«Spannungen sind wichtig»: Ehepaar leitete Sempacher Pfarrei während 15 Jahren

Das Sempacher Pfarreileiter-Ehepaar Andrea und Bernhard Stadler-Koster gibt sein Amt nach 15 Jahren weiter. Die beiden erzählen von einer prägenden Zeit mit vielen berührenden Momenten.

Raissa Bulinsky
Hören
Drucken
Teilen

Die Leitung der Pfarrei in Sempach ist für Andrea (50) und Bernhard (65) Stadler-Koster mehr als nur ein Beruf. Das Ehepaar teilte sich das Amt der Pfarreileitung der katholischen Pfarrei St. Stefan in den vergangenen 15 Jahren. Mit der Pensionierung von Bernhard Stadler geben sie diese Verantwortung nun ab. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählen die beiden von ihrem beruflichen Alltag, denn dieser gehe über Gottesdienste und christliche Rituale hinaus, so die beiden. Es seien viele andere Aspekte, die den Beruf und die Institution der Kirche zu einem wichtigen Teil der Gesellschaft machen.

Das Feuer hat für das Ehepaar eine symbolische Bedeutung und spielte stets eine tragende Rolle. Im Bild mit dabei ist Enkelin Amelia.

Das Feuer hat für das Ehepaar eine symbolische Bedeutung und spielte stets eine tragende Rolle. Im Bild mit dabei ist Enkelin Amelia.

Manuela Jans-Koch Sempach, 17. Januar 2020

Vor allem die Seelsorge und die Beratung seien gesellschaftsrelevante Aufgabenbereiche innerhalb einer Pfarrei. Kindern und Erwachsenen werde dadurch in jeglichen Lebenssituationen eine Anlaufstelle geboten, bei der sie immer auf ein offenes Ohr träfen. Darunter fallen auch Haus- und Krankenbesuche. Andrea Koster Stadler absolvierte eine Ausbildung in Seelsorge und Körperpsychotherapie und bot den Sempacher Gemeindemitgliedern eine 24-Stunden-Anlaufstelle. Sie sagt:

«Am wertvollsten ist es, Zeit zu schenken – reden, zuhören, mitfühlen und sich gemeinsam freuen.»

Viele wichtige Aspekte der Kirche seien gegen aussen nicht sichtbar, doch genau diese seien am bedeutsamsten, so die bisherige Pfarreileiterin.

Alle sitzen im selben Boot

Auch Bernhard Stadler-Koster schwelgt in Erinnerungen an die prägende Zeit: «Die Kirche sollte nicht nur als religiöse Organisation wahrgenommen werden, vielmehr soll ihre Funktion als Hilfsmittel für das Geheimnis von Gott erkannt werden.» Er vergleicht die Kirche mit einem Boot. So sei es wichtig, als Pfarreileiter nicht alleine das Ruder in die Hand zu nehmen und die Fahrtrichtung anzugeben. Vielmehr sollen die Passagiere partizipieren, um als Gemeinschaft voran zu kommen.

Natürlich schaffe nicht nur die Kirche Raum für soziale Unterstützung und Hilfeleistung. Viele von der Kirche unabhängige Menschen leisten einen sehr wichtigen Beitrag in Sempach, so das Ehepaar: Da wäre beispielsweise der Bäcker, der nach Feierabend sein unverkauftes Brot an Notleidende verteilt, oder eine Boutique-Inhaberin, die Bedürftigen nigelnagelneue Kleidung zur Verfügung stellt. Das Ehepaar freut sich darüber, dass «die Gemeindemitglieder Sempachs ein Herz für Menschen am Rand haben».

Die Kirche sei eine Struktur, die Raum biete, sich zu sammeln und zu verbinden. Hier kommen verschiedenen Gruppierungen zusammen. Zum Beispiel die Jungwacht oder Blauring, die Claro-Gruppe für gerechte Produkte und der Frauenbund. «Es geht nicht nur um das Reden über Gott. Die Kirche ist ein Gefäss, das Räume schafft», so Andrea Koster Stadler.

Auch Spannungen sind wichtig

Natürlich gibt es auch Kontroversen. Viele wollen sich nicht an grosse Institutionen wie die Kirche binden und leben konfessionslos. Dies könne teilweise ein harter Schlag sein, sagt die ehemalige Pfarreileiterin. Aber auch die Spannungen seien wichtig, denn dadurch würde die Kirche «Reibungsfläche bieten, die Mündigkeit fördert». Um die Zukunft der Pfarrei mache sich das Ehepaar aber keine Sorgen: Die Gemeinde Sempach biete tolle Bedingungen für eine erfolgreiche Zukunft.

Hinweis: Am Sonntag, 19. Januar, findet der Abschiedsgottesdienst der Pfarreileitung statt. Mehr Infos zur Pfarrei Sempach und zum Abschiedsgottesdienst

Mehr zum Thema

Kirchen suchen Veränderungen

Wo sehen unsere drei Landeskirchen die Herausforderungen für die Zukunft? Welche Chancen gibt es für die Kirchen, und wo werden sie gefragt sein? Fachleute nehmen dazu ausführlich Stellung.
Martin Spilker, kath.ch