SOZIALBERATUNG: Luzerner haben öfter Geldsorgen

Immer mehr Personen brauchen eine Budgetberatung. Dies zeigt exemplarisch das Sozialberatungszentrum Region Entlebuch. Betroffen sind zunehmend auch Jugendliche.

Niels Jost
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Drei von vier Zuger Familien können laut dem Sozialbericht 2016 sparen. (Bild: Keystone)

Drei von vier Zuger Familien können laut dem Sozialbericht 2016 sparen. (Bild: Keystone)

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Kevin steht kurz vor dem Abschluss seiner Lehre. Ob er die Prüfungen bestehen wird, ist fraglich. Er ist gestresst. Eine Festanstellung hat er nämlich auch noch nicht. Ablenkung verschafft ihm das Kiffen. Auch ein wildes Party-Wochenende bringt ihn auf andere Gedanken – und zu Geldsorgen.

Obwohl es sich hier um ein fiktives Beispiel handelt, ist es sinnbildlich für viele Personen, welche sich wegen ihrer fin­anziellen und persönlichen Schwierigkeiten vom Sozial­beratungszentrum (SOBZ) des Mehrzweckverbands Region Entlebuch, Wolhusen und Ruswil beraten lassen. Hilfe suchen hier neben Erwachsenen bis ins AHV-Alter immer mehr Jugendliche. «Die meisten unserer Klienten stehen in einer Phase ihres Lebens, in der sich etwas Grund­legendes ändert: Jugendliche, die aus der Schule kommen, oder Erwachsene, deren Kinder ausziehen oder deren Beziehung bröckelt», sagt Monica Breuer, Fachbereichsleiterin der Sozial- und Suchtberatung.

Zudem fügt sie an: «Die Personen, die zu uns kommen, haben oftmals mehr als nur ein Problem. Gibt es zu Hause, in der Beziehung oder im Beruf Schwierigkeiten, dann kommen oftmals auch ein Suchtverhalten oder finanzielle Schwierigkeiten hinzu.» Ähnliche Tendenzen sind auch in den anderen Regionen im Kanton Luzern zu beobachten.

50 Prozent mehr Budgetberatungen

Fälle dieser Art beschäftigen das SOBZ immer häufiger, wie die neuesten Zahlen aus dem Geschäftsbericht zeigen. So hat 2012 noch rund ein Drittel aller Problematiken solche sozialstrukturelle Probleme betroffen – letztes Jahr war es bereits über die Hälfte, nämlich deren 127. Davon waren alleine 48 Fälle Budget­beratungen. Diese haben gegenüber dem Vorjahr fast um 50 Prozent zugenommen.

Über die genauen Gründe kann Monica Breuer nur mutmassen: «Ich stelle fest, dass viele Betroffene ganz einfach ihr Budget nicht kennen. Deshalb überziehen sie ihr Konto und ihre Kreditkarte und wissen nicht, wie viel Geld sie effektiv in der Tasche haben. Auch Schulden bei Online-Versandhändlern wie Zalando oder Leasingverträge häufen sich», sagt Breuer.

Manche brauchen ihr Leben lang Hilfe

Die meisten Personen melden sich freiwillig bei der Sozialberatung, einige werden vom Sozialamt, von der Kesb oder einer anderen Stelle ans SOBZ verwiesen. In einem ersten Gespräch werden die Probleme geschildert und eine Auslegeordnung erstellt. Die Länge der darauffolgenden Sozialberatung oder gar Begleitung unterscheide sich von Person zu Person, so Monica Breuer. «Manche finden den Tritt nach dem ersten Gespräch wieder, andere brauchen immer wieder Hilfe.» Denn der Arbeitsmarkt sei hart: Weise man bei einer Bewerbung bereits ein fortgeschrittenes Alter oder Suchtprobleme auf, seien Absagen keine Seltenheit. Das drücke auf die Motivation. «Ist man erst mal in dieser Spirale drin, ist es schwierig, da wieder rauszukommen», weiss Breuer.

Deshalb rät die Sozialberaterin, sich bei Problemen möglichst frühzeitig an eine Fachstelle zu wenden. Die Beratung ist kostenlos und wird von der öffentlichen Hand getragen. «Man soll sich nicht schämen, Hilfe in Anspruch zu nehmen», sagt Breuer. Gleichzeitig müsse man aber auch bereit sein, seinen Lebensstil zu verändern.

Melden können sich Betroffene telefonisch bei der zuständigen Stelle. Im Falle der Region Entlebuch, Wolhusen, Ruswil ist dies das SOBZ. In den anderen Regionen ist die Sozialberatung anders organisiert, die Zentren haben unterschiedliche Leistungsaufträge. So verfügen die Regionen Hochdorf und Sursee sowie Willisau-Wiggertal über die wirtschaftliche Sozialhilfe, die Region Luzern über die Einkommensverwaltung oder Vereine wie Akzent. Zudem gilt: AHV-Bezüger sollen sich grundsätzlich an die Pro Senectute wenden, IV-Bezüger an die Pro Infirmis.

Hinweis

Kontakte und weitere Infos finden Sie unter www.sobz.ch