SPAREN: Statt Fundbüro: Schlüssel online suchen

Verlorene Wertsachen im Kanton Luzern können per sofort per Internet gesucht werden. Dafür wird das «richtige» Fundbüro der Polizei weggespart.

Raphael Gutzwiller
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So sieht die Startseite der Website easyfind.ch aus. Zukünftig sollen in Luzern verlorene Gegenstände dort erfasst und gesucht werden. (Bild: Printscreen esyfind.ch)

So sieht die Startseite der Website easyfind.ch aus. Zukünftig sollen in Luzern verlorene Gegenstände dort erfasst und gesucht werden. (Bild: Printscreen esyfind.ch)

«Ich habe mein Portemonnaie verloren!» Nach diesem Satz gehen die Luzerner normalerweise ins Fundbüro der Luzerner Polizei mitten in der Stadt. Die Hoffnung: Jemand habe die Geldbörse mit all ihren wichtigen Karten abgegeben. Das Portemonnaie ist der Gegenstand, der am häufigsten im Fundbüro der Luzerner Polizei abgegeben wird. Dahinter folgen in dieser Reihenfolge Schirme, Schlüssel, Handys, Uhren und Schmuck.

Um das Portemonnaie wieder zu finden, reicht neu ein Klick auf die Website von «Easyfind». Seit Anfang Monat nutzt das Fundbüro der Luzerner Polizei die Website. Dort werden verloren gegangene Gegenstände erfasst, schweizweit sind sie so einfach wieder auffindbar. Die SBB, der Flughafen Zürich und mehrere Schweizer Kantone nutzen das System bereits seit Jahren.

Einsparung: 120 000 Franken

Das Fundbüro dient für alle gefundenen Gegenstände in der Stadt Luzern, darunter auch die Gegenstände, die in den Bussen der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) gefunden wurden. Dort arbeitet aktuell ein Polizist. Durch die Streichung der 100-Prozent-Stelle gibt der Kanton künftig jährlich 120 000 Franken weniger aus. Hat die Einführung des Onlineportals etwas mit den kantonalen Sparmassnahmen zu tun? Schliesslich wird das Fundbüro der Luzerner Polizei am Hirschengraben ersatzlos weggespart (Ausgabe vom 24. Oktober 2015).

Software angepasst

Andreas Töns, Informationschef des Kantons Luzern, teilt im Namen des Regierungsrats schriftlich mit: «Easyfind hat nichts mit Sparmassnahmen zu tun, es dient zur Unterstützung.» Die Absicht, ein elektronisches Verzeichnis der Fundgegenstände zu führen und öffentlich zugänglich zu machen, bestehe beim Kanton schon länger. «Das Projekt erforderte aber Softwareanpassungen, die nicht früher vollzogen werden konnten», begründet Töns.

Meldestelle ist geplant

Wie das weggesparte Büro genau ersetzt werden soll, ist noch offen. Andreas Töns dazu: «Geplant ist eine Meldestelle. Das Konzept muss noch definitiv erarbeitet und beschlossen werden.» Ganz gestrichen werden darf das Fundbüro oder ein ähnliches Angebot nicht: Gemäss dem Zivilgesetzbuch müssen Gegenstände, deren Wert offensichtlich 10 Franken übersteigt, bei der Polizei abgegeben werden. Trotz Abbau: «Die Nachfrage nach einem physischen Fundbüro ist nach wie vor vorhanden», so Andreas Töns. Das ­zeigen auch die Zahlen der gefundenen Gegenstände, die in den letzten Jahren gestiegen sind (siehe Tabelle). Übrigens: Rund die Hälfte der registrierten Funde wird abgeholt. Bei den verlorenen Gegenständen mit einem Wert unter 20 Franken sind es weniger. Eine Statistik darüber wird allerdings nicht geführt.

Wie man verlorene Gegenstände im Kanton Luzern wieder finden kann, wird also anders. Eine Ersatzmöglichkeit für das Fundbüro wird das Onlineportal Easyfind sein. Mittels einer Suchmaske kann dort schweizweit nach verlorenen Gegenständen gesucht werden. Die Postleitzahl, die Art des Gegenstands sowie speziell dazu passende Stichworte sollen die Suche nach dem verlorenen Gegenstand erleichtern. Im System sind alle registrierten Gegenstände erfasst, für die Funde mit einem Wert unter 20 Franken wäre der Aufwand zu gross. Wie man dann wieder an seinen verlorenen Schirm gelangen soll, weiss die Luzerner Polizei im Moment noch nicht.

Gute Erfahrungen mit Easyfind

Der Kanton Zug setzt bereits seit 2010 auf das Onlineportal Easyfind. Judith Aklin, Mediensprecherin der Zuger Polizei, sagt: «Die Vermittlungsquote mit dem neuen System ist höher als vorher.» Durch die elektronische Vernetzung der einzelnen Dienststellen sei die Vermittlung von Fundgegenständen einfacher geworden, so Aklin. Mussten die Zuger bei Verlust eines Gegenstandes früher alle Polizeidienststellen anfragen, reicht heute eine einfache Suchabfrage im Netz. Wurde der gesuchte Gegenstand abgegeben, meldet das System umgehend einen Treffer.

Und was muss man machen, wenn man ein verlorenes Portemonnaie findet? «Wer einen Gegenstand findet, kann ihn auf jeder Polizeidienststelle abgeben. Die Gegenstände werden dort registriert, was das Vermitteln der Wertsachen einiges einfacher macht», so Aklin. Ein zentrales Fundbüro kannte Zug im Gegensatz zu Luzern auch vor der Einführung von Easyfind nicht.

Bild: Quelle Luzerner Polizei

Bild: Quelle Luzerner Polizei