SONNENBERG: Krienser Schüler führen jetzt ein Hotel

Diese Woche wird das Hotel Sonnenberg von rund 60 Schülern geführt. So soll ihnen auch eine Lehre im Gastgewerbe schmackhaft gemacht werden.

Raphael Gutzwiller
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Von links: Lena Iten, Marcia Amrein, Shajwan Are Ali und Zeynep Abdi gaben gestern im Hotel Sonnenberg vollen Einsatz für frische Wäsche. (Bild Eveline Beerkircher)

Von links: Lena Iten, Marcia Amrein, Shajwan Are Ali und Zeynep Abdi gaben gestern im Hotel Sonnenberg vollen Einsatz für frische Wäsche. (Bild Eveline Beerkircher)

Sie kochen, putzen, waschen, servieren und recherchieren: Drei Sekundarschulklassen des Schulhauses Meiersmatt in Kriens führen in dieser Woche das Hotel Sonnenberg. Dabei sollen die Schüler erste Erfahrungen im Arbeitsalltag machen. Ziel ist es auch, Nachwuchs für die acht Berufe im Gast­gewerbe zu finden. Zu den möglichen Lehren in dieser Branche gehören unter anderem diejenige zum Koch, Hotelfach- oder Restaurationsfachmann. «Natürlich ist die Hoffnung da, dass sich Schüler durch dieses Projekt für eine Lehre in dieser Branche entscheiden», erklärt Hoteldirektor Ron Prêtre. Momentan sind im Gastgewerbe gemäss Prêtre in der Schweiz rund 250 Lehrstellen unbesetzt.

Seit Dienstag läuft das Projekt im Hotel. Alle 60 Schüler erhielten eine Uniform mit einem Namensschild. «Es ist genau so, wie es in der Berufswelt dann auch ist», erklärt Prêtre.

Den Schülern gefällt es

Den Schülern wird nichts geschenkt. Auch die eher undankbaren Aufgaben werden von ihnen ausgeführt. Gestern morgen durfte beispielsweise das Service-Team rund 300 Gläser polieren. «Das ist natürlich nicht nur Spass», weiss Prêtre. «In der Projektwoche ist es nicht nur wie richtig. Es ist richtig.»

Die Schüler wurden in verschiedene Teams eingeteilt. Verantwortlich für das Abnehmen des Telefons sowie für die An- und Abreise der Gäste ist das Réception-Team. Ein Mitglied davon ist Caja Hertfort (15). Ihr gefällt die Woche ausgezeichnet: «Man erhält einen guten Einblick in die Berufswelt. Ich finde es sehr spannend.» Dennoch wird aus Caja zumindest vorerst noch keine Réceptio­nistin: Im Sommer startet sie eine Lehre als Fachfrau Gesundheit. Ihre Mitschülerin Veronika Gijnaj (16) aus dem Service-Team ist noch auf der Suche nach einer Lehrstelle. Sie könnte es sich vorstellen, eine Lehre im Gastrobereich zu machen: «Diese Woche gefällt mir sehr gut.» Erfreut über das Projekt zeigt sich auch Samantha Müller (17) aus dem Küchenteam: «Ich bin positiv überrascht von der Arbeit als Köchin.»

Es gibt aber nicht nur typische Gas­tro-Berufe. Harzhigan Baskaran (14) arbeitet in dieser Woche beim Büro-Team. Dieses erstellt unter anderem einen Newsletter und betreibt den Facebook-Auftritt des Hotels. Auch er zeigt sich über die Projektwoche der Abschlussklassen glücklich.

Cola- statt Weindegustation

Ein Highlight steht heute Nachmittag an: Die Schüler testen verschiedene Cola-Sorten. «Eine Weindegustation ist natürlich nicht erlaubt», erklärt Prêtre. In der Lehre zum Service-Angestellten müssen verschiedene Weinsorten unterschieden werden können. «Die Berufe im Gastgewerbe haben auch mit den Sinnen zu tun», sagt Prêtre.

Die Idee zur speziellen Woche hatte die Schulleiterin Dagmar Girlich zusammen mit Ron Prêtre. Girlich zeigt sich sehr erfreut über den bisherigen Verlauf des Projektes: «Die Schüler wollen wirklich arbeiten und geben vollen Einsatz.» Wichtig ist für Prêtre auch das Auftreten der Schüler: «An der Réception müssen die Schüler lernen, auch dann freundlich zu sein, wenn sie eigentlich keine Lust darauf hätten.»

Das Hotel Sonnenberg in Kriens wird vom Verein «The Büez» geführt. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, langzeitarbeitslose Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aktuell arbeiten über 35 Personen beim Verein «The Büez» im Hotel und dem Büro. Dabei werden sie von 14 festangestellten Fachleuten angeleitet und ausgebildet. Viele Langzeitarbeitslosen können in dieser Woche ein paar freie Tage geniessen: Ihre Arbeit wird von den Jugendlichen übernommen.

Gegenteiliges gilt für die angestellten Fachleute. Eine Woche lang sind sie die Vorgesetzten, dabei haben sie mehr zu tun. «Sie haben in dieser Woche den dreifachen Aufwand», so Prêtre. Dabei sind die Schüler aber aufmerksam: «Ich glaube, ihren Vorgesetzten hören sie besser zu als ihren Lehrern.»

Trotz 60 Schülern im Hotel wird der Betrieb normal weitergeführt. «Die Rückmeldungen der Gäste sind alle positiv», zeigt sich Prêtre erfreut. «Ich kann mir gut vorstellen, dass dies wiederholt wird.» Bisher gingen übrigens erst drei Gläser kaputt. «Ich habe mit etwa 20 gerechnet», sagt Prêtre lachend.