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SPARPAKET: «Luzern muss endlich seine Trümpfe ausspielen»

Die Luzerner Regierung schürt ein millionenschweres Sparpaket, um finanzpolitisch wieder Tritt zu fassen. Das allein genüge nicht, sagt der neue Chef von EY Luzern. Er fordert eine aktivere Ansiedlungspolitik.
Dominik Buholzer
Jetzt wird angepackt: Rico Fehr (46), seit Freitag neuer Chef von EY in Luzern, aufgenommen am Sitz des Unternehmens am Luzerner Alpenquai. (Bild: Nadia Schärli (28. Juni 2017))

Jetzt wird angepackt: Rico Fehr (46), seit Freitag neuer Chef von EY in Luzern, aufgenommen am Sitz des Unternehmens am Luzerner Alpenquai. (Bild: Nadia Schärli (28. Juni 2017))

Dominik Buholzer

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

Kaum ein Bereich bleibt verschont. Damit der Voranschlag 2017 doch noch ins Trockene gebracht und die Schuldenbremse eingehalten werden kann, präsentiert die Luzerner Regierung einen ganzen Strauss an Sparvorschlägen. Die grössten Posten sind: Abbau der Prämienverbilligung um insgesamt 7 Millionen Franken, Reduktion des Globalbudgets im Asyl- und Flüchtlingswesen um 5 Millionen, Stipendienreduktion um 2 Millionen Franken, Reduktion der polizeilichen Leistungen um 1,5 Millionen Franken – um den gleichen Betrag sollen auch die Leistungen im Gesundheitswesen heruntergefahren werden. Gleichzeitig setzt die Luzerner Regierung den Rotstift bei fünf weiteren Positionen an.

«Die Stimmberechtigten haben am 21. Mai 2017 den Auftrag erteilt, mit einem Steuerfuss von 1,6 Einheiten einen rechtskonformen Voranschlag zu erstellen. Diesen Auftrag haben wir ausgeführt», sagt Finanzdirektor Marcel Schwerzmann und schiebt den Ball dem Kantonsrat zu. Er hat es im kommenden September in der Hand, dem budget­losen Zustand im Kanton Luzern ein Ende zu setzen.

Ertragsseite muss verbessert werden

Rico Fehr (46) ist seit Freitag neuer Chef des Prüfungs- und Unternehmensberaters EY in Luzern und verfolgt die Diskussionen gespannt mit. Sein Kommentar zu den jüngsten Vorschlägen der Luzerner Regierung: «Sparen ist in Ordnung. Doch dies allein wird nicht genügen.» Er vermisst in erster Linie Hinweise, wie die Regierung die Situation auf der Ertragsseite verbessern will. In der Privatwirtschaft gebe es genügend Beispiele, die zeigten, was mit Firmen passiere, wenn sie nur noch auf die Kostenbremse treten. «Es sinken die Umsätze, und irgendwann fährt das Unternehmen an die Wand», erläutert er. Komme hinzu, dass das Sparpotenzial bei einem Kanton relativ beschränkt sei. «Über 80 Prozent der Ausgaben sind Fix­kosten. Ein grosser Wurf gelingt ihnen da nicht», betont er.

Deshalb gilt es für Fehr, den Fokus stärker auf die Ansiedlungspolitik zu setzen, um auf diese Weise zu mehr Steuersubstrat zu gelangen. Fehr: «Luzern muss endlich seine Trümpfe ausspielen.» Rekordtiefe Unternehmenssteuern, zentrale Lage und genügend frei verfügbare Büroflächen, traumhafte Wohngegend, Nähe zu Universität und Hochschule, gute Verbindung zum Flughafen: «Luzern hat fast alle Vorteile auf seiner Seite.» Weshalb geht denn die Rechnung bislang nicht auf? Die Zahl der Neuansiedlungen nahm in den vergangenen drei Jahren stetig ab. Fehr fällt es nicht leicht, eine Antwort zu finden. Er könne sich dies selber nicht erklären. «Luzern hat es irgendwie nie verstanden, sich als Wirtschaftsstandort ins Gespräch zu bringen. Luzern wird zu sehr nur als Feriendestination wahrgenommen.»

Nicht dass sich dies nicht ändern liesse. Doch die Politik der Luzerner Wirtschaftsförderung zielt genau in eine andere Richtung. Vor einem Jahr beschloss sie, sich mehr auf die Betreuung von ansässigen Unternehmen und die Gemeinden zu konzentrieren, und rückt damit von der Politik der Neuansiedlungen ab. Fehr findet das falsch. «Der Rückgang der Neuansiedlungen zeigt ja, dass es höchste Zeit ist, den Hebel umzulegen. Wie sonst sollte sich die aktuelle Politik der rekordtiefen Unternehmenssteuern rechtfertigen lassen?» Vieles lässt sich laut Fehr bereits über eine aktive Kommunikation erreichen. «Wussten Sie, dass in Luzern im Gegensatz zu Zürich immer noch Kontingente für die Anstellung für Personen aus Drittstaaten verfügbar sind?», fragt Fehr, um dann fortzufahren: «Für ein ansiedlungswilliges Unternehmen könnte das ein entscheidender Grund sein. Es sind genau solche Dinge, die Luzern mehr kommunizieren muss.»

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