Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SPARPLÄNE: Musikunterricht wird für Eltern teurer

Die Luzerner Regierung will 3,75 Millionen Franken beim freiwilligen Instrumentalunterricht der Mittelschüler sparen. Tiefer in die Taschen greifen sollen künftig Gemeinden und Eltern.
Gestern Nachmittag an der Musikschule Emmen: Hannes Süess beim Klavierunterricht mit seiner Instrumentallehrerin Christine Jakob. (Bild Dominik Wunderli)

Gestern Nachmittag an der Musikschule Emmen: Hannes Süess beim Klavierunterricht mit seiner Instrumentallehrerin Christine Jakob. (Bild Dominik Wunderli)

Musizieren will gelernt sein – auch an den Luzerner Kantonsschulen. Jährlich nehmen gut 900 Schüler am Angebot des freiwilligen Instrumentalunterrichtes teil. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Schwerpunktfach Musik an den Gymnasien, wo das Erlernen eines Instrumentes Pflicht ist. Wer am freiwilligen Musikunterricht teilnimmt, tut das entweder an der Kantonsschule selber – an den Gymnasien, der Fach- und Wirtschaftsmittelschule, der Berufsmaturitätsschule Gesundheit und Soziales, Fachklasse Grafik oder der Gesundheitsmittelschule. Oder man erlernt auch als Mittelschüler ein Instrument an einer Gemeinde-Musikschule.

Der Kanton zahlt den Gemeinden jährlich 1750 Franken pro Kantonsschüler. Doch nun soll es zu markanten Einsparungen dieser Subventionen kommen: Gemäss aktuellem Aufgaben- und Finanzplan (AFP) 2016–2019 sollen die Kantonsbeiträge ab dem Schuljahr 2016/17 gekürzt werden – und zwar um die Hälfte, auf 875 Franken pro Schüler.

Gemeinden: An vier Orten sparen

Das kommt beim Verband der Luzerner Gemeinden (VLG) nicht gut an. «Es ist stossend, dass die Kosten einfach von einer Ebene zur nächsten weitergegeben werden – vom Kanton zu den Gemeinden und schlussendlich zu den Eltern», sagt Armin Hartmann, VLG-Finanzverantwortlicher, SVP-Kantonsrat und Gemeindeammann von Schlierbach. Über den AFP 2016–2019 entscheidet der Kantonsrat Ende November/Anfang Dezember. Im schlimmsten Fall müssen die Gemeinden die wegfallenden Subventionen kompensieren – wie ist noch offen. Laut Hartmann bestehen vier Möglichkeiten:

  • Leistungen beim Musikunterricht abbauen.
  • Interne Einsparungen tätigen, etwa bei der Verwaltung.
  • Die Gemeinden deckendas Defizit.
  • Die Elternbeiträge erhöhen.

«Es ist wahrscheinlich, dass die Gemeinden einen Mix aus diesen vier Möglichkeiten umsetzen werden», so Armin Hartmann. Welche Gemeinden die Sparmassnahmen besonders treffen werden, ist derzeit noch unklar.

Neben den halbierten Subventionen für die Gemeinde-Musikschulen will die Regierung den Hebel auch beim freiwilligen Musikunterricht an den Mittelschulen selber ansetzen: Dort sollen Eltern neu 1040 Franken pro Kind und pro Jahr zahlen, das sind 150 Franken mehr als bis anhin. Diese Erhöhung der Elternbeiträge soll ab dem nächsten Schuljahr gelten. Die Eltern der rund 3400 Luzerner Mittelschüler (ab 10. Schuljahr) sollen auch bei den Schulgeldern tiefer in die Taschen greifen: Der Elternbeitrag wird um 300 auf 765 Franken pro Schuljahr erhöht (Ausgabe vom 14. Oktober). So will der Kanton bis 2019 3,1 Millionen Franken einsparen.

Kein Wunder, hat sich gegen die höheren Musikschulbeiträge bereits Widerstand formiert: Der Verband der Luzerner Schülerorganisationen lancierte am letzten Mittwoch eine Petition, um die Erhöhung der Elternbeiträge zu verhindern (Ausgabe von 29. Oktober).

Schwerzmann: «Das ist zumutbar»

Finanzdirektor Marcel Schwerzmann rechtfertigt die Erhöhung der Elternbeiträge so: «Es geht letztlich um die Grundsatzfrage, wie viel steuergeldfinanzierte Subventionen nötig und wie viel Eigenverantwortung und -engagement zumutbar sind.» Er sei überzeugt, dass die Erhöhung der Beiträge um 150 Franken für die Musizierenden, beziehungsweise für deren Eltern, zumutbar sei.

Der Kanton wendet seinerseits für den gesamten Musikunterricht jährlich 4,1 Millionen Franken auf. Die Ausgaben variieren mit der Anzahl Schüler und den neuen Anmeldungen, so Schwerzmann. Mit den erhöhten Elternbeiträgen und der Kürzung der Subventionsbeiträge an die Gemeinden sollen gemäss AFP im nächsten Jahr 450 000 Franken gespart werden, in den darauffolgenden Jahren sogar 1,1 Millionen jährlich. Insgesamt will die Regierung also 3,75 Millionen Franken weniger ausgeben.

Instrumentallehrer fassungslos

Marc Hunziker, Vorstand der IG Instrumentallehrpersonen der Luzerner Mittelschulen, kann es nicht fassen, dass die Regierung schon wieder beim Instrumentalunterricht sparen will. Er stelle bereits jetzt fest, dass der Trend der rückläufigen Anzahl von Musikschülern durch die höheren Elternbeiträge zusätzlich verschärft wird. «Die Schmerzgrenze ist erreicht – für die Eltern und auch was die Lehrerlöhne betrifft.» Deshalb hat die Interessensgemeinschaft bereits im März 2015 ein Gesuch beim Kantonsgericht eingereicht. Es soll die damalige Zurückstufung der Löhne der Instrumentallehrer um eine Lohnklasse überprüfen. Zurzeit ist das Gesuch noch beim Kantonsgericht hängig.

Über die drohenden Sparmassnahmen haben die Gemeinde-Musikschulen bisher kaum Informationen erhalten, wie eine Umfrage zeigt. Deswegen können auch die Folgen für den Musikunterricht noch nicht abgeschätzt werden. «Wir befinden uns in einer Warteposition», sagt etwa Markus Kühnis, Musikschulleiter von Emmen. «Weniger Subventionsbeiträge würden natürlich schmerzen. Es wäre viel sinnvoller, wenn Synergien zwischen den Musikschulen der Gemeinden und jenen an den Kantonsschulen genutzt würden.» So könne beispielsweise der Instrumental- und Gesangsunterricht der Kantis an die Gemeinde-Musikschulen delegiert werden. Ebenso würde der Konkurrenzkampf zwischen Gemeinde und Kantonsschulen aufgelöst – Jugendliche müssten sich nicht mehr zwischen den Angeboten entscheiden.

Kaum Unterschiede bei Lehrern

Dass es einen Graben zwischen Gemeinden und Kantonsschulen gibt, dementiert Marc Hunziker von der IG Mittelschul-Instrumentallehrpersonen. «Die einzige Differenz ist der Arbeitgeber, der Kanton oder die Gemeinde», so Hunziker. Was die Ausbildung angeht, unterscheiden sich die Instrumentallehrer nicht, alle haben einen Musikhochschulabschluss. Synergien zwischen den Musikschulen der Gemeinden und Kantonsschulen würden deshalb bereits genutzt. Für Hunziker würden weitere Synergien, etwa im administrativen Bereich, nur zu marginalen Einsparungen führen. «Hingegen ist es für die Mittelschulen sehr wichtig, ein integriertes Team von Instrumentallehrpersonen zu haben.»

Niels Jost

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.