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SPARMASSNAHMEN: Sozialberatung muss Abstriche machen – keine Hilfe bei Essstörungen

Wegen gekürzter Kantonsbeiträge können Sozialberatungszentren bei Essstörungen keine Hilfe mehr anbieten. Die Fälle landen nun bei der Luzerner Psychiatrie, wo sich das Wartezeiten-Problem verschärfen wird.
Evelyne Fischer
Kinder holen sich wegen zu viel Stress vermehrt Hilfe bei Beratungsstellen. (Symbolbild) (Bild: Stefan Kaiser)

Kinder holen sich wegen zu viel Stress vermehrt Hilfe bei Beratungsstellen. (Symbolbild) (Bild: Stefan Kaiser)

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Die finanzielle Situation des Kantons Luzern geht an den vier Sozialberatungszentren (SOBZ) im Kanton Luzern nicht spurlos vorbei. So musste als Folge des Konsolidierungsprogramms KP 17 im Suchtbereich fast eine halbe Million Franken eingespart werden (siehe Kasten). Als direkte Folge des Sparpakets entschieden sich die Sozialinstitute auch, ab 2017 bei Essstörungen keine Beratungen mehr durchzuführen.

«Betroffene verweisen wir nun auf die Angebote der Luzerner Psychiatrie», sagt Verena Wicki Roth, Geschäftsführerin des SOBZ Willisau-Wiggertal. Sie bedauert diesen Schritt. «Solche Auslagerungen sind schmerzhaft, unsere Mitarbeiter beobachten diese Entwicklung mit Sorge.» Ein Stellenabbau sei bislang aber noch nicht nötig gewesen.

Während in Willisau in diesem Bereich 2016 nur acht Beratungen durchgeführt wurden, waren es im SOBZ Luzern deren 124 – von kantonal insgesamt 153. «Weil wir das Angebot aufheben mussten, wurden Anpassungen bei den Anstellungen nötig», sagt Beat Waldis, Geschäftsführer SOBZ Luzern. «Wir haben noch keine Entlassungen vorgenommen, weil wir die laufenden Beratungen in diesem Gebiet normal abschliessen möchten.»

Die Streichung des Angebots bei den SOBZ dürfte Folgen für den Betrieb der Luzerner Psychiatrie (Lups) haben: Es kann zu einer erhöhten Nachfrage bei den ambulanten Diensten kommen. «Wir erwarten einen substanziellen Anstieg der Fallzahlen in diesem Bereich, was sich auf die Wartezeit auswirken kann», sagt Silvia González, Sprecherin der Lups. «Aktuell liegen die Wartezeiten in den Ambulatorien Luzern bei der Regelbehandlung bei rund zwei bis drei Monaten.» González weist zudem darauf hin, dass die SOBZ bislang sowohl Beratung als auch Behandlung angeboten haben. «Bei Behandlungen haben unsere ambulanten Dienste die SOBZ in Form eines ärztlichen Konsiliar- und Liaisondienstes bereits heute unterstützt.»

Künftig seien Betroffene auf die Behandlungsangebote in den Ambulatorien oder auf Angebote anderer Fachpersonen angewiesen. Fraglich ist, wie das gestrichene Beratungsangebot kompensiert wird. Denn: «Die Lu­zerner Psychiatrie hat keinen expliziten Auftrag für Nur-Beratungen, soweit dies nicht Behandlungen im Sinne des Krankenversicherungsgesetzes sind.»

«Randregionen werden benachteiligt»

Verena Wicki Roth, Geschäftsführerin des SOBZ Willisau-Wiggertal, befürchtet: «Die kantonalen Sparmassnahmen laufen darauf hinaus, dass Randregionen benachteiligt werden.» Was sie besonders ärgert: «Hier trifft es Menschen, die kaum eine Lobby haben, um sich zu wehren. Politiker müssen ihre Entscheidungen auch inhaltlich reflektieren, nicht nur finanziell.»

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