Soldat Sieber steht im Kantonsspital im Einsatz: «Wir waren überrascht, wie schnell wir gebraucht werden»

Rund 80 Spital-Soldaten werden seit dem 16. März im Luzerner Kantonsspital eingesetzt. Wie lange noch, ist unklar.

Roger Rüegger
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In Luzerner Kantonsspital (Luks) stehen rund 80 Soldaten im Einsatz, die sich ihr Engagement so nicht vorgestellt haben. Total sind rund 700 Soldaten des Spital Bataillons 5 eingerückt, mit Verstärkung der Sanitätskompanien 2 und 8. Sie sind in der Innerschweiz, Basel, Graubünden und im Tessin stationiert und werden vor allem im Bereich der Grundpflege und dem Patiententransport eingesetzt.

Die meisten von ihnen rückten am 16. März ein. In gewöhnlichen Zeiten hätte ihr Dienst am 5. April geendet. Der reguläre WK wurde jedoch zum Assistenzdienst. Was bedeutet, dass vieles im Ungewissen ist. Sicher ist aber, dass die Soldaten die Ostern im Militär verbringen und nicht bei Familie und Freunden. Fachoffizier Hauptmann Giuliano Luongo, Presse- und Informationsoffizier des SpitBat5: «Aktuell gilt die verhängte Sperre für allgemeine Urlaube, sprich am Wochenende bleiben wir im Dienst und gehen nicht nach Hause.» Ein Nebenaspekt, der wohl vielen nicht schmeckt ist, dass nur jene Diensttage angerechnet werden, welche die Armeeangehörigen in diesem Jahr ohnehin als Ausbildungsdienst hätten leisten müssen.

Dominik Sieber.

Dominik Sieber.

(Bild: PD)

Mit diesen unvorhergesehenen Bedingungen müssen sich die Soldaten abfinden. Leicht gesagt, aber wie einfach ist es für Betroffene, dies umzusetzen? Wir haben Dominik Sieber (Bild) aus Oftringen dazu befragt. Der 23-jährige Elektroplaner absolviert seinen zweiten WK. Derzeit wird er im Luks eingesetzt.

Der Bundesrat hat just zum Start Ihres WK die Situation in der Schweiz als ausserordentliche Lage eingestuft. Mit welchen Erwartungen rückten Sie ein?

Dominik Sieber: Uns war bewusst, dass der Dienst etwas länger dauern könnte, und wir eventuell im Ernstfall eingesetzt werden. Auch dass es hektischer und anstrengender wird, war zu erwarten. Nicht erwartet haben wir, dass der Dienst so lange dauert und wir keinen Urlaub haben. Wir wären jetzt fertig.

Wie erleben Sie unter diesen Umständen den Einsatz?

Der WK begann mehr oder weniger wie jedes Jahr. Anders war das Sicherheitsmanagement wegen des Themas Corona. Und überrascht waren wir, wie schnell wir gebraucht werden.

Fabian Rahm (links) und Sebastian Quintero vom Spitalbataillon 5 lassen sich von Pflege-Teamleiterin Fabienne Ettlin den richtigen Umgang beim Messen von Fieber beziehungsweise Blutdruck zeigen.

Fabian Rahm (links) und Sebastian Quintero vom Spitalbataillon 5 lassen sich von Pflege-Teamleiterin Fabienne Ettlin den richtigen Umgang beim Messen von Fieber beziehungsweise Blutdruck zeigen.

Bild: Luks

Ohne Urlaub wird es nicht leichter, dass man Familie und Freunde nicht trifft.

Da ich nicht wusste, was zu erwarten ist, liess ich es einfach auf mich zukommen. Ich hielt mich bereit, falls es ernst wird. Aber ja, es ist sehr schwer, Freundin, Familie und Kollegen so lange nicht zu sehen. Auch für die Angehörigen ist dies belastend. Wir versuchen damit umzugehen. Es liegt nicht in unseren Händen, dies zu ändern.

Wie ist das Verständnis in der Truppe?

Nicht sehr gross. Wir verstehen, dass wir ein Risiko für unsere Angehörigen und sie für uns darstellen, da wir mit dem Virus in Kontakt treten könnten. Wir verstehen aber nicht, warum dann Leute, die in der Pflege arbeiten, nach ihrer Schicht nach Hause zu ihren Angehörigen dürfen.

Abgesehen davon, was wird in einer solchen Situation eine zusätzlich Last?

Sicherlich dass die Dauer unseres Einsatzes nicht definiert ist. Auch die vielen Vorschriften, die wir einhalten müssen. Wir sind dem Militär unterstellt und deshalb sehr eingeschränkt, was Freizeitaktivitäten anbelangt.

Dies erschwert die Sache. Wie geht man damit um?

Es gibt die Möglichkeit, sich einem Seelsorger anzuvertrauen. Diese werden von vielen aus der Truppe kontaktiert. Sie helfen, wo sie können. Urlaub können die uns allerdings auch nicht gewähren, was wie schon erwähnt, mit die grösste Belastung für uns ist.

Und dabei werden euch auch nicht alle Diensttage angerechnet. Dafür erntet ihr Lob und einige Politiker betonen, dass man stolz auf euren Einsatz im Ausnahmezustand sein muss. Seht ihr das auch so?

Ich verstehe auf eine Art, dass nicht alle Diensttage angerechnet werden können, da ansonsten alle Soldaten ihre Diensttage absolviert hätten und somit nur noch in der Reserve wären. Andererseits stört es mich, da ich meinen Dienst leiste und nicht entsprechend entlöhnt werde. Ich kann es einerseits nachvollziehen, andererseits bin ich nicht damit zufrieden

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