Spange Nord: Stadt Luzern rechnet nach – aber nicht selber

Wie seriös sind die Verkehrsprognosen, die dem Projekt Spange Nord zugrunde liegen? Die Stadt Luzern will dies genau herausfinden – aber nicht im Alleingang, sondern zusammen mit dem Kanton.

Robert Knobel
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Die Reussportbrücke über die Reuss bildet das Kernstück des Projekts Spange Nord.

Die Reussportbrücke über die Reuss bildet das Kernstück des Projekts Spange Nord.

Visualisierung: Swiss Interactive AG

Der Kanton hat bei der Planung der Spange Nord (von der inzwischen nur noch die Reussportbrücke übrig bleibt) mit veralteten Verkehrszahlen gerechnet. Insbesondere sei die Zunahme des Autoverkehrs bis 2040 überschätzt worden. So lautet das Fazit einer Studie, die von der IG «Reussport Nein» in Auftrag gegeben wurde (wir berichteten). Wer hat nun Recht – das kantonale Baudepartement oder die Verkehrsexperten von ETH und FH Nordwestschweiz, welche die Studie erstellt haben? SP, Grüne und GLP wollen, dass der Luzerner Stadtrat diese Frage beantwortet. In einem Postulat fordern sie, dass die Stadt die Schlussfolgerungen aus der Studie selber untersucht und mit den Zahlen des Kantons vergleicht.

Prognosen sollen an aktuelle Entwicklungen angepasst werden

Der Stadtrat lehnt einen solchen Alleingang ab – und die Mehrheit des Parlaments folgte ihm dabei. Der Stadtrat argumentiert, dass der Kanton ohnehin ein neues Gesamtverkehrsmodell erarbeite. In diesem Rahmen werde auch die Berechnungsgrundlage für Verkehrszahlen aktualisiert. Die Stadt sei Teil der kantonalen Arbeitsgruppe und könne bei der Entwicklung des neuen Verkehrsmodells aktiv mitwirken. Das Ziel sei, ein dynamisches Modell für Verkehrsprognosen zu erhalten, sagte Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne). Die heutigen Modelle seien zu statisch und nicht in der Lage, kurzfristige Entwicklungen zu berücksichtigen. Wenn sich beispielsweise die Gesetzeslage ändert (z.B. neue Verschärfungen für Klimaschutz) oder wenn sich Verhaltensänderungen der Bevölkerung abzeichnen, müssten die Verkehrsprognosen entsprechend angepasst werden können, so Borgula.

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