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SPARMASSNAHMEN: Deshalb schröpft die Stadt die Schule

Jede 20. Lehrerstelle in der Stadt Luzern wird gestrichen. Bei der Schule gebe es noch Sparpotenzial, so die Begründung. Die «Backoffices» kommen hingegen ungeschoren davon.
Der 1. Schultag nach den Sommerferien 2015. Hier bei den Erstklässlern im Schulhaus Maihof in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der 1. Schultag nach den Sommerferien 2015. Hier bei den Erstklässlern im Schulhaus Maihof in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Stadt Luzern soll 14 Millionen Franken sparen. Das verursacht einen Stellenabbau von 46,5 Stellen (Ausgabe von gestern). Der grösste Teil betrifft die Lehrpersonen mit einer Reduktion von 32 Vollzeitstellen. Das sind knapp 5 Prozent aller Stellen in der städtischen Volksschule. Zum Vergleich: Im Sozialbereich beträgt der Stellenabbau weniger als 1 Prozent, während in der Bildungs- und Finanzverwaltung gar kein Abbau geplant ist (siehe Tabelle). Neben der Schule trifft es auch den Bereich Bau stark (minus 4 Prozent). Dort wird etwa beim Gebäudeunterhalt gespart – was gleich nochmals die Volksschule betrifft (Schulhäuser werden weniger häufig gereinigt).

Weniger Geld für Schulmobiliar

Was die Lehrpersonen betrifft, kommt die Stellenreduktion vor allem durch einen Abbau beim Angebot Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und der Integrativen Förderung (IF) zu Stande. Gespart wird bei der Schule noch in weiteren Bereichen, die aber keinen Stellenabbau zur Folge haben: Bei der Eröffnung von neuen Kindergärten soll weniger Geld für Mobiliar zur Verfügung stehen. Die Vorbereitungskurse für Sekundarschüler, die eine weiterführende Schule besuchen, werden gestrichen. Die Blockzeitenentlastung für Kindergärtnerinnen wird aufgehoben. In der Musikschule soll es nur noch 30- und 40-Minuten-Lektionen geben. Der 50-minütige Unterricht wird abgeschafft. Insgesamt sollen im Bereich Volks-/Musikschule 4,4 Millionen Franken eingespart werden – dies bei einem Gesamtaufwand von rund 100 Millionen Franken.

«Schlanke Verwaltung»

Bemerkenswert dabei ist: Die Kürzungen bei der Volksschule treffen fast ausschliesslich die Unterrichtsangebote direkt. In den «Backoffices», also bei der Bildungsverwaltung, ist hingegen kein Abbau geplant. Dabei umfasst die Bildungsdirektion über 100 Vollzeitstellen (siehe Tabelle). Bildungsvorsteherin Ursula Stämmer (SP) sagt dazu: «Die Schuladministration im engeren Sinne macht nur gerade 18 bis 20 Stellen aus.» Die restlichen rund 80 Stellen betreffen Stellen im Bereich Kultur, Sport, Personal und Rechtsdienst – das alles ist ebenfalls der Bildungsdirektion angegliedert. «Unser Jurist hat zum Beispiel täglich Fragen zu klären, die direkt von der Schule, also von der Front, kommen», sagt Ursula Stämmer.

Dennoch – weshalb wird in der Verwaltung kaum gespart? «Eine Studie von Price Waterhouse & Cooper hat vor drei Jahren aufgezeigt, dass die städtische Verwaltung sehr schlank aufgestellt ist», sagt Ursula Stämmer. Doch wenn jede 20. Lehrerstelle gestrichen wird, müsste doch eigentlich auch für die Verwaltung entsprechend weniger Aufwand anfallen? «Das stimmt nicht, im Gegenteil, der Druck steigt und unter Umständen gibt es sogar mehr Fragen und Probleme zu lösen», sagt Stämmer.

Nicht nur bei der Bildung, auch in den übrigen Bereichen wird die Verwaltung weitgehend geschont. Peter Mendler, der externe Projektleiter des Sparpakets «Haushalt im Gleichgewicht», bestätigt dies: «Es stimmt, dass als Auswirkung des Sparpakets vor allem an der Front gespart wird. Die Verwaltung war beim letzten Sparpaket stark betroffen, was diesmal weniger der Fall ist.» Sieht man beim letzten Sparpaket von 2013 (4 Millionen Franken) genauer hin, zeigt sich allerdings genau dasselbe Bild: Der Abbau von 11 Stellen erfolgte damals ausschliesslich bei der Kinderzahnklinik, bei der Musikschule, beim Winterdienst und dem Unterhalt von Grünflächen.

16 Prozent über dem Schnitt

Zu den Sparmassnahmen in der Volksschule sagt Peter Mendler: «In einem Vollkostenvergleich hat sich gezeigt, dass das Leistungsangebot der städtischen Volksschule 16 Prozent über dem kantonalen Durchschnitt liegt.» Deshalb habe man dort ein relevantes Sparpotenzial gesehen. Beim Lektionenangebot Deutsch als Zweitsprache (DaZ) wird die Stadt neuerdings nur noch die Minimalvorgaben des Kantons einhalten. Trotzdem müsse Luzern den Vergleich mit anderen Städten noch nicht scheuen, findet Peter Mendler.

Annamarie Bürkli, Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands (LLV), sieht das anders. Die Auswirkungen der Reduktion beim DaZ seien klar: Fremdsprachige Kinder erhalten weniger intensiven und kürzeren Deutschunterricht. «Mit der Folge, dass die Lehrpersonen Kinder in der Klasse haben, die kaum etwas verstehen. Später jammert man, dass sie keine Lehrstelle erhalten oder Sozialhilfe beziehen.» Bei der Integrativen Förderung (IF) brüstet sich der Stadtrat zwar damit, man biete immer noch mehr, als vom Kanton verlangt. Doch für Annamarie Bürkli sind die kantonalen IF-Vorgaben keine Referenz – «sie sind bloss das absolute Minimum».

Hier soll die Stadt Luzern sparen

Massnahmenred. Die geplanten Sparmassnahmen der Stadt Luzern von rund 14 Millionen Franken verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Bereiche/Direktionen:

  • Volksschule: 4,4 Mio.
  • Sozialdirektion: 3,3 Mio.
  • Umwelt/Verkehr/Sicherheit: 2,3 Mio.
  • Finanzdirektion: 1,4 Mio.
  • Baudirektion: 1 Mio.
  • Bildung/Kultur/Personal: 0,13 Mio.
  • Massnahmen aus dem kantonalen Sparpaket «Leistungen und Strukturen»: 1,5 Mio.


Robert Knobel

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