Die Kraft der Sonne wird in den Luzerner Gemeinden wenig genutzt

Die Luzerner verwenden nicht einmal 5 Prozent des Potenzials der Solarenergie. Die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind immens.

Roseline Troxler
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Eine Fotovoltaik-Anlage beim Oberstufenschulhaus in Schüpfheim wird montiert. (Bild: Dominik Wunderli, Schüpfheim, 19. Dezember 2014)

Eine Fotovoltaik-Anlage beim Oberstufenschulhaus in Schüpfheim wird montiert. (Bild: Dominik Wunderli, Schüpfheim, 19. Dezember 2014)

Wer ihr in diesen Tagen nur schon wenige Minuten ausgesetzt ist, spürt die immense Kraft der Sonne. Dass die Sonnenenergie zur Gewinnung von elektrischer Energie verwendet werden kann, wurde bereits um 1840 entdeckt. Seither nutzt eine wachsende Zahl von Hausbesitzern die Kraft der Sonne.

Eine Analyse von Swiss Energy Planning, die im Auftrag von WWF Schweiz erstellt wurde, zeigt allerdings: Es wird erst ein Bruchteil des Potenzials der Sonnenenergie verwendet – kantonsweit sind es 4,68 Prozent. Schweizweit ist der Schnitt mit rund drei Prozent gar noch tiefer (wir berichteten). Myriam Planzer, Projektleiterin Energiewende beim WWF Schweiz, sagt: «Unser Ziel war, eine Standortbestimmung zu machen, um aufzuzeigen, dass eine Lösung für die Klimakrise auch auf unseren Dächern schlummert.» Die Auswertung vergleicht das Potenzial auf gut geeigneten Schweizer Dächern mit der effektiven Ausnutzung.

Gemeinden schöpfen 1 bis 16 Prozent aus

Ein Blick auf die Gemeinden des Kantons Luzern bringt erhebliche Unterschiede zwischen den Kommunen zum Vorschein. Spitzenreiter beim Nutzen des Potenzials der Solarenergie im Kanton Luzern ist Mauensee mit knapp 15,8 Prozent, gefolgt von Altbüron (12,7 Prozent) und Altishofen (11,2 Prozent). In der Mitteilung von WWF Schweiz wurde Triengen als Gemeinde auf Platz 1 gelistet. Werden die Daten genauer angeschaut, zeigt sich allerdings, dass es sich hier nur um den Ortsteil Wilihof handelt. Werden alle Ortsteile der Gemeinde berücksichtigt, liegt Triengen auf Rang 31. Denn für die hier publizierte Auswertung wurden Orte mit mehreren Postleitzahlen zusammengefasst.

Der Mauenseer Gemeinderat Michael Gisler (FDP) freut sich über den Spitzenplatz. «Wir sind stolz auf das Resultat. Mauensee ist seit 2015 eine Energiestadt. Dass die Aktivitäten der Gemeinde bereits nach so kurzer Zeit belohnt werden, hinterlässt ein gutes Gefühl.» Im Vordergrund stehe aber, dass man auch als kleine Gemeinde einen Beitrag zur Energiewende leisten könne. Zahlreiche Faktoren hätten zum Resultat geführt. Gisler sieht die engagierte Umwelt- und Energiekommission, die gute Information und Kommunikation bei diesem Thema und das kommunale Förderprogramm als Gründe. Private Anlagen werden mit bis zu 2000 Franken unterstützt. Gisler beobachtet eine sich verstärkende Dynamik – gerade in den Einfamilienhausquartieren. Gisler erklärt:

«Sobald zwei, drei Hausdächer mit einer Solaranlage ausgerüstet waren, kam Bewegung ins Quartier.»

Auf der anderen Seite der Skala liegt Dierikon, wo erst 0,98 Prozent der Sonnenenergie genutzt wird. Gemeindepräsident Max Hess (CVP) räumt auf Anfrage ein, «dass die Grundeigentümer in Dierikon das Potenzial zu wenig gut ausschöpfen». Er betont allerdings, dass sich in den letzten Monaten viel getan hätte und ergänzt: «Die Zahlen, auf welche die Analyse aufbaut, sind nicht ganz aktuell. So sind gewisse Nachträge nicht gemacht worden.» Hess ist allerdings zuversichtlich. Er erwartet künftig eine bessere Ausschöpfung des Potenzials, zumal viele Hausbesitzer und Firmen kürzlich aufgerüstet hätten oder Anlagen bald in Betrieb nehmen würden. Ausserdem hat die Gemeinde vor kurzem eine Infoveranstaltung zum Thema Solarenergie durchgeführt. «Rund vierzig Grundeigentümer haben teilgenommen. Diese Zahl stimmt mich positiv.» Nebst Dierikon weisen auch Root und Flühli tiefe Werte auf.

«Luzern verfügt über höhere Werte als Nachbarn»

Jules Gut, Teamleiter Energie der kantonalen Dienststelle Umwelt und Energie, sagt zur Auswertung: «Generell lässt sich festhalten, dass der Kanton Luzern zwar tiefe Werte hat, jedoch verglichen mit den umliegenden Kantonen über höhere Werte verfügt.» Die Sensibilität der Bevölkerung habe in den letzten Jahren stetig zugenommen. Und: Wer heute eine Solaranlage plane, müsse die entsprechende Richtlinie des Kantons einhalten und dies vorgängig melden, aber in der Regel kein Baubewilligungsverfahren durchführen. «Zudem wurden Rahmenbedingungen geschaffen, um einen Teil des Stroms selbst zu verbrauchen, was wirtschaftlich interessanter ist als die Einspeisung ins Netz», führt Jules Gut aus.

Der Energieexperte ortet mögliche Gründe für die doch beträchtlichen Unterschiede zwischen den Gemeinden. «Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass heutzutage bei Neubauten Fotovoltaik-Anlagen Standard sind. Das Nachrüsten bei bestehenden Bauten harzt hingegen trotz kostenorientierter Einspeisevergütung noch immer.» Diese Tatsache erschwere die Vergleichbarkeit zwischen den Gemeinden. «Während in Dierikon grosse, bestehende Gewerbebauten in der Überzahl sind, macht das Neubauquartier Chotten in der Gemeinde Mauensee einen signifikanten Anteil am Gebäudebestand der Gemeinde aus.» Dies führe zum hohen Anteil in Mauensee. Denn:

«Je mehr Neubauten eine Gemeinde aufweist, desto höher ist der Anteil der genutzten Solarenergie.»

Seit Januar 2019 ist im Kanton Luzern das neue Energiegesetz in Kraft. Es schaffte die Grundlage zur Förderung der Solarenergie. «Jeder Neubau muss nun einen Teil des benötigten Stroms selbst erzeugen, was in den meisten Fällen mit einer Fotovoltaik-Anlage realisiert wird», erklärt Jules Gut. Das Energiegesetz beinhaltet auch die Vorgabe, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch auf dem Kantonsgebiet bis 2030 auf 30 Prozent erhöht werden muss.

Nebst weiteren Massnahmen sucht der Kanton an Messen den Kontakt zu Bevölkerung oder bietet Eigenheimbesitzern mit dem Solarpotenzialkataster die Möglichkeit, das Potenzial seines Hauses zur Nutzung von Solarenergie online abzurufen, wie Gut ausführt.

An der Klimasession vom 24. Juni 2019 hat der Kantonsrat ausserdem ein Postulat erheblich erklärt, welches verlangt, dass sämtliche öffentliche Bauten auf die Eignung für Solaranlagen überprüft werden. Eine Motion fordert weiter die Schaffung gesetzlicher Grundlagen für Massnahmen, damit mehr grosse Solaranlagen von über 150 Quadratmetern gebaut werden. Das Kantonsparlament hat die Motion als Postulat teilweise erheblich erklärt.

Reduktion der Förderbeiträge als möglicher Grund

Auch die CKW (Centralschweizerische Kraftwerke AG) würde es begrüssen, wenn noch stärker auf die Kraft der Sonne gesetzt würde, wie Marcel Schmid, Leiter Unternehmenskommunikation, sagt. Er ergänzt:

«Eine vermehrte Nutzung der Solarenergie, insbesondere für den Eigenbedarf, macht Sinn.»

Schmid sieht die Reduktion der Förderbeiträge, die teils fehlende Eignung eines Dachs aufgrund der Ausrichtung oder des Alters und den hohen Investitionsbedarf als Gründe für die bisherige Zurückhaltung. Die hohen Investitionen würden sich aber dank der langen Lebensdauer einer Solaranlage meistens auszahlen.

Wie der Kanton haben sich auch die CKW die Sensibilisierung der Bevölkerung auf die Fahne geschrieben. «Wir haben vor kurzem die erste mobile ‹Solarbar› der Schweiz realisiert. Mit dieser fahren wir im August und September in unser Versorgungsgebiet und laden die Bevölkerung zu einem Getränk und zum ungezwungenen Kennenlernen der Solarenergie ein.» Als weiteres Beispiel der Aktivitäten der CKW nennt Schmid das Unterstützungsprogramm «Solarstrom macht Schule». Damit sei der Bau von Solaranlagen auf Schulhäuser unterstützt worden. Ausserdem haben die CKW auf öffentlichen Gebäuden Solaranlagen installiert, wovon einzelne Panels zum Kauf angeboten werden – etwa für Mieter, welche nicht über ein eigenes Hausdach verfügen.