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Sozialberatung: Mit der Kesb stieg der Aufwand

Das Sozialberatungszentrum der Region Entlebuch, Wolhusen und Ruswil feiert sein 25-jähriges Bestehen. Ein langjähriger Mitarbeiter erzählt, welche Veränderung die Organisation seither durchgemacht hat.
Urs-Ueli Schorno
Beratungsgespräche sind ein zentraler Teil der Arbeit des Sozialberatungszentrums der Region Entlebuch, Wolhusen und Ruswil. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Beratungsgespräche sind ein zentraler Teil der Arbeit des Sozialberatungszentrums der Region Entlebuch, Wolhusen und Ruswil. (KEYSTONE/Christian Beutler)

25 Jahre Sobz – 5 Jahre Kesb. Unter diesem Motto gewährt das Sozialberatungs-Zentrum (Sobz) und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Region Entlebuch, Wolhusen und Ruswil am 9. November Einblick in ihr Schaffen und Wirken. Markus Schmidli (Bild) arbeitet seit 2001 als Mitarbeiter des Sobz mit Sitz in Schüpfheim, das ein Einzugsgebiet von rund 30000 Einwohnern abdeckt. Er hat heute die personelle und fachliche Führung der Berufsbeistandschaft. Die Institution hat in den vergangenen 25 Jahren einschneidende Veränderungen erfahren. Auch Schmidlis Arbeit ist heute nicht mehr dieselbe: «Besonders die Einführung der Kesb vor fünf Jahren war auch für mich ein wichtiges Ereignis», so Schmidli.

«Besonders die Einführung der Kesb vor fünf Jahren war auch für mich ein wichtiges Ereignis.»

Markus Schmidli, Sozb Entlebuch, Wolhusen und Ruswil

Schon zuvor hatten sich die Fallzahlen des Sobz markant erhöht: Im Jahr 2012 – dem Jahr vor der Einführung der Kesb – waren es 236 Fälle. Ende 2017 wurden im Kindes- und Erwachsenenschutz 251 Fälle geführt – was einer Steigerung um das Dreifache entspricht im Vergleich mit 2001, als Schmidli seine Arbeit begann. Gleichzeitig wurde der Aufwand für Administration und Fallführung grösser. Die Teams sind seither gewachsen, mit ihnen die gesamte Organisation und die Anforderung an die Leitung. So war die Einführung der Fachbereichsleitungen 2017, die es zuvor nur für die Mütter- und Väterberatung gab, ein weiterer wichtiger Schritt in der Organisation des Betriebes.

Früher mehr Spielraum – heute mehr Autonomie

Man sei sich beim Sobz von Anfang an bewusst gewesen, das mit der Kesb etwas geschaffen wurde, dass sich «aus dem Nichts» organisieren musste, sagt Schmidli. Die anfänglich starke Kritik an der Kesb hätten auch die Mitarbeiter des Sobz mitbekommen. «Viele Menschen kennen den Unterschied zwischen der Kesb, der freiwilligen Sozialberatung und der gesetzlichen Mandatsführung nicht.» Als Mandatsträger sei das Sobz nämlich verantwortlich für die Umsetzung, nicht aber für die Verfügung der Massnahme. «Wir waren daher oft mit Kritik konfrontiert, die uns nicht direkt betrifft. Das führte dazu, dass wir Betroffenen den Auftrag erklären und aufkommende Fragen beantworten mussten.» Diese Klärung sei bei jedem Falleinstieg wichtig.

«Früher gab es mehr Spielraum für pragmatische Lösungen»

Die Zusammenarbeit mit der Kesb habe sich aber seither gut entwickelt, die Vertrauensbasis ist gelegt. «Es findet ein regelmässiger Fachaustausch statt.» Die Arbeit sei heute professioneller – was viele Vorteile bringe. Aber nicht nur: «Früher gab es mehr Spielraum für pragmatische Lösungen», sagt Schmidli. Etwa, wenn es ums Wohnen ging. «Man musste nicht gleich eine Platzierung ins Auge fassen, es konnten einfache Wohnlösungen gefunden werden. Etwa eine Unterbringung bei Verwandten und Bekannten.»

Anonymität auf dem Lande

Die Fälle sind im Laufe der Zeit auch komplexer geworden, was sich allein schon in der Themenvielfalt zeige: Herausforderungen seien heute etwa neue Familienstrukturen wie Patchwork, Jugendverschuldung, Schulausschlüsse, Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch mit psychisch kranken und beeinträchtigten Menschen. Während früher der Beistand über die Lösungen bestimmte, versuche man heute Selbstbestimmung und Autonomie zu fördern. «Ziel ist eine massgeschneiderte Lösung, die auch die Meinung des Betroffenen würdigt.» Entsprechend differenziert seien die Aufträge der Kesb. «Ich empfinde das zwar als Verbesserung, es ist aber auch anspruchsvoller geworden», so Schmidli.

Während die gesetzlichen Rahmenbedingungen in allen Regionen gleich sind, unterscheiden sich die Fälle doch inhaltlich, je nach Einzugsgebiet. Gerade im Vergleich zu seinen Arbeitskollegen im urbanen Raum. Das habe vor allem mit der Bevölkerungsstruktur zu tun: In ländlichen Gegenden gibt es grössere Familien und landwirtschaftliche Betriebe. Bezahlbarer Wohnraum führe dazu, dass auch grössere Familien mit kleinerem Budget eher aufs Land zögen. Die Bewohner haben im Schnitt mehr Kinder.

«Je mehr Personen in einem Haushalt leben, desto grösser sind die Möglichkeiten für unterschiedliche Anliegen», sagt Schmidli. «In Bauernfamilien können Krankheit und Trennung aus betriebswirtschaftlicher Sicht schnell zu existenziellen Problemen werden – bis zum Verlust des Betriebes.» Etwa wenn der Bauer erkranke und keinen Ersatz findet. «Das Sozialamt kann hier nur eine gewisse Zeit lang helfen.» Nicht immer kann verhindert werden, dass solche Umstände zur Betriebsaufgabe führten.

Die Ausstellung findet am 9. November ab 16 Uhr im Gemeindesaal Adler in Schüpfheim statt.

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