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SOMMERSERIE: Auf Umwegen zum Ziel

Vor dem Umzug nach Luzern fand Benedikt von Peter Zeit für eine Wanderung. Die Hohle Gasse weckt beim Intendanten des Luzerner Theaters Jugenderinnerungen.
Urs Mattenberger
Benedikt von Peter (39), neuer Intendant des Luzerner Theaters, wandert zur Hohlen Gasse. (Bild Manuela Jans-Koch)

Benedikt von Peter (39), neuer Intendant des Luzerner Theaters, wandert zur Hohlen Gasse. (Bild Manuela Jans-Koch)

Urs Mattenberger

Dass Benedikt von Peter nicht hoch hinaus wandern wollte, lag nicht daran, dass er Herausforderungen scheut. Schliesslich übernimmt er mit 39 Jahren als Intendant des Luzerner Theaters die Verantwortung für einen Dreispartenbetrieb mit 350 Mitarbeitern.

Hohle Gassen sind überall

Für den gefragten Regisseur, der in den letzten Jahren die Opernsparte am Bremer Theater leitete, ist das tatsächlich eine neue Herausforderung. Den Wunsch, den Pilatus zu besteigen, liess er nicht etwa fallen, weil dieser «offenbar mörderisch:)» sei, wie er per SMS schrieb. Terminverpflichtungen und die lange Abwesenheit vor seinem Amtsantritt am 2. August liessen nur eine Abendwanderung zu.

Dass er dafür die Hohle Gasse vorschlug, war mehr als ein literarisches Lippenbekenntnis: Als Abgänger eines Jesuitenkollegs in Bonn rezitiert von Peter noch heute auswendig Schillers Tell-Monolog («Durch diese hohle Gasse muss er kommen»). So bleibt es bei einer «wohl typischen Kulturwanderung», wie der Rheinländer in der Luftseilbahn von Küssnacht hinauf auf die Seebodenalp witzelt. Nach der Aussicht bis hin zum Sempacher- und über den Zugersee folgt die gemütliche Wanderung nach einem abschüssigen Waldweg zwischen der Strasse. Dafür kommt man umso leichter miteinander ins Gespräch. Saftiges Grün etwa erinnert den «Wiesen-Typen» von Peter an Ferien in Katalonien, die Wäldchen dagegen sind zugewachsen, als wäre man bereits eingeschlossen in Hohle Gassen. «Das fasziniert mich an der Schweiz,» begeistert er sich: «Dass hier alles kleinräumig verwinkelt ist» – bis hin zu den Skipisten, auf denen er sich selten, aber immer wieder als Skifahrer versucht.

Katholische Lebenslust

Im Übrigen verläuft der Weg zur Hohlen Gasse so unausweichlich und umwegig, wie es von Peters Werdegang zum Musiktheater war. Wir lassen die Gesslerburg links liegen und folgen auf halbem Weg dem Wegweiser «Hohle Gasse» nach rechts. Von da an mäandert der Weg an der Haustür eines Bauernhofs vorbei hinunter zur Tellkappelle. Von Peters Werdegang war zunächst vorgezeichnet durch widersprüchliche Prägungen im Elternhaus. Da mischte sich protestantisches Arbeitsethos – mütterlicherseits – mit der katholischen Lebenslust des Vaters, die von Peter in kirchlich-theatralen Prozessionen und der Fasnacht in Luzern wiedererkennt. Die Mutter stellte – als ausgebildete Sängerin – den Kontakt zu Musik und Theater sicher.

In (den wilden) jungen Jahren tobte sich von Peter am Cello, in einem Gesangsstudium und auf der Bühne (als Statist und Souffleur) aus. Und ist mit Blick auch auf seine vier Geschwister, die sich nicht der Kunst verschrieben, überzeugt: «Als Jugendlicher findet man nur zur Kunst, wenn man das Gefühl einer ungestillten Sehnsucht oder von etwas, das fehlt, in sich trägt.» Gesslerburg oder Hohle Gasse? Damals wählte von Peter nicht den direktesten Weg. Bereits mit 19 wurde ihm zwar eine Regiearbeit im Rahmen der – nicht abgeschlossenen – Sängerausbildung anvertraut. Aber danach suchte er einen Ausgleich zum Kunstbetrieb. Dass er neben dem Studium der Musikwissenschaft und Germanistik Rechtswissenschaft abschloss, zeugt vom Sinn fürs Praktische, das ihm als Intendant zugute kommen dürfte: «In den Siebzigerjahren gab es die Tendenz, Kunst hochzustilisieren und gegen wirtschaftliche und Qualitätsansprüche zu immunisieren. Ich finde dagegen, auch ein Theater ist ein Betrieb, dessen Leistung messbar ist und sich gesellschaftlichen Ansprüchen stellen muss.»

«Sinn durch Sinnlichkeit»

Statt auf den Bus zu warten, spazieren wir ins Städtchen Küssnacht, wo wir im «Hirschen» zum Bier ein vorzügliches Steak mit Pommes frites serviert bekommen. Und hier erzählt von Peter, wie er nach Umwegen über Regiearbeiten im Schauspiel zum Musiktheater fand. Aus dem Unbehagen am Kunstbetrieb heraus suchte er in Berlin mit Gleichgesinnten in einer Freien Gruppe nach neuen Formen des Musiktheaters. Intendant Gerard Mortier wurde neugierig auf diese studentische Eigeninitiative und lud sie zu den Salzburger Festspielen und von Peter zur Ruhrtriennale ein.

Von da führte der Weg nahtlos weiter zum «Raumtheater», wie von Peter es für Luzern mehrfach erläutert hat: ein Theater, das «Sinn durch Sinnlichkeit» schafft und Zuschauer und Aufführende nahe zusammenbringt. Das ist es, was von Peter an seinem Beruf so fasziniert: «Im Theater ist man ganz nahe mit und an den Menschen.» Aber wie passt seine umgängliche Art, die sich unterwegs im Small Talk mit einem Bauern oder der Serviertochter zeigt, zur neuen Rolle als Chef eines Dreispartenbetriebs? «Ich bin eigentlich der Typ, der sofort Hand anlegt», sagt er dazu: «Als Intendant muss ich lernen, das etwas zurückzunehmen, wenn es um Fragen in einzelnen Teams und Abteilungen geht. Bei der Vielzahl an Aufgaben muss man delegieren lernen. Das ist ein gutes Gefühl, aber auch eine Umstellung.»

Wandern mit ...red. In den nächsten Wochen stellen wir Ihnen Persönlichkeiten aus der Zentralschweiz vor. Das Besondere: Die Promis werden auf ihrer Lieblingswanderung porträtiert. Damit erhalten Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht nur spannende Einblicke ins Leben der Personen, sondern können auch neue Wanderrouten entdecken. Die Beiträge finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien

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