Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SOZIALHILFE: Armutsrisiko alleinerziehend

Im Kanton Luzern bezieht jeder sechste Alleinerziehende Sozialhilfegelder. Vor allem in der Agglomeration heisst es: Der Trend zeigt weiter nach oben.
Alleine für die Erziehung der Kinder verantwortlich, da kann das Geld knapp werden. (Symbolbild Neue LZ)

Alleine für die Erziehung der Kinder verantwortlich, da kann das Geld knapp werden. (Symbolbild Neue LZ)

Ilda Meier (35) und ihre Kinder (6 und 8 Jahre alt) leben seit der Trennung der Eltern vor drei Jahren in einer Dreizimmerwohnung in Root. Der Ex-Mann Peter (38) und Vater der Kinder arbeitet als Maurer, zahlt regelmässig Alimente. Seit drei Jahren muss auch Ilda Meier wieder Teilzeit arbeiten – als Floristin. Die alleinerziehende Mutter wird seit der Trennung vom Sozialamt unterstützt, weil sie mit ihrem Einkommen und den Alimenten den Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten kann.

Das ist ein fiktives Beispiel, aber es trifft in etwa die Situation vieler Alleinerziehender im Kanton Luzern. Denn nach einer Trennung oder Scheidung wird das Geld für beide knapp, und das Risiko, in die Armut abzurutschen, steigt.

Grafik zur Sozialhilfequote in der Zentralschweiz. (Bild: Grafik Neue LZ)

Grafik zur Sozialhilfequote in der Zentralschweiz. (Bild: Grafik Neue LZ)

16,2 Prozent werden unterstützt

«Nach einer Trennung muss ein gemeinsames Einkommen plötzlich für zwei Haushalte und zwei Mieten reichen», erklärt Ruedi Fahrni von der Dienststelle für Soziales und Gesundheit des Kantons Luzern. Können Betroffene für ihren Lebensbedarf nicht mehr aufkommen, hat die Familie Anspruch auf Sozialhilfe. Tritt dieser Fall ein, wird ein individuelles Budget berechnet. Letztes Jahr waren im Kanton Luzern 947 Alleinerziehende auf Sozialhilfegelder angewiesen. Das entspricht 16,2 Prozent aller Alleinerziehenden-Haushalte. Das ist gemäss den aktuell aufgearbeiteten Zahlen von Statistik Luzern (Lustat) fast jeder sechste Haushalt. Im Jahr zuvor waren es 920 Personen – Tendenz also steigend.

Auffällig: Die Zahl der von Sozialhilfegeldern abhängigen Alleinerziehenden ist in den Agglomerationsgemeinden besonders hoch: 18,9 Prozent waren es 2013, wie die Statistiker von Lustat ausweisen.

Günstiger Wohnraum zieht an

Gemeinden wie beispielsweise Dierikon, Root, Emmen oder Kriens weisen also eine höhere Unterstützungsquote bei Alleinerziehenden auf als ländliche – wie etwa Willisau oder Schüpfheim. Marcel Herrmann, Gemeindeschreiber von Dierikon, vermutet als Grund für die eher hohe Quote: «Wir haben Quartiere, die günstigen Wohnraum anbieten. Für Familien mit wenig finanziellen Mitteln ist das attraktiv.» Klar ist: In einer kleinen Gemeinde wie Dierikon mit knapp 1500 Einwohnern belasten Alleinerziehende, die auf Sozialhilfegelder angewiesen sind, das Gemeindebudget arg. Herrmann: «Die Gemeinde kann aber nicht beeinflussen, wie viele Alleinerziehende sich niederlassen.»

Für Josefine Seeholzer, Dierikoner Sozialvorsteherin, hat sich in den letzten Jahren bei der Unterstützungsquote Frauen und Männer, die alleine für eine Familie verantwortlich sind, eine Tendenz nach oben abgezeichnet. Zudem seien die meisten Alleinerziehenden während vieler Jahre von Sozialhilfegeldern abhängig, so Seeholzer. «Trennen sich Eltern, bleiben Mutter und Kinder meist am gleichen Ort wohnen und sind oft so lange von der Sozialhilfe abhängig, bis die Kinder erwachsen sind», erklärt die CVP-Politikerin.

«Man will anonym bleiben»

In Emmen wurden letztes Jahr 129 Alleinerziehende unterstützt, was einem Prozentsatz von 24,2 entspricht. Im Vorjahr waren es noch acht Fälle mehr. Thomas Lehmann (FDP), Sozialdirektor der Gemeinde Emmen, sagt dazu: «Wir gehen davon aus, dass die Zahl in den kommenden Jahren tendenziell noch steigen wird.» Dies habe auch mit dem Wandel der gesellschaftlichen Strukturen zu tun, so Lehmann. Dass Agglomerationsgemeinden mehr Alleinerziehende unterstützen müssen, führt Lehmann einerseits auf die Anonymität zurück. «Menschen, die vom Sozialamt abhängig sind, wollen unerkannt bleiben, und in stadtnahen, grossen Gemeinden ist das einfacher.» Andererseits sei der Arbeitsmarkt in Stadt und Agglomeration vitaler als auf dem Land.

In der Gemeinde Kriens ist die Unterstützungsquote letztes Jahr von 114 auf 118 Fälle gestiegen. Lothar Sidler (CVP), Sozialvorsteher der Gemeinde Kriens, sagt: «Viele Sozialhilfebezüger bevorzugen einen Wohnort, der unter anderem mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossen ist.» Grund: Meist müssten diese auf ein Auto verzichten und auf ÖV umsteigen, so Sidler. Kriens unterstützt mit verschiedenen Massnahmen, wie etwa mit Kinderbetreuungsangeboten, vermehrt alleinerziehende Mütter. Auf lange Sicht, so Sidler, sei es wichtig, dass Alleinerziehende schnell wieder in den Arbeitsprozess integriert werden. «Nur so haben sie die Chance, von der Sozialhilfe wegzukommen.»

97 Prozent sind Frauen

Gemäss Lustat sind im Kanton Luzern insbesondere geschiedene Personen auf Sozialhilfe angewiesen, gefolgt von ledigen Personen. Bei fast allen Alleinerziehenden, die auf Sozialgelder angewiesen sind, handelt es sich um Frauen, laut den Statistikern sind dies 97 Prozent. Ruedi Fahrni von der Dienststelle für Soziales und Gesundheit sagt: «Bei einer klassischen Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau – der Mann arbeitet, die Frau betreut die Kinder – kann es nach einer Trennung zu grossen finanziellen Engpässen kommen.» Für die Frau werde es schwierig, den bisherigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Meist würde sie um einen Berufseinstieg nicht herumkommen. «Doch auch der Mann muss sich einschränken, weil er nach einer Trennung nach wie vor finanziell für die Kinder aufkommen muss.»

Yasmin Kunz

Stabile Quote

Im Kanton Luzern wurden letztes Jahr rund 8300 Personen von wirtschaftlicher Sozialhilfe unterstützt, das sind 2,1 Prozent der Wohnbevölkerung. Die Sozialhilfequote in Luzern und den weiteren Zentralschweizer Kantonen ist stabil und liegt klar unter dem nationalen Durchschnitt (siehe Tabelle). Laut Statistik nimmt die Quote der Sozialhilfeempfänger mit zunehmendem Alter ab. Entgegen dieser Feststellung bildeten Luzerner Senioren über 80 Jahre letztes Jahr aber eine Ausnahme: 2013 waren im Kanton Luzern 177 Personen über 80 Jahre auf Sozialhilfe angewiesen. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 waren es erst 128 Personen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.