SOLARENERGIE: Solarkataster: Kanton wartet zu

Die Stadt Zug hat neu eine Solarkarte. In Luzern hingegen zögert man immer noch. Neue Daten sollen die Kosten für die Umsetzung massiv senken.

Roseline Troxler
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So sieht der Solarkataster der Stadt Zug aus: Die rot eingefärbten Dächer sind für Solaranlagen besonders geeignet. (Bild: PD)

So sieht der Solarkataster der Stadt Zug aus: Die rot eingefärbten Dächer sind für Solaranlagen besonders geeignet. (Bild: PD)

Ist das Dach meines Hauses für eine Solaranlage geeignet? Dies kann mithilfe eines Solarkatasters ermittelt werden. Dieser analysiert die Eignung der Dächer für eine thermische oder fotovoltaische Solaranlage. Im Gegensatz zur Stadt Zug warten Stadt und Kanton Luzern mit einem Solarkataster noch zu.

In der Stadt Zug können Hauseigentümer seit Ende Februar im Internet abklären, ob sich das Dach ihres Gebäudes für eine Solaranlage eignet. Im Internet ist eine Karte aufgeschaltet, auf der die geeigneten Dächer rot, ungeeignete Flächen blau eingefärbt sind. Die Zwischenstufe ist gelb gekennzeichnet. Zudem ist auf der Karte das Potenzial für die Stromproduktion in Kilowattstunden ersichtlich.

Projekt für Kanton ohne Priorität

Im Kanton Luzern ist momentan kein Solarkataster geplant. Beat Marty, stellvertretender Leiter der kantonalen Dienststelle Umwelt und Energie, sagt: «Diese Investition behandeln wir nicht mit Priorität.» Zurzeit sei eine Einführung des Solarkatasters aus finanziellen Gründen nicht vernünftig.

Bereits im Januar 2010 gelangte Kantonsrat Josef Langenegger (FDP, Malters) mit einem Postulat über die Erstellung eines Solarkatasters für den Kanton Luzern an den Regierungsrat. Dieser erklärte das Postulat zwar als erheblich, wollte das Projekt jedoch noch nicht umsetzen – aus Kostengründen. In der Begründung vom Juni 2010 heisst es, dass eine flächendeckende Erstellung eines Solarkatasters für den Kanton Luzern gemäss den heutigen Datengrundlagen mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Die Rede ist von mehreren hunderttausend Franken. Genauere Angaben kann die Dienststelle Umwelt und Energie nicht machen.

Beat Marty nennt einen weiteren Grund für die geringe Priorität: «Aus unserer Sicht hängt die Installation von Solaranlagen nur bedingt von einem Kataster ab.» Momentan gebe es viele Personen, welche eine Solaranlage installieren möchten. Der Grund, weshalb nicht mehr Solaranlagen installiert werden, liege eher bei der Warteliste der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Das Instrument des Bundes deckt die Differenz zwischen Produktionskosten und Marktpreis. Es garantiert den Produzenten von erneuerbarem Strom einen Einspeisepreis, der den Produktionskosten entspricht.

Erneute Prüfung mit neuen Daten

Der Kanton Luzern erachtet den Solarkataster grundsätzlich als tolles Kommunikationsinstrument. So will er die Einführung laut Beat Marty erneut prüfen, wenn präzisere, dreidimensionale Gebäudedaten von Swisstopo, dem Bundesamt für Landestopografie, verfügbar sind. Denn durch die neuen Daten würde die Einführung eines Solarkatasters für den Kanton Luzern günstiger. Wie viel genau dies dann kosten würde, kann Marty noch nicht sagen. Wann die Daten vorliegen werden, ist ebenfalls noch unklar. Der Regierungsrat rechnet in seiner Begründung vom Juni 2010 damit, dass die Daten frühestens 2014 vorliegen. Dann sollte ein Kataster mit weniger Aufwand umsetzbar sein. Die Swisstopo kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Termin angeben. Es gibt bereits Modelle mit dreidimensionalen Daten der Häuser – dort fehlt aber die Dachform. Ein Modell, welches die Daten inklusive Dachform liefert, befindet sich laut der Swisstopo zurzeit in Planung. Auch die Stadt Luzern prüft die Einführung eines Solarkatasters. Der Stadtrat hat ein entsprechendes Postulat von Andreas Wüest im Mai 2012 entgegengenommen.

«Das Telefon läuft heiss»

Die Stadt Zug benutzte für ihr Kataster Daten des kantonalen Kompetenzzentrums für Geoinformationen (GIS-Fachstelle). Durch den Kataster sollen Bauherren und Hausbesitzer ermuntert werden, stärker in Solarenergie zu investieren. Laut der Stadt Zug würden 25 Prozent des städtischen Stromverbrauchs gedeckt, wenn alle geeigneten Dachflächen mit Solarzellen versehen würden. «Seit der Aufschaltung läuft das Telefon heiss», sagt Stadtökologe Walter Fassbind, der das Kataster betreut. Zuger, welche entdeckt haben, dass ihr Dach für eine Solaranlage geeignet wäre, würden sich sehr interessiert zeigen. Der Solarkataster für die 3500 Dächer kostete die Stadt Zug gut 20 000 Franken. «Die Oberflächenmodelle für die Stadt Zug waren bereits vorhanden. Wir beauftragten daher die Firma Meteotest, das Modell rechnen zu lassen», sagt Fassbind. So wurden aus Dachneigung, Höhen und Ausrichtung die Potenziale berechnet und mit Unterstützung der GIS-Fachstelle online gestellt.