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Spange Nord: Auch ein langer Tunnel fällt bei den Quartieren durch

Der Kanton prüft derzeit sechs Varianten für den Autobahnzubringer Spange Nord. Die Mehrheit der betroffenen Stadtluzerner Quartiere kann er damit aber nicht besänftigen.
Stefan Dähler

Wie die Spange Nord dereinst aussehen soll, ist offen. Der Kantonsrat hat dem Regierungsrat den Auftrag erteilt, den geplanten Autobahnzubringer nochmals zu überarbeiten und Alternativen zu prüfen. Das ursprüngliche Projekt sah eine offene Strassenführung zwischen Friedental und Schlossberg vor, wodurch massive Eingriffe ins Quartier befürchtet wurden. Derzeit werden sechs Varianten geprüft, unter anderem auch ein durchgehender Tunnel zwischen Lochhof und Schlossberg:

Die Luzerner Quartiervereine haben die Spange Nord in ihrer ursprünglichen Form bekämpft. Direkt vom Projekt betroffen wären die Quartiere Hochwacht, Maihof und Luegisland. Wie sieht es heute aus? Marc-André Roth, Präsident des Quartiervereins Hochwacht, räumt ein, dass der Kanton ein breites Angebot an Varianten präsentiert hat. «Unsere Haltung ist aber immer noch, dass das Projekt einzig mit der Variante 0+ städtebaulich verträglich umgesetzt werden kann.» Das heisst, mit einem gänzlichen Verzicht auf die Spange Nord.

Bei einem Tunnel ab der Rosenbergstrasse wären aufgrund der Ein- und Ausfahrten immer noch «massive Eingriffe» nötig, so Roth. «Weiter stellt sich die Frage, wie die Quartiererschliessung aussehen soll.» Die einzige quartierverträgliche Variante sei jene mit dem Tunnel bis zur Haldenstrasse. «Diese ist aber so teuer, dass sie kaum realistisch ist.» Der Kanton rechnet mit Kosten von über 1 Milliarde Franken. Weiter wären andere Quartiere, etwa im Bereich Lochhof und Fluhmühle, nach wie vor betroffen. Weiter erwartet Roth, dass der Kanton das Gespräch mit den Quartiervereinen sucht, dies sei schliesslich auch Teil des kantonsrätlichen Auftrags gewesen.

Kanton hat Rosenberg-Tunnel schon mal verworfen

Der Kanton Luzern hat im Rahmen des Vorprojekts zur Spange Nord bereits einen Tunnel vom Schlossberg bis zum Knoten Sedelstrasse wie auch lokale Einhausungen grob abgeklärt – und verworfen. Die Tunnelportale seien «aufgrund des grossen Platzbedarfes höchst problematisch», heisst es im Technischen Bericht aus dem Jahr 2016. Weiter seien zur Quartiererschliessung nach wie vor oberirdische Strassen nötig. Diese würden nach wie vor relativ stark befahren. Nur rund 50 Prozent des Verkehrs könne man in den Tunnel verlagern. Im Auftrag des Kantonsrates werden bis im Herbst aber nochmals verschiedene Tunnelvarianten vertieft geprüft.

Auch Maihof-Quartiervereinspräsident Thomas Wüest kritisiert das Vorgehen des Kantons. «Wir wurden nur informiert über die Varianten, das Gespräch hat man mit uns aber nicht gesucht.» Weiter sei es verwunderlich, dass ein Ausbau der Sedelstrasse überhaupt nicht zur Debatte steht. «Ich frage mich, ob wirklich alle Möglichkeiten geprüft wurden», so Wüest. Der Spange steht er nach wie vor ablehnend gegenüber. «Ich habe den Eindruck, dass am Ende ohnehin die bisherige Variante als beste dastehen wird.» Jene mit dem Bau des Rosenbergtunnels stellt auch für Wüest auch keine echte Option dar. «Der Tunnelschlund würde das Ortsbild ebenfalls massiv beeinträchtigen.»

Dieselbe Haltung hat auch die Gegenbewegung Spange Nord, eine Initiative von Bewohnern aus den betroffenen Quartieren mit einem aktiven Kern von rund 20 Mitgliedern. Wie sie mitteilt, plant sie darum am kommenden 11. Mai einen Demonstrationszug vom Maihof-Schulhaus bis zum Lochhof. Die Gegenbewegung hat bereits letztes Jahr Protestaktionen durchgeführt, etwa beim Maihof-Schulhaus und vor dem Regierungsgebäude im Vorfeld einer Kantonsrats-Session:

Bild: Roger Grütter (Luzern, 8. Mai 2018)

Bild: Roger Grütter (Luzern, 8. Mai 2018)

Neutral verhält sich im Moment der Quartierverein Luegisland. Man wolle zunächst abwarten, für welches Projekt sich der Kanton entscheidet, sagt Co-Quartiervereinspräsident René Reinhard. Wichtig sei aber auf jeden Fall eine quartierverträgliche Umsetzung. Was auch er kritisch sieht, ist, dass noch keine Mitwirkung für die Bevölkerung stattgefunden hat. «Eine solche wäre wünschenswert.»

Mitwirkung folgt nach Entscheid für eine Variante

Wie reagiert der Kanton auf die Kritik des mangelhaften Einbezugs der Anwohner? Dass die Quartierbevölkerung möglichst genau wissen will, was genau geplant ist und wie sie vom Projekt betroffen sind, sei verständlich, sagt Judith Setz, Sprecherin des kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements. «Entsprechende Antworten können während der technischen Überprüfung aber noch nicht gegeben werden. Erst wenn dieser Überprüfungsprozess abgeschlossen ist, wird klar sein, welche Variante weiterverfolgt und detaillierter ausgearbeitet werden soll.» Dann werde bekannt sein, inwiefern welche Anwohner überhaupt betroffen sind. «Zu diesem Zeitpunkt ist eine Mitwirkung der Direktbetroffenen angezeigt und auch vorgesehen.»

Ein erster Anlass habe im Januar bereits stattgefunden. Dort sei es vorerst darum gegangen, die betroffenen Quartiere aus erster Hand über den Prozess der Variantenüberprüfung zu informieren.

Junge SVP stört sich an «Spange-No»-Plakaten

Sie sind Ausdruck des Widerstands gegen die Spange Nord in den Quartieren: Die «Spange No»-Plakate, die derzeit an zahlreichen Häusern in zu sehen sind. Diese seien bewilligungspflichtig, schreibt die Junge SVP in einem offenen Brief. Sie fordert daher die Stadt Luzern auf, dafür zu sorgen, dass die Plakate verschwinden und die Verantwortlichen gebüsst werden. Auf Anfrage teilt die Stadt jedoch mit, dass die Plakate auf Privatgrund keine Regeln und Gesetze verletzen würden. Es gelte der «verfassungsrechtliche Anspruch auf freie Meinungsäusserung». Eine Bewilligung wäre nötig, wenn sich die Plakate auf öffentlichem Grund befänden. In Abstimmung mit der Luzerner Polizei würde man aber einschreiten, wenn sicherheits- und verkehrstechnische Vorbehalte vorgebracht werden müssten.

Eines von zahlreichen Anti-Spangen-Plakaten. (Bild: JSVP)

Eines von zahlreichen Anti-Spangen-Plakaten. (Bild: JSVP)

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