SÖRENBERG: Tourismusbüro darf keine Medikamente verkaufen

Das Tourismusbüro Sörenberg hat rezeptfreie Medikamente verkauft. Dies verbietet der Kanton nun, denn der Verkauf ist illegal.

Roseline Troxler Roseline Troxler
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Das Tourismusbüro Sörenberg darf keine Medikamente verkaufen. (Symbolbild Neue LZ)

Das Tourismusbüro Sörenberg darf keine Medikamente verkaufen. (Symbolbild Neue LZ)

Um Schmerzmittel wie Dafalgan, Aspirin oder Voltaren zu kaufen, müssen die Einwohner von Sörenberg nun wieder zum Arzt in den acht Kilometer entfernten Dorfteil Flühli reisen. Bisher konnten Einheimische und Touristen rezeptfreie Medikamente im Tourismusbüro Sörenberg beziehen. Dies ist allerdings illegal. Als die Dienststelle Gesundheit vom Kanton Luzern einen Hinweis zum Verkauf solcher Medikamente im Tourismusbüro Sörenberg bekam, hat sie den dortigen Verkauf der rezeptfreien Arzneimittel untersagt.

Verkauf war im Winter sehr beliebt

Carolina Rüegg, Tourismusdirektorin von Sörenberg Flühli Tourismus, bedauert den Entscheid. Das Tourismusbüro Sörenberg startete vor rund neun Monaten mit dem Verkauf von Medikamenten und sieht dies als wichtige Dienstleistung für die Touristen. «Der Medikamentenverkauf war vor allem im Winter sehr beliebt.» Sörenberger wie auch Touristen seien froh gewesen, dass sie für den Kauf von Arzneimitteln bei den teils gefährlichen Strassenverhältnissen nicht zum Arzt nach Flühli oder zu einer weiter entfernt gelegenen Apotheke oder Drogerie, etwa in Schüpfheim oder Escholzmatt, fahren mussten.

Touristen vorwarnen

Der Luzerner Kantonsapotheker Stephan Luterbacher sieht dies anders: «Bei den rezeptfreien Arzneimitteln handelt es sich nicht um Notfallmittel, sondern um Medikamente, die in jeder Hausapotheke vorrätig sind.» Einheimische würden die Situation kennen und ihre Hausapotheke mit den gewünschten Artikeln ausstatten; Touristen seien vor der Anreise zu sensibilisieren. Die Heilmittelversorgung sei in Sörenberg auch ohne eine Abgabestelle für rezeptfrei verkäufliche Arzneimittel sichergestellt.

Die Arzneimittel, welche in Sörenberg verkauft wurden, fallen unter die Abgabekategorie D. Diese Medikamente dürfen nur unter Aufsicht und Kontrolle einer abgabeberechtigten Person und einer Fachberatung erfolgen. Zu den abgabeberechtigten Personen gehören Apotheker, Ärzte und Drogisten HF (Höhere Fachschule).

«Wir wussten nicht, dass die Abgabe der rezeptfreien Medikamente nicht erlaubt ist», erklärt Carolina Rüegg. Es gibt im Kanton Luzern keine statistischen Daten, wie oft Medikamente illegal verkauft werden. Laut Kantonsapotheker Stephan Luterbacher kommt dies aber selten vor. Bis 2010 waren Arzneimitteldepots, etwa in Lebensmittelgeschäften, mit spezieller Bewilligung möglich. Sie wurden durch die Revision des Heilmittelgesetzes auf Bundesebene aufgehoben – so auch das Arzneimitteldepot im Volg Sörenberg. «Als Reaktion darauf versuchte das Tourismusbüro Sörenberg eine Nachfolgelösung zu finden, die in dieser Form leider nicht bewilligt werden kann», erklärt Kantonsapotheker Luterbacher. Möchte das Tourismusbüro den Medikamentenverkauf weiterführen, müsste es eine qualifizierte Person anstellen und eine Bewilligung zum Führen einer Apotheke oder Drogerie beantragen. Eine andere Lösung wäre die Ansiedlung einer Arztpraxis, wie der Kantonsapotheker erklärt. Ohne Bewilligung kann das Tourismusbüro Medizinprodukte, Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel der Abgabekategorie E verkaufen. Darunter fallen etwa Hustenbonbons. Bei dieser Kategorie braucht es keine Fachberatung. Die Artikel der Kategorie E können im Detailhandel angeboten werden.

Hoffnung auf Bundeslösung

Der Bund prüft mit der Revision des Heilmittelgesetzes, ob es Arzneimittel gibt, welche man in die Abgabekategorie E umteilen kann. «Damit würde sich das frei verfügbare Sortiment noch mehr vergrössern», sagt Luterbacher. Im Kanton Luzern gibt es insgesamt 17 Gemeinden ohne Hausarztpraxis, Drogerie oder Apotheke.