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SÖRENBERG: Walliser empört das Entlebuch

Die Direktion der Bergbahnen ist unverhofft wieder vakant. Trotz Verdruss bläst der Verwaltungsrat nun nicht Trübsal – auch dank eines Altbekannten.
Evelyne Fischer
Stillstand herrscht in der Besetzung des Postens eines Direktors für die Bergbahnen Sörenberg. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Stillstand herrscht in der Besetzung des Postens eines Direktors für die Bergbahnen Sörenberg. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Evelyne Fischer

Dieses Telefonat kostete Fredy Portmann eine ruhige Nacht: Diesen Dienstagabend hatte der Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Sörenberg AG den Walliser Urs Zenhäusern am Apparat – designierter Bergbahnen-Direktor. Am 1. August hätte Zenhäusern den Posten antreten sollen. Daraus werde nichts, erklärte dieser. «Aus familiären Gründen» kehre er ins Wallis zurück. Tags darauf wurde bekannt: Zenhäusern wird Chef des Dachverbands des öffentlichen Dienstes des Kantons Wallis. Ab August steht er an der Spitze von zwölf Berufsverbänden mit 9500 Mitgliedern – darunter mehrheitlich Lehrpersonen, aber auch Polizisten und Kantonsangestellte (Ausgabe von gestern).

Der Rückzieher empört: «Zenhäuserns Verhalten hat mich wahnsinnig enttäuscht», sagt Verwaltungsratspräsident Fredy Portmann auf Anfrage. Im Februar erhielt er Zenhäuserns Bewerbung. Im März erschien dieser zum ersten Gespräch, im April zu einem weiteren. «In all diesen Monaten verlor er nie auch nur ein Wort darüber, noch andere Stellen in Aussicht zu haben», sagt Portmann. Am 26. Mai reiste er für die Vertragsunterzeichnung persönlich ins Wallis. «Als wir Ende Mai seine Verpflichtung kommunizierten, besassen wir seine Zusage schwarz auf weiss.» Was Portmann am meisten ärgert: Selbst in der schriftlichen Kündigung vom Mittwoch war nur von einer «neuen beruflichen Herausforderung» die Rede. «Seine Anstellung beim Kanton Wallis verschwieg er weiterhin», sagt Portmann. «Das Verhalten dieses Kadermanns ist schlicht unerhört.»

Wunschkandidat springt ab

Auf der Suche nach einem neuen Bergbahnen-Direktor hatte sich der 50-jährige Zenhäusern gegen 130 Mitbewerber durchgesetzt. In Sachen Tourismus ist er kein unbeschriebenes Blatt: Von 2000 bis 2013 war er Direktor von Wallis Tourismus. Als damals die Spitze des Schweizer Tourismus-Verbands neu zu besetzen war, wurde auch sein Name ins Spiel gebracht. Zenhäusern entschied sich aber für eine Stelle im Versicherungswesen, die er bis heute inne hat. «Zenhäusern war unser Wunschkandidat», sagt Portmann. «Er kennt die Tourismus-Branche wie kein Zweiter.» Seine breite Vernetzung wollten sich die Entlebucher insbesondere im Zusammenhang mit dem Ausbau der Skigebiete Sörenberg und Rot­ horn – einem 35-Millionen-Franken-Projekt – zunutze machen. «Hierfür ist ein Marketing- und Kommunikationsprofi gefragt.»

Mit dem unverhofften Absprung Zenhäuserns beginnt die Suche nach einem neuen Direktor von vorn. «Wir werden das Problem nicht vor uns herschieben», sagt Portmann. Der Kreis bisheriger Interessenten werde nun nochmals nach möglichen Kandidaten durchforstet. Bis im August sei der Posten allerdings kaum zu besetzen. «Es ist für uns daher ein Glücksfall, dass wir den abtretenden Bergbahnen-Direktor Karl Lustenberger weiterhin an Bord haben», sagt Portmann. Bis ein Nachfolger gefunden sei, springe Lustenberger in die Bresche.

Kündigung «grundsätzlich zulässig»

Das unschöne Zwischenspiel mit Zenhäusern ist für den Verwaltungsrat noch nicht ad acta gelegt: «Wir werden rechtliche Schritte prüfen», sagt Fredy Portmann. Juristisch gesehen sei das Vorgehen des Wallisers jedoch «grundsätzlich zulässig», so Gabriela Riemer-Kafka, Professorin für Sozialversicherungs- und Arbeitsrecht an der Universität Luzern. «Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können einen Vertrag vor Stellenantritt kündigen oder, etwas eleganter, ihn im gegenseitigen Einvernehmen auflösen.» Im vorliegenden Fall könne die Bergbahnen Sörenberg AG aber eine Entschädigung in der Höhe eines Viertels eines Monatslohnes einfordern. Auch für weitere Schäden, die der Arbeitgeber nachweisen kann – etwa Auslagen für die erneute Personalrekrutierung – lasse sich eine Abgeltung verlangen. Für Portmann ein schwacher Trost: «Selbst wenn die Kündigung rechtens war: So etwas gehört sich einfach nicht. Ich hoffe schwer, dass dieses Beispiel in der Wirtschaft nicht Schule macht.»

Urs Zenhäusern war auch gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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