. Januar aufnehmen oder müssen sie bis mindestens am 8. Januar warten oder gar noch länger? Diese Frage stellen sich wintersportbegeisterte Luzernerinnen und Luzerner in diesen Tagen, nachdem die Sörenberg-Bergbahnen am Donnerstag im Namen aller Wintersportunternehmen ein Wiedererwägungsgesuch an die Kantonsregierung gestellt hatten. Die Entlebucher Bergbahnen stellten den Antrag, die Skigebiete im Kanton Luzern sofort respektive spätestens am 2. Januar zu öffnen, nachdem die Schwyzer Regierung am Donnerstag bekanntgab, dass ihre Skigebiete am 2. Januar wieder öffnen dürfen, notabene, nachdem die Skigebiete interveniert haben.

Das sind die vorgeschlagenen Einschränkungen

Die Bergbahnen Sörenberg stellen folgende Einschränkungen in Aussicht, sollten sie die Lifte früher öffnen dürfen: 

– Kapazitätsbeschränkung auf zwei Drittel der Spitzentage, das heisst, maximal 5500 Gäste im Gebiet

– Kein Alkoholausschank im Skigebiet

– Schliessung der Freestyle-Line, um das Unfallpotenzial zu reduzieren

– Schliessung des Skigebiets Rothorn bis auf weiteres, um die Unfallgefahr zu reduzieren

– Unfallpräventionskampagne, um das Unfallpotenzial zu reduzieren

– Geordneter Betrieb statt unkontrollierte Menschenansammlungen auf Pisten und im freien Tourengelände

Die Ausgangslage für die Luzerner Regierung präsentiert sich heikel. Sollte sie dem Druck der Skigebiete nachgeben und diese öffnen? Oder den Spitälern Gehör schenken und bei der bisherigen Linie bleiben, die Lifte also frühestens am 8. Januar wieder in Betrieb nehmen?

Theo Schnider

Theo Schnider

Bild: PD

Theo Schnider, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Sörenberg, sagt auf Anfrage, dass er mit dem Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf wegen des Gesuchs, das er an Silvester eingereicht habe, in Kontakt sei. Zu einer Lösung des Skistreits ist es indes noch nicht gekommen. Ob es zu einem Kompromiss kommt und die Skigebiete allenfalls doch früher öffnen können, ist unklar. Es soll nun Anfang Woche – die Rede ist von Montagnachmittag – zu einem runden Tisch kommen. Das heisst: Auch am Wochenende bleibt das Skigebiet Sörenberg geschlossen. Luzern ist der einzige Kanton in der Zentralschweiz, in welchem Skifahren unmöglich ist. «2500 Gäste sind derzeit in Sörenberg. Das Entlebuch als Zentralschweizer Insellösung ist für mich völlig unverständlich und unhaltbar», so Schnider. Er habe viele verärgerte und enttäuschte Gästereaktionen erhalten. Schnider sagt, dass ein optimales Festtagsgeschäft in Sörenberg nahezu einen Drittel des ganzen Winterumsatzes ausmache. Doch das ist nun abgehakt. Er und die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter warten sehnlichst auf ihre Arbeit. Schnider sagt:

«Wir möchten endlich Planungssicherheit erhalten. Und man darf den Wintersport im Kanton Luzern nicht isoliert vom Bild Zentralschweiz betrachten. Hier braucht es gegenseitig endlich einen Blick über den Tellerrand hinaus.»

Bettenauslastung in den Spitäler als Knackpunkt

Knackpunkt zwischen der Regierung und den Skigebietsbetreibern ist die Bettenauslastung im Luzerner Kantonsspital. Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) beträgt diese derzeit 66 Prozent. Von den total 1071 Betten sind 12 Prozent durch Covid-19-Patienten besetzt, 54 Prozent durch Nicht-Covid-19-Patienten. 368 Betten oder 34 Prozent der Betten sind derzeit leer. Auf der Intensivstation in den Spitäler beträgt die Auslastung 68 Prozent. Von den 56 Betten sind 41 Prozent (23) durch Covid-19-Patienten besetzt, 27 Prozent (15) durch Nicht-Covid-19-Patienten. 18 Betten sind Stand 30. Dezember frei.

Für den Kanton Luzern ist klar, dass es zu den hohen Coronafallzahlen keine Skiunfälle leiden mag. Das BAG meldete für den Kanton Luzern an Silvester 311 Neuinfektionen mit dem Coronavirus, am Mittwoch waren es 269, am Dienstag 255. Luzerns Regierungspräsident Reto Wyss sagte am Freitag gegenüber Radio Pilatus und Tele 1, dass sich die Situation im Kanton Luzern nicht mit der anderer Zentralschweizer Kantone vergleichen lasse. Wyss: «Wir sind bezüglich den Zahlen nicht gut unterwegs. Auf 100'000 Einwohner hat der Kanton Luzern doppelt so viele Corona-Infizierte wie etwa der Kanton Obwalden.» Die Situation in Luzern sei nicht sehr gut. Schnider: «Seien wir ehrlich, das Ausüben eines Wintersportes im Freien ist bestimmt kein grösserer Pandemietreiber als ein Shoppingerlebnis in einem Center. Die Leute bleiben nicht zu Hause und pflegen ihre Ski im Keller, sie bewegen sich einfach in die umliegenden Sportorte, wo wiederum die Schutzkonzepte unnötig strapaziert werden. Wir haben hier die Realität verloren.»

Schnider sagt, dass schwerere Skiunfälle nach wie vor nach Luzern gehen und der gleiche Kanton dazu auch noch den wirtschaftlichen Schaden durch ihre unverständliche Insellösungsstrategie trage. Hinzu komme die relativ bescheidene Anzahl Skiunfälle aus dem Entlebuch, die ein Spital nicht an die Grenzen führe. Pro Wintersaison kommt es aus Sörenberg zu etwa 25 Hospitalisierungen von Personen mit mittelschweren oder schweren Verletzungen.

Video: Tele 1

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