Sohn der Verstorbenen betrieb Anbau im grossen Stil

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Fall Malters Hat die Luzerner Polizei am 9. März 2016 rechtlich korrekt gehandelt? Diese Frage ist im Fall Malters zentral, spätestens seitdem der ausserordentliche Aargauer Staatsanwalt Christoph Rüedi vergangene Woche Anklage gegen den Luzerner Polizeikommandanten Adi Achermann und seinen Kripo-Chef Daniel Bussmann eingereicht hat (Ausgabe vom 11. Januar). Unabhängig davon, wie das Bezirksgericht Kriens und möglicherweise auch weitere Instanzen den Vorwurf der fahrlässigen Tötung beurteilen werden, erhalten die beiden Polizeikader, die damals den Einsatz geleitet haben, von der Bevölkerung Rücken­deckung. Das zeigen auch Leserbriefe und Zuschriften an unsere Redaktion.

Dabei tauchen immer wieder die gleichen Fragen auf: Wie kommt es, dass der Sohn als Vormund der Frau wegen Betäubungsmitteldelikten in Zürich in Untersuchungshaft sitzt? Warum liess er seine psychisch kranke Mutter mit mehreren Schusswaffen in der Wohnung? Wie kann es sein, dass der mutmass­liche Täter sich durch die Anzeige gegen die Polizeikader als Opfer darstellt? Wie lange hätte die Einsatzleiter der Luzerner Polizei mit dem Zugriff warten sollen, nachdem die 65-Jährige bereits Schüsse abgegeben hat?

Plantagen werden mit Gewalt verteidigt

Fest steht, dass sich Polizisten in der ganzen Schweiz auf Waffengewalt einstellen müssen, wenn sie eine Indoor-Hanf­anlage ausheben (siehe Haupttext). ­Aktuellstes Beispiel ist der Vorfall in ­Rehetobel AR vom 3. Januar, bei dem der mutmassliche Anlagenbetreiber zwei Polizisten verletzt hat, einen von ihnen lebensgefährlich. Inzwischen befinden sich beide Polizisten auf dem Weg zur Besserung.

Zurück zum Fall Malters. Was Informationen über den Sohn betrifft, halten sich Behörden und Anwälte zurück. Der «Blick» machte publik, dass der 46-jährige Daniel O.* aus dem Zürcher Limmattal stammt und als Squash-Spieler mehrere Preise gewonnen hat. Wie ­Recherchen unserer Zeitung ergeben ­haben, hielt er sich vordergründig mit einem von ihm gegründeten und geführten Kurierdienst über Wasser. Dazu zählen weitere Firmengründungen und -beteiligungen in der Kleidungs- und Logistikbranche.

Zum Zeitpunkt der Polizeiaktion in Malters vom 8. und 9. März 2016 sass er im Kanton Zürich in U-Haft. Ob er noch immer inhaftiert ist, sagt die zuständige Zürcher Staatsanwaltschaft aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht. Aber: «Das Verfahren gegen ihn ist immer noch pendent», erklärt Sprecherin Corinne Bouvard. Ermittelt wird wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz. Daniel O. wurde Anfang März 2016 verhaftet. Die Polizei ist gemäss Zeugenaussagen an zwei Orten auftaucht: Beim Kurierdienstgeschäft und an einem Ort im Kanton Aargau. Zumindest beim Geschäft sind Polizisten beobachtet worden, die Teile einer Hanfplantage hinaustrugen. Spätestens ab jenem Zeitpunkt ahnten die Zürcher Ermittler, dass Daniel O. an weiteren Standorten Hanfanlagen betreibt. Es ging und geht also noch immer um Hanfanbau im ­grossen Stil. Dabei geriet nicht nur Daniel O. ins Fadenkreuz der Ermittler, sondern gleich mehrere Personen, wie der zuständige Zürcher Staatsanwalt Daniel Eberle an der Medienkonferenz nach dem Einsatz verriet (Ausgabe vom 10. März 2016).

Aufgrund eines Hinweises ersuchte die Zürcher Staatsanwaltschaft die ­Luzerner Polizei um Amtshilfe. Auf die Mutter stiess die Polizei in Malters wohl unvorbereitet. Die 65-jährige Frau, die an paranoider Schizophrenie litt, bedrohte die Polizisten, drohte damit, sich das Leben zu nehmen und schoss auch aus einem Fenster, worauf sich die Einsatzkräfte zurückzogen und 17 Stunden mit ihr verhandelten. Obwohl der Psychologe davon abriet, entschloss man sich zum Zugriff. Zeitgleich mit einem Ablenkungsmanöver ausserhalb des Hauses öffneten Polizisten der Sondereinheit «Luchs» die Wohnungstür gewaltsam und schickten einen Interventionshund ins Innere, um die Frau zu fixieren. Dieser kehrte aber gemäss Recherchen der «Rundschau» zweimal erfolglos zurück. Dann erschoss die Frau mit einem Revolver ihre Katze und sich selbst.

Die Frau wohnte gemäss Aussagen von Nachbarn erst seit kurzem dort. Ihr Sohn Daniel hatte die Wohnung gemietet. Die Hanfanlage befand sich gemäss Polizei in der oberen Etage der zweistöckigen Wohnung. Neben dem Revolver wurden noch weitere Waffen gefunden. Zumindest der Revolver hat Daniel O. gehört.

* Name der Redaktion bekannt

 

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch