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Schräge Texte locken in die Kirche

Mit biblischen Texten ungewohnte Fragen provozieren – das ist das Sommerprogramm der reformierten Kirche Stadt Luzern.
Sandra Monika Ziegler
Pfarrer Markus Sahli in der Hertensteinstrasse. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 24.Juli 2019)

Pfarrer Markus Sahli in der Hertensteinstrasse. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 24.Juli 2019)

Die Reformierte Kirche Stadt Luzern zählt 8000 Mitglieder und hat wie andere Glaubensrichtungen auch mit Abgängen zu kämpfen. Um das Interesse an der Kirche zu erhalten, braucht es besondere Kreativität. Das Sommerprogramm der Reformierten Kirche bilden fünf Predigten der speziellen Art und ein Nachmittagsanlass.

Auf die Idee dieser Aktionen kam der Stadtkonvent vergangenen Herbst. «Wir haben das damals intern diskutiert. Mit diesen Predigten wollen wir die Kirche als Begegnungsort speziell publik machen», sagt Pfarrer Markus Sahli (60). «Die schrägen Bibelstellen eignen sich bestens dazu. Die Bibel ist voll davon, genau wie unser Leben. Solche Geschichten regen den Diskurs an, lassen einen besser zuhören und hinschauen.»

Alle streben nach Anerkennung

Sahli ist der Leiter des achtköpfigen Stadtkonvents, Veranstalterin der Reihe. Zum Stadtkonvent sagt er: «Die Reformierte Kirche ist grundsätzlich basisdemokratisch organisiert. Viele arbeiten aus eigener Motivation. Mit dem Stadtkonvent haben wir ein leitendes Element, das solche Aktivitäten wie die Predigtenreihe organisieren kann.» Damit soll ausgelotet werden, welches Potenzial die Bibel in der heutigen Gesellschaft hat.

Pfarrer Sahli hielt Mitte Juli seine spezielle Predigt in der Matthäuskirche. Sie lief unter dem Titel: «Syt dir öpper, oder nähmet dir Lohn?» Gesprochen wurden diese markigen Worte einst von der Bernerin Madame de Meuron, einer Frau aus dem Berner Patriziat und zugleich ein Stadtoriginal. Denn Madame war auffällig in schwarzer Robe mit Hut, Stock und Handschuhen gekleidet und hatte stets ein Hörgerät mit dabei. Sie hatte ihre eigenen Regeln und hielt an denen bis zu ihrem Tod mit knapp 98 Jahren fest. So erzählte man sich, dass wenn Madame das Tram benutzte, sie nie ein Billett löste. Begründung: Sie sei vor dem Tram da gewesen.

Zur Wahl dieses Zitates erklärt Markus Sahli: «Damit hat sie den Kern getroffen. Der Mensch strebt stets nach Anerkennung. Will jemand sein und beachtet werden. Nur die Wege und Mittel dazu sind nicht immer von Liebe gezeichnet.» In seiner Predigt verwendete er die biblischen Darstellungen von Kain und Abel und Judas mit dem Kernthema Anerkennung. «Wir gehen der Frage nach, wie man aus der Spirale von Missgunst und Mobbing kommt. Wie finden wir den Weg und die Kraft, die Liebe zu Leben?»

«Mit diesem Angebot sind die Sitzbänke voll»

Und wie kommen die Predigten an? Sahli ist begeistert: «Sehr gut. Sonst sind die Sitzbänke gelichtet, mit diesem Angebot sind sie voll.» Durchschnittlich sind es an die 80 Personen, die in die Kirche kommen. Und nach solchen Gottesdiensten sei eine Fülle an Gesprächsstoff vorhanden, sodass sich im Anschluss in der Kirche spannende Gesprächsrunden bilden.

An den zwei kommenden Sonntagen finden jeweils um 10 Uhr die schrägen Predigten von den Pfarrerinnen Cristina Policante in der Matthäuskirche und Eva Brandin in der Lukaskirche statt. Als Abschluss der Reihe gibt es am 21. August um 15 Uhr ein «Après-Midi» mit der Theologin Li Hangartner im Gemeindehaus Würzenbach. Unter anderem geht man der Frage nach: «Wo kommt Gott bei uns durch die Hintertür?»

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