SPANGE NORD: Die Quadratur des Kreises

Die Luzerner Stadtregierung ist mit dem Vorprojekt zur neuen Zubringerstrasse nicht zufrieden. Erstmals spricht sie sogar davon, die «Spange» ganz abzulehnen.

Robert Knobel
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Beim Luzerner Stadtrat ist die Skepsis gegenüber dem Projekt Spange Nord weiter gewachsen. Erstmals spricht er sogar von der Möglichkeit, die Zubringerstrasse ganz abzulehnen, falls die Forderungen der Stadt nicht erfüllt werden. Massiven Widerstand gibt es nicht nur in der Stadt, sondern auch in Kriens. Dort steht vor allem der Bypass, das grosse Schwesterprojekt der Spange Nord, in der Kritik. Sämtliche Krienser Parteien lehnen den Bypass in der heutigen Form ab. 

Die Kritik erstaunt wenig. Nach wie vor ist unklar, in welchem Ausmass die neue Autobahnumfahrung tatsächlich zu einer Verkehrsentlastung der Innenstadt und der Agglomerationsgemeinden führen wird. Klar scheinen hingegen die negativen Auswirkungen auf die dicht besiedelten Gebiete im Norden der Stadt sowie in Kriens: Eine neue vierspurige Strasse durchs Friedental und bis zu zehn Autobahnspuren am Südportal des Sonnenbergtunnels sorgen in den Quartieren für Ängste.

Kein Wunder, ist es dem Bund bisher nicht gelungen, die Luzerner vom Nutzen dieses milliardenteuren Grossprojekts zu überzeugen. Irritierend ist dabei, dass es beim Projekt Tiefbahnhof gerade umgekehrt läuft: Hier zweifelt der Bundesrat den Nutzen an, während in Luzern über die Notwendigkeit des Tiefbahnhofs ein breiter Konsens besteht. Luzerner und Krienser haben in der Verkehrsfrage also völlig andere Sichtweisen als der Bund – was den Kanton in die Zwickmühle bringt. Denn er ist mit der Ausgestaltung des Projekts Spange Nord betraut. Dabei muss er die Strassenkapazität so weit erhöhen, dass das Projekt in Bern bewilligungsfähig bleibt. Gleichzeitig muss er dafür sorgen, dass die Quartiere nicht zusätzlich belastet werden. Ob diese Quadratur des Kreises überhaupt gelingen kann, bleibt fraglich. 

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch