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SOLARPREIS: Die Umwelt freuts, wenn dieser Bagger angerollt kommt

Ein Bagger aus dem Luzerner Hinterland könnte eine ganze Branche revolutionieren. Die Kraft dazu kommt aus der Steckdose.
Ismail Osman
Läuft ausgezeichnet: der Altbüroner «Solarbagger» im Einsatz. (Bild: PD)

Läuft ausgezeichnet: der Altbüroner «Solarbagger» im Einsatz. (Bild: PD)

Ismail Osman

Dieser Bagger gewinnt keinen Schönheitspreis. Klar, ein Bagger ist ja primär dazu da, um stundenlang im Dreck zu wühlen und nicht um mit ästhetischer Ausstrahlung zu beeindrucken. Und dennoch räumt dieser eine Bagger aus dem luzernischen Altbüron derzeit Preise ab und zieht verzückte Blicke von Prag bis nach Nagano, Japan, auf sich.

Sein Geheimnis? Nun, es zählen eben doch die inneren Werte: Statt des üblichen Dieselmotors wurde dem 16-Tonnen-Bagger ein leistungsstarker Elektromotor eingepflanzt. Eine Weltneuheit.

Blick ins Jahr 2020

Mit Solarstrom gespiesen rollt dieser weltweit einzigartige «Solarbagger» seit gut acht Monaten von Baustelle zu Baustelle und beeindruckt Experten dabei genug, um nach dem schweizerischen nun auch mit dem europäischen Solarpreis 2015 ausgezeichnet zu werden. Der Anerkennungspreis für Engagements im Bereich erneuerbarer Energien wird am 23. November in Prag verliehen.

Der Solarbagger ist der ganze Stolz der Baufirma Affentranger Bau AG aus Altbüron und deren Inhaber Markus Affentranger. «Die Idee dazu kam auf, als wir 2009 planten, unseren Werkhof zu erneuern», sagt Affentranger rückblickend. «Die Frage war: Wie sieht ein Werkhof im Jahr 2020 aus?» Die Antwort, auf die Affentranger kam: Er wird möglichst ohne fossile Brennstoffe auskommen. Auf insgesamt 5000 Quadratmetern Dachfläche wurden Solarpanels installiert. Damit kann bereits einiges an Strom produziert werden. Der logische nächste Schritt: die Firmenautos entsprechend umrüsten. «Die Baumaschinen sind aber die eigentlichen grossen ‹Dieselfresser›», sagt Affentranger. «Mein Wunsch war es deshalb, auch diese umzurüsten.»

Drei Jahre Entwicklungszeit

Mit seinem Wunsch betritt Affentranger jedoch absolutes Neuland. Soweit fortgeschritten elektrische Personenfahrzeuge teilweise sein mögen – auf die Idee eines strombetriebenen Baggers scheint noch niemand wirklich gekommen zu sein. Affentragers stösst mit seinen Plänen aber auf offene Ohren: «Sehr viele Studenten, darunter mehrere der Hochschule Buchs und der ETH waren beteiligt», verrät er. Drei Jahre und rund zwei Millionen Franken flossen in die Entwicklung des Solarbaggers. Affentranger selbst steckte rund 400 000 Franken in das Projekt, der Rest wurde durch diverse Sponsoren und Gönner aufgefangen. Das Resultat: ein Elektro-Bagger, der es in punkto Kraft und Ausdauer mit jedem dieselbetriebenem Konkurrenten aufnehmen kann. Bei den Treibstoffkosten und Energieverbrauch hängt der Solarbagger seine Diesel-Konkurrenz endgültig ab: Während man fürs Tanken eines Dieselbaggers jährlich rund 24 000 Franken ausgibt, sind des beim Solarbagger lediglich Stromkosten im Gegenwert von 3000 Franken. Der lokale CO2-Ausstoss des Solarbaggers liegt selbstverständlich bei Null, während das Diesel-Pendant jährlich satte 40 Tonnen davon ausstösst.

Kalkül statt Idealismus

Zwar bestreitet Markus Affentranger nicht, dass viel Herzblut im Projekt steckt. Idealismus ist aber nicht die treibende Feder: «Es ist eine knallharte Rechnung. Stellt man die Gesamtkosten und die zu erwartete Lebensdauer der Maschinen einander gegenüber, macht die Umrüstung auf Solarstrom einfach Sinn – die Investitionskosten sind innerhalb weniger Jahre amortisiert.»

Affentranger freut sich auf die Reise nach Prag zur Preisverleihung. «Natürlich hat man bei einem solchen Projekt zwischenzeitlich auch Zweifel», sagt er. «Der Preis ist deshalb eine schöne Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist.» Mittlerweile ist man auch im fernen Japan hellhörig geworden: Die Firma Takeuchi, aus dessen Werk der Bagger stammte, bevor ihm in der Schweiz der Dieselmotor herausseziert wurde, plant eine Mini-Serie von Elektrobaggern zu fabrizieren und den Markt damit zu testen. Prototyp dafür ist der Altbüroner Solarbagger.

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