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SPENDEN: Flüchtlingsdrama löst Solidaritätswelle aus

Ein Luzerner Café sammelt am 18. September Spielzeug und Kleider für Asylsuchende. Was als kleine Aktion gedacht war, mausert sich gerade zum Grossanlass.
Lena Berger
Magalie Marini im Café Chez Cassis, wo die Spenden am 18. September gesammelt werden. (Bild Jakob Ineichen)

Magalie Marini im Café Chez Cassis, wo die Spenden am 18. September gesammelt werden. (Bild Jakob Ineichen)

«Nicht alle Menschen leben auf der Schoggi-Seite von diesem Planeten. Und mit 11 Franken am Tag kommt man nicht weit hier in der Schweiz. Wir wollen darum einen kleinen Beitrag leisten und sammeln am 18. September für unsere Erdenbürger.» Mit diesen Worten hat Magalie Marini die Luzerner auf Facebook aufgerufen, Kleider, Hygieneartikel und Spielzeug für Asyl­suchende zu spenden. «Mich und meine Mutter haben die Schlagzeilen über das Flüchtlingsdrama einfach nur beelendet. Deshalb haben wir beschlossen, aktiv zu werden», erklärt Marini.

Enormes Echo auf Spendenaufruf

Die Spenden wollen die beiden Frauen persönlich an die Flüchtlinge in den Asylheimen liefern. Die Resonanz war enorm. Statt wie erwartet 20, haben inzwischen über 200 Personen zugesagt, Materialspenden vorbeizubringen. Offenbar haben viele Luzerner nur darauf gewartet, etwas gegen das Elend unternehmen zu können, das die Nachrichten seit Monaten dominiert.

Die 26-jährige Organisatorin bringt das grosse Echo allerdings in logistische Schwierigkeiten. Das kleine Café Chez Cassis im Luzerner Bruchquartier – wo das Material gesammelt werden soll – hat nicht genug Platz, um grosse Mengen von Sachspenden zwischenzulagern. «Wir sind von dieser Welle der Solidarität völlig überrascht worden. Ich bin sehr gerührt, dass so viele Menschen mithelfen wollen. Es zeigt, dass trotz rassistischer Entgleisungen im Netz, immer noch viele Menschen das Herz am rechten Fleck haben.»

Gesucht wird ein Lastwagen

Nun sucht Magalie Marini nach einer Lösung, um die Spenden dorthin bringen zu können, wo sie gebraucht werden. Ein Problem dabei: Die Luzerner Asylzentren sind inzwischen mit Material versorgt. «Trotz vorgängiger Anfrage haben wir vor einigen Tagen die Rückmeldung erhalten, dass hier in der Zentralschweiz nichts mehr gebraucht wird.» Abgesagt wird die Aktion deshalb aber nicht. «Wir hoffen, dass die Solidarität noch weitergeht und uns jemand einen Lastwagen zur Verfügung stellt, damit wir das Material nach Budapest oder Calais bringen können», erklärt Marini. Mit Hilfskoordinatoren vor Ort steht sie bereits in Kontakt.

Caritas: Ansturm der Freiwilligen

Die immensen Rückmeldungen auf den Spendenaufruf überraschen Experten nicht. Auch die Caritas Luzern, die das Asylwesen derzeit unter sich hat (siehe Box unten), wird von Freiwilligen nahezu überrannt. «Wir spüren deutlich, dass die Bereitschaft für ein solidarisches Miteinander mit Flüchtlingen zugenommen hat», bestätigt Sprecher Urs Odermatt. In den letzten Monaten haben sich immer mehr Menschen gemeldet, die Asylsuchende und Flüchtlinge durch freiwilliges Engagement unterstützen wollen. «Seit August verzeichnen wir zwischen 20 bis 30 Anfragen pro Woche. In den Sommermonaten war in früheren Jahren eher ein Rückgang zu beobachten, dies ist in diesem Sommer ausgeblieben.» Für den Herbst rechnet er mit einem erneuten Anstieg.

Im ganzen Kanton sind bei der Caritas für Asylsuchende und Flüchtlinge insgesamt rund 200 Freiwillige im Einsatz. Einsatzgebiete finden sie in der Alltagsbegleitung, der Arbeitsintegration (SAH), den Zentren, bei der Deutschunterstützung sowie im Lese- und Schreibdienst. «Die Einsatzorte sind unterschiedlich und entsprechen verschiedenen Interessenprofilen», erklärt Odermatt. Es gehe in den meisten Fällen um den Aufbau einer Beziehung, den Austausch auf persönlicher Ebene, die individuelle Unterstützung in Alltagsfragen und natürlich auch um die Konversation in Deutsch.

Zug: 10 Anfragen pro Tag

Auch der Kanton Zug erlebt eine Solidaritätswelle. Das kantonale Sozialamt erhält derzeit täglich rund zehn Anfragen von Bewohnerinnen und Bewohnern, aber auch von Firmen, die etwas spenden, sich für die Integration der Personen aus dem Asylbereich freiwillig engagieren möchten oder sogar bereit wären, Flüchtlinge bei sich zu Hause aufzunehmen. «Die vielen Zeichen der Solidarität und die Bereitschaft, in irgendeiner Form zu helfen, freuen uns sehr» sagt Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard.

Tipps fürs freiwillige Engagement

Wie aber sieht eine sinnvolle Unterstützung aus, wenn jemand nicht die Möglichkeit hat, sich längerfristig zu verpflichten? Das Asylnetz Luzern hat eine Antwort: den Tausch von Coop-Gutscheinen. Personen, die von der Nothilfe leben, erhalten pro Tag einen Bon im Wert von zehn Franken. Die Einkaufsmöglichkeiten sind so eingeschränkt. Deshalb sind Personen gesucht, die diese Bons abkaufen, wie das Onlinemagazin Zentralplus berichtet. «Der Wechsel der Coop-Gutscheine in reales Geld ermöglicht den Menschen, an anderen Orten einzukaufen oder auch mal eine Telefonkarte oder ein einfaches Busticket zu kaufen», schreibt der Verein auf der Website.

Hilfe, die nichts kostet

Stefan Frey, Sprecher der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, nennt weitere Möglichkeiten, Asylsuchende zu unterstützen. Sinnvoll sei es, Zeit zu spenden. «Die Flüchtlinge in der Schweiz seien zwar in Sicherheit, aber ihr Alltag sei weiterhin geprägt von der Flucht.» Das Thema lasse sie nicht los. «Sie kommen mit der ‹echten› Schweiz kaum in Kontakt. Deshalb ist es einfach wunderbar, wenn ihnen Freiwillige vielleicht die Stadt zeigen, sie zu einem Konzert einladen, einen Spielnachmittag im Quartier organisieren oder sie zum Essen einladen.» Durch den Kontakt würden die Flüchtlinge motiviert, möglichst rasch die Sprache zu lernen. «Integration gelingt am besten von Mensch zu Mensch – und weniger über verordnete Massnahmen», so Frey. Es sei auch keineswegs verboten, einfach in einem Asylzentrum vorbeizugehen und einen Kuchen zu bringen. «Hervorragend ist es, wenn zum Beispiel ein Sportverein einen jungen Flüchtling ins Training einlädt. Denn im Sport sind alle gleich. Diese Art von Hilfe kostet fast nichts – und macht doch einen enormen Unterschied.»

Lena Berger

Hinweis

Weitere Infos finden Sie unter www.asylnetz.ch oder www.caritas-luzern.ch/freiwillige

Luzerner Caritas-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Luzern Bei vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas Luzern ist die Stimmung derzeit ziemlich gedrückt. Das betrifft in erster Linie all jene Männer und Frauen, die im Bereich der Notunterkünfte arbeiten.

Verträge wurden nicht verlängert
Bereits im vergangenen Juni sagte Caritas-Geschäftsführer Thomas Thali gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung»: «Wir beschäftigen in unseren Notunterkünften in Dagmersellen, Willisau, Ebikon und Luzern 30 Mitarbeiter mit befristeten Verträgen.» Diese Verträge, so Thali, würden nun selbstredend nicht mehr verlängert. Das rührt daher, dass ab Januar 2016 anstelle der Caritas der Kanton die Betreuung der Asylsuchenden auch operativ übernehmen wird. Bis anhin delegierte die öffentliche Hand diese Aufgabe und entschädigte das Hilfswerk für die anfallenden Aufwendungen.

Seitens der Caritas-Angestellten ist unter anderem folgende Befürchtung zu vernehmen: «Die Ungewissheit hat viele Mitarbeiter dazu bewogen, sich nach neuen Stellen umzusehen. Plötzlich sind dann alle weg.» Dazu eine Bemerkung zur Eigenheit bei der Betreuung von Asylsuchenden in den Notunterkünften: In diesem Segment laufen mit den Vermietern befristete Verträge. Für den Luzerner Eichhof oder die Zivilschutzanlage in Willisau bedeutet dies zum Beispiel, dass die Kontrakte nächstes Jahr im Februar respektive März auslaufen werden.

Hoffnung für das Caritas-Personal
Es liegt auf der Hand, dass es wenig Sinn macht, wenn der Kanton ab Januar 2016 für wenige Monate neues Personal rekrutieren würde. Die Caritas-Leute aus dem Bereich Notunterkunft dürfen sich gemäss Ruedi Fahrni, Asyl- und Flüchtlingskoordinator des Kantons, demnach auch berechtigte Hoffnungen machen, dass sie 2016 in ihrem angestammten Job tätig bleiben können. Er hält schriftlich fest: «Nach heutiger Erkenntnis können wir davon ausgehen, dass wir einen Grossteil der Mitarbeitenden in den Notunterkünften übernehmen werden.»

900 000 Franken sparen
Gemäss Fahrni hängt das auch damit zusammen, dass mit der Eröffnung des Zentrums in Rothenburg ab Ende des laufenden Jahres 180 Notunterkunftsplätze zur Verfügung stehen werden. Auch in dieser Institution wird erfahrenes und fachkundiges Personal benötigt. Der Regierungsrat hat im Juli laut Fahrni seiner Dienststelle für sämtliche Betreuungsaufgaben 69 zusätzliche Stellen bewilligt.

Die Verunsicherung bei den Caritas-Angestellten hängt damit zusammen, dass die Luzerner Regierung, wie bereits erwähnt, entschied, die Betreuung der Asylsuchenden weg von der Caritas hin zum Kanton zu transferieren. Dies, nachdem das Kantonsparlament letztes Jahr beschloss, den Betreuungsauftrag öffentlich auszuschreiben. Ziel des Wechsels sind Einsparungen in der Höhe von 900 000 Franken.

Abbau bei der Verwaltung
Ist diese Vorgabe angesichts der grossen Flüchtlingsströme, die via Balkan respektive das Mittelmeer nach Europa drängen, überhaupt realistisch? Fahrni ist überzeugt, die Zielsetzung zu erreichen. Es zeige sich, dass die für 2016 geplanten Aufwendungen im Vergleich zur aktuellen Situation um mindestens 900 000 Franken tiefer liegen werden. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die Kantone für die anfallenden Kosten vom Bund mit geldwerten Leistungen unterstützt werden. So erhielten die Kantone letztes Jahr aus Bern pro Monat für jeden anerkannten Flüchtling, der Sozialhilfe bezieht, eine Globalpauschale in der Höhe von 1490.64 Franken. Damit werden unter anderem Auslagen für Mieten abgegolten. Das heisst: Je mehr Menschen im Kanton Luzern aufgenommen werden, desto mehr Geld fliesst vom Bund.

Sparen bei der Verwaltung
Zum anderen wird Fahrni bei den Aufwendungen ansetzen, also jenem Bereich, der vom Kanton selber gesteuert werden kann. Dazu schreibt Fahrni: «Die Hauptmassnahmen zur Kosteneinsparung ist der Abbau von Hierarchiestufen. Zudem werden wir in der Verwaltung einen gewissen Abbau vornehmen.» Die gute Nachricht für die Asylsuchenden: «Die Zentren sollen hingegen mit den bisherigen Stellen bestehen bleiben.» Und für die künftigen Mitarbeiter schiebt Fahrni noch etwas Positives nach: Diese sollen künftig mehr Kompetenzen erhalten.

Thomas Heer

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