Kommentar

Spange Nord: Verkehrsprognosen mit Zahlen von vorgestern

Dass der Kanton Luzern bei der Berechnung des Verkehrsmodells für die Spange Nord, respektive Reussportbrücke, teils mit Erkenntnissen aus dem Jahr 2000 arbeitet, erstaunt. 

Roman Hodel
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Roman Hodel.

Roman Hodel.

(Bild: Dominik Wunderli)

Man reibt sich schon etwas verwundert die Augen, auf welchen Verkehrsprognosen das umstrittene Projekt Spange Nord, respektive die inzwischen abgespeckte Version namens Reussportbrücke, gründet. Gemäss einer von Gegnern des Projekts in Auftrag gegebenen Studie zweier Verkehrsexperten fehlen im entsprechenden Modell wichtige Punkte wie etwa die Auswirkungen des Durchgangsbahnhofes auf das Gesamtverkehrssystem – oder sie sind zu wenig abgebildet wie beispielsweise die demografische Entwicklung. Denn: AHV-Rentner fahren bekanntlich eher ÖV und dies zu anderen Zeiten als Berufstätige.

Fast schon unglaublich ist aber der Umstand, dass das Verkehrsmodell unter anderem auch auf Erkenntnissen einer Bevölkerungsumfrage zum Thema Mobilitätsverhalten aus dem Jahr 2000 beruht. Sie haben richtig gelesen: 20 Jahre zurück! Damals hiessen die S-Bahnen im Raum Luzern noch Regionalzüge, fuhren oftmals bloss im Stundentakt und auf den Strassen waren noch Trolleybusse aus den 70er Jahren unterwegs.

Gewiss, Verkehrsprojekte zu planen ist komplex. Was in 15 Jahren sein wird, ist selbst für Experten schwierig abzuschätzen. Denn Infrastrukturbauten wie eben die Reussportbrücke sind zwar für Jahrzehnte gedacht, doch die Technik entwickelt sich mittlerweile in 5-Jahres-Schritten. Darum ist es umso wichtiger, dass die Behörden wenigstens beim Berechnen des Ist-Zustandes auf aktuelles Zahlenmaterial zurückgreifen können.

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