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SOMMERBEGINN: Über 30 Grad - das fängt ja gut an

Die Temperaturen steigen in den kommenden Tagen stetig an. Einigen sagt ihr Bauchgefühl, dass uns ein Jahrhundertsommer bevorstehen könnte. Der Meteorologe ist mit seiner Prognose vorsichtiger.
Roger Rüegger
Edi Eichenberger (links) und Urs Schwander grillieren fast jeden Mittag im Schwimmbad Hasenburg. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 20. Juni 2017))

Edi Eichenberger (links) und Urs Schwander grillieren fast jeden Mittag im Schwimmbad Hasenburg. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 20. Juni 2017))

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Nach einem prächtigen Wochenende mit teilweise kühler Bise zeigt das Wetter just zum Sommeranfang, was zu erwarten ist. Die Temperaturen in der Zentralschweiz steigen heute auf über 30 Grad. Und es wird noch heisser. Etwa so wie in den Ferienorten im südlichen Europa. Das ist kein Zufall, denn die Luft gelangt vom westlichen Mittelmeerraum zu uns. Das bedeutet, dass wir neben grosser Hitze auch bald hohe Luftfeuchtigkeit erleben.

Also ist man gut beraten, sich möglichst im Schatten aufzuhalten oder – wer kann – in einem See oder in der Badi im Wasser Abkühlung zu suchen. Genau dies ist das Programm einiger pensionierter Frauen und Männer im Schwimmbad Hasenburg in Willisau. Die Gruppe geniesst die Vorzüge ihrer Freizeit so oft wie möglich. «Wir sind jeden Tag hier in der Badi. Bei diesem Wetter sowieso», sagt Edi Eichenberger (70), der gestern zusammen mit Urs Schwander (67) am öffentlichen Grill auf der Liegewiese das Mittagessen zubereitete.

Seit über 35 Jahren Stammgäste

Die beiden Männer wohnen im Sommer praktisch im kleinen Schwimmbad am Waldrand. «Seit über 35 Jahren sind wir Stammgäste – und seit wir pensioniert sind, fast mehr hier anzutreffen als zu Hause», meint Schwander, während er ein Stück Fleisch vom Grillrost nimmt und auf einem Teller seiner Frau serviert. Sie liegt im schützenden Schatten.

Allzu viele Gäste sind über Mittag noch nicht im Schwimmbad. Am Nachmittag nimmt die Zahl der Besucher ­etwas zu und damit auch der Geräuschpegel. Einige Schulklassen tauschen das Klassenzimmer mit dem 24 Grad warmen Wasser. Die Freude der Buben und Mädchen scheint grenzenlos. Klar, bei diesen Bedingungen gibt es nichts Schöneres als eine Schwimmstunde.

Allerdings ist es gestern in Willisau vielleicht etwas angenehmer als vielerorts. Es weht ein leichtes Lüftchen. Das lässt manche vergessen, dass die Sonne dennoch gnadenlos herabscheint und dabei böse Spuren auf der Haut hinterlassen kann. Einem routinierten Badegast wie dem «Obersonnenanbeter» Kasimir Steiner widerfährt ein Sonnenbrand aber auch bei den härtesten Bedingungen nicht mehr. Der 69-jährige Willisauer – er ist ebenfalls ein Stammgast in der Hasenburg – trägt jeden Morgen in der Badi eine Sonnencreme mit Schutzfaktor 50 auf, wie er sagt. Damit nicht genug. Regelmässig pflegt er seinen Körper mit einer milderen Creme. Und das auf eigenartige Weise. Er nimmt einen Roller, wie ihn sonst die Maler auf der Baustelle benutzen, und trägt den Sonnenschutz an Armen, Beinen, Bauch und Rücken auf. «Die Hitze macht erfinderisch. Und schau mal, es wirkt erst noch kosmetisch, ich habe fast keine Falten», sagt er zu seinem Kollegen Edi Eichenberger. Die Besucher in der Nähe schmunzeln, obwohl die meisten das Szenario inzwischen kennen. Wie für seine Kollegen ist die Badi auch für «Kasi» im Sommer das zweite Daheim. Die Gruppe klopft fast täglich einen Jass. Ausser wenn einige Enkelkinder ebenfalls in der Badi sind. Dann kümmern sich die Grossväter und Grossmütter um die Kleinen.

Das Schwimmbad ist ohnehin ideal für Familien, meint Urs Schwander, nachdem er seine Grilladen gegessen hat. «Es kann noch so heiss sein, hier ist es immer angenehm, weil es genug Schattenplätze hat.» Joe Bossert, Betriebsleiter der Sportanlagen, zu denen die Badi gehört, bestätigt: «Wir haben ­einen grossen Bestand von gut erhaltenen, alten Bäumen. Darunter herrschen angenehme Temperaturen, was von Familien geschätzt wird.» Gute Voraussichten, denn Bossert meint, dass uns ein Jahrhundertsommer bevorstehen könnte. «Viele ältere Gäste sagen, dass sie dies im Bauch fühlen.»

Das feuchtheisse Wetter mag für Sonnenanbeter und Wasserratten in den Schwimmbädern der Hit sein. Für all jene, die sich nicht einfach kurz im Schwimmbecken abkühlen können, kann die Hitze aber zur Belastung werden. Grund: «Die höhere Luftfeuchtigkeit lässt die hohen Temperaturen unangenehmer erscheinen. Und es ist auch eine stärkere Belastung für den Körper», sagt Andreas Ast, Meteorologe von Meteo Schweiz. Bis und mit Freitag bleibe es heiss und sonnig, danach lasse die Hitze etwas nach. Angenehmer als im Flachland ist in diesen Tagen ein Aufenthalt in den Bergen, da es in der Höhe kühler ist. Allerdings muss man gemäss Ast jeden Tag mit einem Gewitter in den Bergen rechnen. Heute Mittwoch und morgen Donnerstag sei die Gewitterneigung am höchsten. Durch die hohen Temperaturen ziehen viele Leute bereits Vergleiche mit dem Hitzesommer von 2003 oder mit jenem von 2015. Der Meteorologe wagt sich nicht ganz so weit aus dem Fenster. «Wir geben Prognosen nur für ein paar Tage ab. Es gibt zwar ein paar Hinweise, die auf einen überdurchschnittlichen Sommer hinweisen, aber die sind mit Vorsicht zu geniessen, da die Verlässlichkeit nicht sehr hoch ist.» Aber er bestätigt, dass der Juni bis jetzt aussergewöhnlich warm ist: «Seit Messbeginn im Jahr 1864 steuern wir auf einen der wärmsten Monate hin.»

Für Kasimir Steiner (69) ist die Badi in Willisau dieser Tage sein Zuhause. Damit seine Haut vor der Sonne geschützt ist, entwickelte er eine besondere Methode: Er trägt die Creme mit einer Malerrolle auf. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 20. Juni 2017))

Für Kasimir Steiner (69) ist die Badi in Willisau dieser Tage sein Zuhause. Damit seine Haut vor der Sonne geschützt ist, entwickelte er eine besondere Methode: Er trägt die Creme mit einer Malerrolle auf. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 20. Juni 2017))

Edi Eichenberger grilliert und isst beinahe jeden Tag im Freibad Willisau. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 21. Juni 2017))

Edi Eichenberger grilliert und isst beinahe jeden Tag im Freibad Willisau. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 21. Juni 2017))

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