SPAREN: Sanierung des Natur-Museums vor dem Aus?

Seit 16 Jahren wartet das Natur-Museum am Kasernenplatz auf die dringend nötige Sanierung. Doch nun prüft die Luzerner Kantonsregierung eine ganz neue Lösung.

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Das Natur-Museum in Luzern. (Bild: Manuela Jans (20. Dezember 2015))

Das Natur-Museum in Luzern. (Bild: Manuela Jans (20. Dezember 2015))

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Eine Bombe in der Kartonschachtel? Gestern teilte die Staatskanzlei des Kantons Luzern mit, die Organisationsentwicklung 2017  (OE 17) sei auf Kurs. Hinter diesem sperrigen Begriff versteckt sich ein Sparprogramm, das gehörig Zündstoff bietet. Im Rahmen dieses Projektes hat der Kanton 155 Massnahmen geprüft, bei denen er sparen könnte. Jetzt hat er sich für 132 Punkte entschieden, die weiterverfolgt werden sollen (siehe Kasten).

Wohl der pikanteste Posten: Das Natur-Museum soll Kooperationen mit anderen Museen prüfen. Was die Mitteilung nicht verrät: Namentlich gemeint damit ist das Museum am Gletschergarten, wie das «Regionaljournal» gestern berichtete. 

Verhandlungen ganz am Anfang

Karin Pauleweit, Leiterin der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur, sagt gegenüber unserer Zeitung: «Wir haben den Prüfauftrag erhalten, ob das Natur-Museum mit anderen Museen zusammenarbeiten kann. Mit dem Gletschergarten hatten wir erste Kontakte.» In den Verhandlungen sei man erst ganz am Anfang, konkret sagen könne sie nichts, so Pauleweit. 

Andreas Burri ist Direktor des Gletschergartens. Er bestätigt die Gespräche auf Anfrage unserer Zeitung: «Wir wurden am Donnerstag über die Pläne informiert.» Also vorgestern. Für Burri war die Idee der Regierung eine Überraschung: «Wir haben nicht damit gerechnet.» Grundsätzlich sei man offen für Gespräche. Gleichzeitig macht er klar: «Wir selber haben nie von uns aus geplant, in diese Richtung zu expandieren.» Zudem spricht er sich für das Natur-Museum aus: «Es hat auf dem Platz Luzern mit Sicherheit seine Daseinsberechtigung.» Offenbar war die Leitung des Natur-Museums nicht in die Gespräche involviert. Beim Museum verweist man denn auch auf den Kanton für weitere Informationen.  

Kanton zahlt 3 Millionen an Gletschergarten

Wie eine allfällige Zusammenarbeit aussehen würde, kann Andreas Burri noch nicht sagen. Das sei noch zu früh: «Momentan müssen wir uns erst einmal orientieren und das Angebot setzen lassen.» Kommt hinzu: Im Gletschergarten stehen mit dem Ausbauprojekt «Fels» auch so grosse Veränderungen an.  Der Kanton unterstützt den Ausbau des Gletschergartens mit einem Beitrag von 3 Millionen Franken. Zum Vergleich: Die seit 16 Jahren geplante Sanierung des Natur-Museums wird mit 12 Millionen Franken veranschlagt. Ob das Sanierungsprojekt nun obsolet wird, kann Pauleweit noch nicht sagen. Offenbar ist das Sanierungsprojekt aber so lange sistiert, bis klar ist, ob und wie ein Kooperationsprojekt in Frage kommt.

40,9 Millionen Franken sollen gespart werden

Mit der Organisationsentwicklung 2017 (OE 17) will der Regierungsrat den Staatshaushalt entlasten. Das Projekt sei «auf Kurs, aber noch nicht am Ziel», erklärte der Regierungsrat am Freitag in einer Mitteilung der Staatskanzlei (wir berichteten). Gemäss aktuellem Planungsstand würde der Kantonshaushalt dank der geplanten Massnahmen per 2020 um 40,9 Millionen entlastet werden.

Die Grobkonzeptphase wurde per Ende 2016 abgeschlossen. Dabei wurden laut Staatskanzlei 155 Entwicklungsmassnahmen in allen kantonalen Aufgabenbereichen geprüft. Die Regierung will nun 132 dieser Massnahmen weiterverfolgen und bis im Mai vertieft bearbeiten oder direkt umsetzen. Nebst der Überprüfung von Kooperationen für das Natur-Museum geht es um Folgendes: 

  • Die organisatorische Konzentration in der Gymnasialbildung. 
  • Die Überprüfung einer Neuorganisation des Instrumentenunterrichts an den Kantonsschulen in Kooperation mit den Gemeindemusikschulen.
  • Die Prüfung der Zusammenführung der IV-Stelle Luzern, der Ausgleichskasse und allfälliger weiterer Versicherungen zu einem Sozialversicherungszentrum.
  • Die Einführung der Internettelefonie und die Digitalisierung des Postverkehrs sowie die Automatisierung und Digitalisierung weiterer Prozesse.
  • Der Abbau von Leistungen im Bereich häusliche Gewalt.

Eine wesentliche Erkenntnis aus dem bisherigen Projektverlauf sei, dass ein grosser Teil des Effizienzsteigerungs- und Sparpotenzials bereits realisiert worden ist, wird Regierungspräsident Marcel Schwerzmann in der Mitteilung zitiert.

(red)