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SPARPAKET: Lehrer listen Abbauvorschläge auf

Der Unmut über geplante Kürzungen in der Bildung nimmt zu: Erste Lehrer melden sich selbst zu Wort, ihr Verband gleist derweil selber Massnahmen auf.
Evelyne Fischer
«Der Leistungsabbau wird auch auf Kosten der Kinder gehen.» Annamarie Bürkli, Präsidentin Lehrerverband. (Bild: Dominik Wunderli (Neue Luzerner Zeitung))

«Der Leistungsabbau wird auch auf Kosten der Kinder gehen.» Annamarie Bürkli, Präsidentin Lehrerverband. (Bild: Dominik Wunderli (Neue Luzerner Zeitung))

Evelyne Fischer

Der Montag war nicht nur für jene Tausende Mädchen und Knaben ein besonderes Datum, die nun wieder die Schulbank drücken. Auch für die Lehrer bedeutet das neue Schuljahr einen markanten Einschnitt: Es könnte das letzte sein, bevor die Massnahmen des Konsolidierungsprogramms KP 17 in Kraft treten. Im Bildungsbereich sieht das 330 Millionen schwere Sparpaket unter anderem Folgendes vor: Lehrer müssen ab Schuljahr 2017 eine Lektion pro Woche mehr unterrichten. Dienstaltersgeschenke sind künftig gestrichen.

Betroffenen ein Gesicht geben

Zwar fallen die definitiven Kantonsratsbeschlüsse erst im November und Dezember. Der raue Wind des Widerstands gewinnt jedoch bereits jetzt zunehmend an Stärke: Mit einem offenen Brief haben Anfang Woche 125 Hochdorfer Lehrkräfte bei Parlamentariern und Regierungsräten ihren Unmut geäussert (Ausgabe vom Dienstag). «Wir wollen nicht länger die Faust im Sack machen», sagt Markus Graf, ein Vertreter der siebenköpfigen Lehrergruppe, die das Schreiben während der Sommerferien verfasst hat. «Die geplanten Kürzungen sorgen zunehmend für Frustration und trüben die gute Stimmung im Team.» Bereits in den vergangenen Jahren sei das Arbeitspensum durch häufige Reformen und steigende Ansprüche «massiv» erhöht worden. «Mit dem Brief wollen wir den Kantonsräten vor Augen führen, wen ihre Massnahmen letztlich treffen.»

«Massgebende Position im Budget»

Zum Schreiben der Hochdorfer nimmt Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) nur summarisch Stellung. Die Erarbeitung des KP 17 sei in Gange, dies lasse eine abschliessende Beurteilung des Briefes nicht zu. Aufgrund der «sehr angespannten Finanzsituation» sei es aber «unumgänglich», auch Massnahmen zu ergreifen, die kantonale Angestellte betreffen. «Der Personalaufwand ist eine der massgebenden Positionen im Budget.»

Dass eine Schule von sich aus aktiv wird, ist ein Novum. Und ein Schritt, den der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV) nachvollziehen kann: «Das Schreiben zeigt, dass die Lehrpersonen die Folgen des Abbaupakets sehr gut einschätzen können und um die Qualität ihrer Arbeit besorgt sind», sagt Präsidentin Annamarie Bürkli. «Je mehr Stimmen der Basis sich erheben, umso realistischer wird es sein, dass etwa die Pensenerhöhung gekippt werden kann.»

Alternative Sparvorschläge

«Wir sehen unseren Brief als Ergänzung zum LLV», sagt Markus Graf, der in Hochdorf mittlerweile 12 Jahre unterrichtet. «Denn es lässt sich verschieden auf eine Lohnreduktion reagieren.» Der LLV kündete im Juni an, künftig etwa Projektwochen zu streichen oder weniger mit den Eltern zusammenzuarbeiten. «Für uns ist es keine Lösung, Klassenlager zu streichen oder zu streiken», sagt der Hochdorfer Lehrer. «Wir wollen mitdenken und keine Trotzhaltung einnehmen. Wir wollen weiterhin gute Arbeit machen, aber zum gleichen Lohn.» Daher schlagen die Hochdorfer unter anderem vor, seltener Reformen durchzuführen und nicht ständig die Lehrmittel zu wechseln. «Hier liesse sich Geld sparen.»

«Von der Basis her Druck erzeugen»

Der LLV will jedoch einen weit härteren Kurs einschlagen und im September allen Lehrerteams einen Abbaukatalog unterbreiten: Derzeit umfasst dieser gut 20 Massnahmen, die die Pädagogen bei ei­ner allfälligen Pen­sen­aufstockung entsprechend entlasten sollen. Klassenlager sollen gestrichen oder reduziert, Elterngespräche limitiert und ausserschulische Anlässe nicht mehr betreut werden. Welche Leistungen letztlich wegfallen, entscheidet jede Schule für sich. «Mit diesem Vorgehen können wir gegen aussen ein Zeichen setzen und von der Basis her Druck erzeugen», sagt Präsidentin Annamarie Bürkli. Die Kehrseite der Medaille: «Der Leistungsabbau wird unweigerlich auch auf Kosten der Kinder gehen.»

«Sparende ist erreicht»

Das Sparpaket KP 17 sorge für ein «Schrecken-ohne-Ende-Gefühl», sagt Annamarie Bürkli. «Auch die dritten Sparmassnahmen in Folge werden das Finanzloch nicht stopfen können.» Die Streichung des Dienstaltersgeschenkes etwa «mit vermutetem Sparerfolg von 180 000 Franken» stehe «in keinem Verhältnis» zum hundertfachen Millionenleck. Solche und weitere Sparmassnahmen würden bloss die Motivation der Lehrer weiter beeinträchtigen und die Chancengleichheit der Schüler durch die möglichen kommunalen Abbaumassnahmen schmälern. Für die LLV-Präsidentin ist daher klar: «Das Sparende ist erreicht. Um die Bildungsqualität zu halten, braucht es mehr Einnahmen.»

Hinweis

Die Luzerner Allianz für Lebensqualität – ein Verbund von rund 50 Organisationen, darunter Personalverbände, Gewerkschaftsbund, SP und Grüne – laden am 27. September im Kantonsratssaal zur Landsgemeinde. Infos zur Debatte über das Sparpaket unter www.luzerner-allianz.ch

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